Montagsfrage: Wenn ich am Ende bin

Was für ein glücklicher Zufall: Die aktuelle Montagsfrage dreht sich ums Ende (okay, ich habe sie selbst vorgeschlagen): Buchfresserchen will wissen, welches Buch wir nicht zu Ende gelesen haben, oder ob wir uns durch jeden Titel durchkämpfen. Ich nutze die Gelegenheit für eine persönliche Buchendzeitstimmung.

Ich habe es vielleicht bereits an anderer Stelle erwähnt: ich fange Bücher unglaublich gern an zu lesen. So gerne, dass mich manchmal das Gefühl beschleicht, dass ich mehr begonnen als beendet habe. Ich lese dann also das erste Drittel oder die erste Hälfte und dann kommt irgendetwas dazwischen. Mal muss ich dann zuerst ein anderes Buch lesen, oder die gefühlten tausend optimistisch ausgeliehenen Titel müssen mit schon einer Woche Überziehung zurück in die Bibliothek. Ich nehme mir dann natürlich vor, die irgendwann noch zu Ende zu lesen. Doch ich fürchte, oft bleibt es bei dem Vorsatz, weil ich inzwischen schon wieder zu viele noch ganz andere Bücher aufgeschlagen habe.

Insofern gibt es sehr viele Titel, die ich nicht zu Ende gelesen habe, zu viele, als das ich mich einzeln an sie erinnern könnte. Tatsächlich gibt es aber einen Roman, dem ich mich zum Schluss einfach verweigert habe. Doch vorher will ich ein bisschen über Endstimmung erzählen und dass ich das Ende nicht immer am Ende lese.

Die Schizophrenie des Happy Ends

Für mich ist das Ende einer Geschichte schon ein wichtiger Parameter, wenn ich eine Geschichte beurteile. Sicherlich nicht der einzige, aber schon ein zentraler. Der Anfang oder die Sprache ist wichtig, um mich erstmal in ein Buch hinein zu ziehen, doch erst am Ende weiß ich, ob der Autor nicht einfach nur gut beschreiben, sondern wirklich Geschichten erzählen kann. Denn ich weiß, ein Ende zu finden ist nicht einfach. Diese Schwierigkeit will ich als Leser jedoch nicht spüren: Ein Ende muss sich stimmig ergeben und darf nicht erzwungen wirken. Es soll der Erzählung von hinten noch einmal Bedeutung geben, vielleicht sogar neues Licht werfen. Ich kann einen Roman (oder ähnliches) nicht abschließend beurteilen ohne das Ende zu kennen, dass nochmal alles retten oder alles zerstören kann.

Dabei bin ich auch noch ziemlich ungnädig, wenn es ums Ende geht: Ich  bin begeistert, wenn mich der Schluss überrascht. Wenn es einen unerwarteten Dreh gibt (der Psychiater war auch tot) oder etwas vollkommen Absurdes passiert (Orest kommt mit einer Armee zurück und schießt den gesamten Königshof tot). Aber wenn es auch nur eine Spur unglaubwürdig oder aufgesetzt wirkt – Daumen runter.

Noch schlimmer ist es mit Happy Ends: Mein Herz besteht ja nicht (ausschließlich) aus Stein, also hoffe auch ich die ganze Zeit auf ein glückliches Ende, bei dem nicht alle sterben, die Familie wieder zusammenfindet und das Paar glücklich wird. Wenn es dann aber passiert, dann schaue ich oft abschätzig von oben herab, weil es sich zu oft nach Deus ex Machina und nach einem Zugeständnis an die Geschichtenkonsumenten anfühlt. Nach meinem Empfinden kann man da kaum etwas richtig machen.

Aber die meisten Geschichten enden oft ebenso unvermittelt, wie sie begonnen haben. Es stellt sich oft nur die Frage, wie groß der Ausschnitt ist, den der Autor oder die Autorin uns präsentiert, wobei auch hier wichtig ist, wie gut ich den wähle: Ist es zu abrupt, wirkt es so, als hätten Zeit, Kraft oder Wille gefehlt. Andere wiederum wälzen dann noch so viel aus, dass man meint, das Ende sei schon lange überschritten.

Die Wehmut am Ende

Beim Lesen erwische ich mich dann gelegentlich – wenn meine Gedanken an einer nicht ganz so begeisternden Stelle abschweifen – mit der Idee, dass ich gerne so eine Art Verlaufsdiagramm hätte, wann ich wie schnell lese. Meinem Gefühl nach ist das der übliche Verlauf: Der Anfang ist oft etwas langsamer, weil ich mich herantasten muss. Dann werde ich schneller, weil es immer mehr Bücher als Zeit gibt. Dann beiße ich mich hin und wieder in einzelne Stellen fest, wo ich wieder langsamer werde. Irgendwo hinter der Mitte werde ich wieder schneller, weil ich wissen will, worauf das Ende hinauslaufen wird. Doch kurz vor Schluss nimmt das Tempo wieder ab, da sich etwas in mir ganz unbewusst dagegen sträubt, ein Ende zu finden. Irgendwann ist das Buch trotzdem zu Ende und eigentlich drängeln die nächsten schon, aber (sofern es ein stimmiges Ende war) mit so einer leichten Wehmut hänge ich der Geschichte noch nach.

Das wäre der Normalfall, von dem ich allerdings häufig abweiche und dass nicht nur. Ich bin oft knapp dran, wenn ich Bücher für Gespräche vorbereite und gerade in diesem Fall finde ich es wichtig, das Ende zu kennen. Außerdem wächst oft auch die Erkenntnis über einzelne Momente, wenn ich weiß, worauf die Erzählung hinausläuft. Deswegen lese ich viele Bücher ungefähr bis zur Mitte (bis ich weiß, woran ich eigentlich bin). Dann lese ich das Ende und arbeite mich von hinten nach vorne durch. Das wäre die schraege Art, das Ende zu erreichen, dass plötzlich in der Mitte des Buches liegt.

Nicht zu ertragen

Doch kommen wir endlich zu dem Titel, auf den all das nicht zu trifft. Dessen Ende ich nicht nachgehangen bin oder ich es vor dem Mittelteil gelesen habe oder ich mir fest vorgenommen habe es irgendwann (und sei es an meinem Lebensabend) doch noch zu erreichen. Nein, bei diesem Buch habe ich mich irgendwann nach der Hälfte entschieden, das will ich nicht zu Ende lesen. Zumal ich wusste, wie es ausgehen würde. Was – vermutlich sehr zum Schrecken vieler Leser – daran liegt, dass es ein sehr berühmtes Buch ist: „Die Leiden des jungen Werther“ von Johann Wolfgang von Goethe.

In dem Dualismus Big G gegen den rothaarigen Rebell stand ich schon immer auf der Seite von Schiller. Deswegen bin ich zwar trotzdem ein großer Fan von „Faust“, aber generell ist mir der Johann einfach zu aufgesetzt. Ich dachte mir zwar, den „Werther“ sollte man gelesen habe. Aber ich habe dieses Rumgeheule und dieses Klammern an ein absurdes Traumbild einfach nicht ertragen. Also habe ich das Buch zugeklappt und stattdessen die „Jungfrau von Orléans“ aufgeschlagen (aufgeschlagen im übertragenen Sinne – beide Bücher habe ich nur digital gelesen).

Das war das einzige Buch, dem ich mich verweigert habe. Wahrscheinlich kommt das aber nur alle zehn Jahre einmal vor und ich bin schon ein wenig auf das nächste Buch gespannt, das wirklich nicht zu Ende lesen will.


Themenspezial Ende?

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Thilo

Thilo

Freier Journalist und Blogger at schraeglesen
Hat sich von einer anfänglichen Faszination für Bücher, über erste Leseerfolge zum Bibliomanen entwickelt.

Eigentlich hat der Kulturjournalist nur aus Langeweile gelesen, hier mal ein Buch im Zug, mal eines im Urlaub, mal ein bisschen vorm Einschlafen. Nach unausgegorenen Berufswünschen wie Koch, Hornist oder Schauspieler, verschlägt es ihn zum Studium der Theaterwissenschaft nach Leipzig und in die Redaktionsräume des Ausbildungsradios mephisto 97.6. Ganz beiläufig lässt er hier fallen, dass er eigentlich ganz gerne mal ein Buch lese. Schon einen Monat später leitet er – hopplahopp – die Literaturredaktion und Lesen wird zum Exzess (in den Tagen vor Buchmessen liest er gerne Nächte und Tage durch).

Inzwischen spricht er hin und wieder bei MDR Kultur und dem Deutschlandfunk über Literatur,Theater, Musik, neue Medien und alles was die Leute (oder: ihn) interessiert. Sein Ziel: Der nächste Marcel Reich-Ranicki (und ein bisschen Gerhard Stadelmaier) werden – nur besser aussehend … und vielleicht etwas umgänglicher. So lange vergnügt er sich weiter auf schraeglesen.de
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    Thilo

    Hat sich von einer anfänglichen Faszination für Bücher, über erste Leseerfolge zum Bibliomanen entwickelt. Eigentlich hat der Kulturjournalist nur aus Langeweile gelesen, hier mal ein Buch im Zug, mal eines im Urlaub, mal ein bisschen vorm Einschlafen. Nach unausgegorenen Berufswünschen wie Koch, Hornist oder Schauspieler, verschlägt es ihn zum Studium der Theaterwissenschaft nach Leipzig und in die Redaktionsräume des Ausbildungsradios mephisto 97.6. Ganz beiläufig lässt er hier fallen, dass er eigentlich ganz gerne mal ein Buch lese. Schon einen Monat später leitet er – hopplahopp – die Literaturredaktion und Lesen wird zum Exzess (in den Tagen vor Buchmessen liest er gerne Nächte und Tage durch). Inzwischen spricht er hin und wieder bei MDR Kultur und dem Deutschlandfunk über Literatur, Theater, Musik, neue Medien und alles was die Leute (oder: ihn) interessiert. Sein Ziel: Der nächste Marcel Reich-Ranicki (und ein bisschen Gerhard Stadelmaier) werden – nur besser aussehend … und vielleicht etwas umgänglicher. So lange vergnügt er sich weiter auf schraeglesen.de

    19 Comments:

    1. Huhu 🙂

      Ich verstehe dich. Den “Werther” betrachte ich bis heute als kolossale Verschwendung meiner Lebenszeit. Ich habe es ausgelesen (Schullektüre), aber Spaß hatte ich dabei ganz bestimmt nicht und wenn nicht die 6 in der anschließenden Leistungskontrolle gedroht hätte, hätte ich es vermutlich tatsächlich abgebrochen.

      Ansonsten stimme ich mit deinen Überlegungen zum Thema “Ende” überein. Das Ende eines Buches bleibt im Gedächtnis und es ist unheimlich wichtig, dass dieser letzte Eindruck der Geschichte gerecht wird. Trotzdem könnte ich nicht in der gleichen Reihenfolge lesen wie du. Ich bin da eher ein linearer Typ. 😀

      Montagsfrage auf dem wortmagieblog
      Viele liebe Grüße,
      Elli

      • Hui, da bin ich aber froh, dass du das genau so siehst. Ich hatte schon befürchtet, dass gleich jemand kommt und sich beschwert: Der “Werther” sei aber so bedeutend und berührend. Vielleicht war er das sogar mal, aber inzwischen wissen wir einfach, dass es mit der Liebe und dem Tod eben nicht so einfach ist (was vielleicht auch gut so ist) und diese Schicksalsergebenheit bietet kein Konfliktpotenzial mehr. Die Zeiten des “Werther” sind möglicherweise vorbei. Insofern tut es mir Leid, dass dein Lehrplan das noch nicht eingesehen hatte.
        Tja und ansonsten weiß ich, dass ich manchmal eine seltsame Art habe zu lesen. Deswegen heißt dieser Blog ja so. Als “Doctor Who”-Fan (nebenbei läuft eine Episode) weiß ich, dass Zeit nicht einfach linear verläuft. 😉 Ich hatte irgendwie schon immer Probleme, nicht gleich alles auf einmal zu sehen. Deswegen lese ich auch immer viel zu viele Bücher gleichzeitig und durcheinander. Manche Autoren sind auch etwas irritiert, wenn ich ihnen erzähle, wie ich Bücher lese, aber viele finden es auch ziemlich lustig und ich mag es auch – aber manche Geschichten lese auch ich lieber von linear und fiebere mit den Figuren mit, wenn es meine Geduld zulässt.

    2. Ich glaube, die meisten haben die Frage so aufgefasst, dass man ein Buch nicht zu Ende liest, weil man es langweilig oder schlecht fand – dass man einfach beim Ausleihen zu begeistert zugegriffen hat oder zu viel dazwischen kommt, ist eine Variante, die ich noch nicht gelesen habe. (Natürlich legitim, besonders, da die Idee der Frage auch noch von Dir stammt 😉 aber besonders vielen Leuten scheint es nicht so zu gehen). Da ich aber der strenge “ein Buch nach dem anderen”-Typ bin, käme ich in diese Schwierigkeit zum Glück auch gar nicht.

      Ich finde auch, dass man beim Ende eines Buches eine Menge falsch machen kann. Meistens rettet für mich ein kreatives Ende ein lahmes Buch allerdings nicht, sondern ein schlechter Schluss macht kurz vor dem Ende ein gutes Buch noch kaputt. Sicher ist auch meine Neugier darauf, wie ein Buch endet, mit dafür verantwortlich, dass mich die Neugierde dazu bringt, doch bis zum Ende zu lesen. Auch wenn’s manchmal – zum Glück sehr selten – zäh wird 😉

      Übrigens mache ich es nicht oft, aber es kommt schon vor, dass ich irgendwann mitten im Buch das Bedürfnis habe, das Ende zu erfahren. Dann blättere ich vor, lese das Ende – und kann mich dann in aller Ruhe den weiteren Verwicklungen widmen. Wenn man ein Buch nicht mehr lesen mag, wenn man das Ende schon kennt, dann ist es für mich kein gutes Buch, weil nicht packend erzählt.

      Beim Werther halte ich mich heraus, den habe ich schon vor viel zu langer Zeit verdrängt 😉

      LG Gabi

      • Da habt ihr die Frage ja auch richtig aufgefasst, ich fand es dann allerdings aufgesetzt, zu behaupten “ich lese jedes Buch zu Ende”, weil das durch den geschilderten Umstand einfach viel zu oft nicht passiert. Was das Lesen angeht bin ich auch generell ein etwas eigener Typ: Wenn ich jetzt ein Buch bis zur Hälfte gelesen hätte, würde ich – egal wieviel Zeit vergangen ist – einfach wieder in der Mitte weiter lesen, deswegen ist das eine Grauzone. Aber wir hätten die Frage vielleicht auch besser formulieren können (das erste Mal ist immer etwas schwierig), weil ich gerne mehr von konkreten Titel gelesen hätte (allerdings habe ich durch meine Schicht gestern noch nicht alle Antworten durch).
        Und ich stimme dir zu: Es ist wahrscheinlicher, dass ein schlechtes Ende ein gutes Buch kaputt macht, als andersherum. Allerdings kann es passieren, dass es am Ende einen Dreh gibt, der all die Logiklücken, und nervige lose Fäden überbrückt und den Gesamteindruck verbessert. Ob das dadurch insgesamt ein gutes Buch wird, ist unwahrscheinlich.
        Das mit dem Bis-zum-Ende-vorblättern kenne ich von meiner Schwester: Die hat gleich auf den letzten Satz geschaut, um zu wissen, wie tragisch das Buch ausgehen könnte. Bei mir ist oft weniger Neugier, als vielmehr eine Art Ungeduld: Ich bin nicht gespannt, wer jetzt der Mörder ist oder ob die Beiden noch zusammenkommen, ich will das Buch einfach komplett durchschauen – so schnell wie möglich.
        zum Werther: Wenn den schon vor langer Zeit verdrängt hast, kannst du nicht allzu weit weg von meiner Meinung sein. Mir scheint, der Tyrannei des Goethe naht das Ende. HAHA!
        Liebe Grüße, thilo

    3. Hallo
      Erst mal ich denke für die interessante Frage.
      Also deine Leseweise ist mit meine Leseweise sehr gleich. Außer ich arbeite nicht von hinter zur der MItte durch. Aber ich Spoiler mich teilweise selbst mit den Schluss. Aber trotzdem ich lese das Buch komplett durch.
      Ich lese die Bücher wo mir nicht gefallen schon durch. Weil möchte gerne wissen wie die Story aus geht.

      Hier ist mein Link zur mein
      Beitrag

      LG Barbara

      My Book&Serie&Movie Blog

      • Wir haben hier ja schon festgestellt, dass ein Buch auch dann noch spannend sein sollte, wenn man das Ende bereits kennt. Die Spannung zum Ende sollte nicht der einzige Grund für das Lesen sein. Allerdings kann man sich so einen Krimi oder Thriller auch ziemlich ruinieren. Ist es dir schon einmal passiert, dass du dir durch das Selbstspoilern die komplette Lektüre verdorben hast?

    4. Huhu!

      Wie schön, noch ein Blog, den ich erst durch die Montagsfrage entdeckt habe! Auf den ersten Blick würde ich sagen, hier finden sich Bücher, die man wirklich nicht überall sieht, und das ist schon mal ein riesiger Pluspunkt.

      Und dein Beitrag zur Montagsfrage ist einfach grandios geschrieben. Chapeau!

      Das Ende kann mir das ganze Buch ruinieren. Ich kann mich da an ein spezielles Buch erinnern, dass ich 400+ Seiten lang grandios fand – und dann kam das konstruierteste, unlogischste, erzwungendste Ende, das ich in den letzten Jahren gelesen habe, und das Buch flog quer durch den Raum, weil ich mich vom Autor richtiggehend betrogen fühlte. Den Titel, ob man es glaubt oder nicht, habe ich inzwischen vergessen. Überhaupt kann ich mich eigentlich nur noch an das Ende erinnern und nicht mehr daran, was mir davor so gut gefallen hat.

      Auf den toten Psychiater bin ich übrigens komplett hereingefallen – das war mal eine unerwartete Wendung, die ich nicht kommen sehen habe UND die ich dennoch passend fand. (Mal vorausgesetzt, wir reden vom selben toten Psychiater.)

      Früher habe ich Wert darauf gelegt, dass ein Ende auch wirklich ein ENDE ist. Dass die Liebesgeschichte glücklich endet. Dass der Mörder gefasst wird und bis auf die Leiche alle mit ihrem Leben weitermachen. Dass jeder einzige Faden bis zum Ende gesponnen wird. Inzwischen, wo ich selber wohl etwa in der Mitte meiner Geschichte angekommen bin, habe ich mehr Verständnis dafür, dass das Leben nur wenige saubere Enden bereithält und die Literatur deswegen auch einiges offen lassen darf.

      Was für eine Erleichterung: noch jemand, der vom großen Goethe nicht vollends begeistert ist! Und Werther… Ja, der war mir auch zu sehr Drama Queen. Ich habe ihn im Deutsch-Leistungkurs lesen müssen, und danach direkt noch “Die neuen Leiden des jungen W”, der mir auch nicht sympathischer war.

      Da waren mir Brecht, Büchner, Frisch und einige andere Autoren, die wir gelesen habe, deutlich lieber.

      Meine wesentlich prosaischere Antwort zur heutigen Frage findest du bei Interesse HIER. 🙂

      LG,
      Mikka

      • So viele Komplimente – Vielen Dank! Das geht ja den Rücken runter, wie warmes Öl mit Buttergeschmack.
        Schade, dass du dich nicht mehr an den Titel erinnerst, da bin ich jetzt wirklich neugierig. Schreib gerne noch mehr Details, vielleicht kennt das jemand und hilft mir mit meiner Wissenssucht.
        Ja, wir reden bestimmt vom selben Psychiater, weil ich kenne ansonsten nur noch Freud. Sehr beruhigend, dass du auch drauf reingefallen bist, ich habe schon mit dem Kommentar gerechnet, der sagt, dass das viiiiieeeel zu offensichtlich war. Ich habe das auch nicht gewusst, Shyalaman ist eben doch ein Profi für Plot Twists.
        zu den sauberen Enden: Daran merkt man Leseerfahrung und -reife. Ich glaube, auf Dauer erträgt man diese alles beschließenden Enden auch nicht mehr, weil sie einfach zu leicht vorhersehbar werden. Wenn man ab der Mitte der Geschichte, die restliche Hälfte vorhersagen kann, dann zerstört das irgendwie ein bisschen den Spaß. Aber natürlich haben auch solche Geschichten ihre Berechtigung, denn irgendwo müssen wir die dramaturgische Standard-Konstruktion kennen lernen.
        Eigentlich bin ich ja niemand, der Konfrontationen komplett aus dem Weg geht, gerade in der Literatur schätze ich unterschiedliche Meinungen. Aber ich bin froh, dass ich mich hier nicht mit einem Goethe-Liebhaber rumärgern muss. Ich glaube, heute würde ich sagen, der ist mir zu kommerziell. Und an die Meisterschaft eines Shakespeares reicht er auch nicht heran.
        Ich habe bei deiner Antwort noch ein paar interessante Aspekte gesehen, deswegen werde ich da nochmal was schreiben.
        Also bis gleich auf der anderen Seite.

        • Hallo Thilo,

          es ist mir wieder eingefallen: es war “Das verlorene Kind” von Michel Bussi. Ich habe dem Buch tatsächlich noch 3 Sterne gegeben! Ohne das Ende wären es wohl 4,5 Sterne geworden, deswegen erschien es mir anscheinend unfair, mehr als 1,5 Sterne für das Ende abzuziehen.

          Meine Rezension:
          http://www.mikkaliest.de/2016/08/das-verlorene-kind-von-michel-bussi.html

          Ja, bei Shyalaman weiß man einfach, dass irgendwo ein Plot-Twist kommen muss! Als ich “The Sixth Sense” gesehen habe, wusste ich das nicht, und ich frage mich manchmal, ob ich auch darauf hereingefallen wäre, hätte ich schon mal einen anderen seiner Filme gesehen.

          Allerdings bin ich auch auf “The Village” hereingefallen, da habe ich EINE Sache zwar kommen sehen, aber das ganz am Ende nicht.

          LG,
          Mikka

          • Mikka, so wie du das Buch, bzw. das Ende beschreibst, bin ich überrascht, dass es überhaupt3 Sterne bekommen hat, aber vermutlich ist mir die Gesamtkonstruktion einfach zu wichtig – wenn sich das Ende nicht vernünftig auflöst, dann haben all die Wendungen auch keinen Sinn gehabt und man hätte sich das ganze Buch sparen können. Vielen Dank auf jeden Fall für das Beispiel.
            Und schön, dass wir offensichtlich dieselben Filme gesehen haben. Auf “The Village” bin ich auch total reingefallen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich zu blöd um sowas vorher kommen zu sehen. Aber ich würde das nicht als Schwäche ansehen, sondern eher als Möglichkeit, mich immer noch überraschen zu lassen.
            Viele Grüße und schöne Feiertage, thilo

    5. Hallöchen Thilo,

      nach dem Beitrag sehe ich dich gerade vor mir wie du mit mindestens zehn Händen durch die Regale schweifst und begeistert alle Bücher einlädst, die dir in die Quere kommen. Zuhause liegt dann ein Berg voll aufgeschlagener Werke =).
      Naja so ähnlich mache ich das ja auch, nur dass ich bei der Abarbeitung (also quasi dem Lesen) sehr strukturiert bin. Mehr als zwei Bücher gleichzeitig zu lesen kommt bei mir nie vor und ich stoppe auch nicht einfach mitten in einem Buch, um dann ein anderes zu lesen. Ich komme da einfach zu sehr durcheinander =).
      Aber du hast natürlich recht, bleiben wir optimistisch. Eines Tages werde ich diesen Wal bezwingen ^^.

      LG
      Anja

      • Hallo Anja,
        das ist haargenau die richtige Beschreibung von Thilos Leseverhalten! Vielen Dank für diese wahren worte!
        .. Also, das heißt, wenn du aus dem einen Berg Bücher zwei, drei Berge machst. Dann stimmt es 😉
        (Das wollte ich nur kurz loswerden, bevor Thilo dir gleich antworten bzw. mich davon abhalten kann, diesen Kommentar zu schreiben.)
        So: Und jetzt räume ich wieder das Feld für den Büchersüchtigen.
        Lg, Caecilia

        (P.S. Mehr als zwei Bücher schaffe ich im Übrigen auch nicht, ohne durcheinander zu kommen. In den besten Tagen vielleicht drei. Kurze Bücher.)

      • Hi Anja,
        ich weiß gar nicht, warum Cäcilia der Meinung ist, ich würde einen solchen Kommentar nicht zulassen, wobei er natürlich grob übertrieben ist. 😉
        Tatsächlich beherrsche ich mich, weil ich weiß, dass ich das sowieso nicht schaffe. Das heißt, ich gehe in der Bibliothek durch die Regale (zum Selbstschutz ohne Korb) und nehme viel mehr Bücher nicht mit.
        aber ich kann das sehr gut verstehen, dass du dich da strukturiert durch die Bücher arbeitest. Da ich sowieso verwirrt bin macht das bei mir keinen Unterschied.
        und was den Wal angeht: Ich glaube es gibt Bücher, die fordern einfach. Die liest man nicht im Alltag, nicht nebenbei. Da brauchst du einen Urlaub in einer aketischen Einsiedelei, mit nichts außer Trinken, Essen, Kleidung und diesem Buch. Dann wird das auch gelingen. Solange halte ich mich an diese Ausgabe.
        Liebe Grüße, thilo

    6. Hallo Thilo,

      schön, dass du dich auf meinen Blog “getraut” hast.

      Du scheinst dich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt zu haben. Ich sehe das mittlerweile sehr pragmatisch. Ich muss nicht jede Geschichte zu Ende lesen. Wenn es mich nicht mal interessiert, wie es endet, dann hat der Autor sein Ziel bei mir komplett verfehlt.

      Als junge Frau war das überhaupt keine Frage, da habe ich mich durch jedes Buch (außer “Die Schatzinsel”) gequält

      Allerdings nimmt das Abbrechen immer mehr ab, weil ich eigentlich einen guten Griff bei meinen Geschichten habe.

      Wobei ich nicht maximal zwei Bücher gleichzeitig lese und das mit zwei unterschiedlichen Genres.

      Ganz liebe Grüße aus Tirol
      Marie

      • Hi Marie,
        warum denn getraut, lauerte da etwas Erschreckendes?
        Es stimmt es nimmt ja vielleicht nicht nur das Bewusstsein zu, dass die Zeit zu schade für schlechte Geschichten sein könnte, sondern auch das GEfühl für gute Bücher. Ich bemerke allerdings gleichzeitig zweierlei: Der eigene Anspruch wächst auch mit der Zeit (weil man inzwischen mehr gute Bücher gelesen hat. Und die Wahrscheinlichkeit zu einem Fehlgriff wächst mit der Anzahl. Eigentlich habe ich auch ein gutes Gespür für gute Bücher (auch wenn ich niemals die richtigen Preisträger vorhersehe). Aber dennoch bin ich schon ein- oder zweimal auf verführerische Klappentexte hereingefallen.
        Liebe Grüße aus Leipzig!

    7. Hallo Thilo,

      glücklicherweise gelingt es mir überwiegend, das richtige Buch für mich auszuwählen, so dass ich nur selten ein Buch abbreche. Ich kann es gar nicht auf den Punkt bringen, was mich letztendlich zum Abbruch bringt, denn es ist dann stets die Aneinanderreihung mehrerer Elemente, die in meinen Augen einfach nicht harmonisch zur Story passen oder literarisch mit nur wenig Potenzial beglückt sind.

      Viele Grüße

      Anja

      • Ja, Anja, das richtige Gespür für gute Bücher zu haben ist eben sehr wichtig. Und wenn man weiß, was man wirklich will, fällt man auch nicht auf verführerische Schlagworte herein. Dann passiert es nur selten, dass die Geschichte, nach einem spannenden Anfang, den man zur Sicherheit schon einmal in der Buchhandlung gelesen hat, rapide abnimmt, dass sich Plotholes in der Größe des Grand Canyons auftun, die der Lektor nicht erkannt hat oder erkennen wollte. Oder der Autor in der ersten Hälfte al sein literarisches Können verbraucht hat, sodass für das Ende nichts mehr übrig bleibt. Glücklicherweise passiert so etwas ja selten, aber in diesen Fällen sollte man sich auch nicht schämen, mal abzubrechen. Eventuell kommt noch der richtige Spannungsbogen hinzu. Ich lese eher selten Bücher, die auf eine überraschende Auflösung abzielen, aber dennoch: Wenn eine Story zu sehr vorhersagbar wird, wird sie mir unerträglich – aber das brauche ich einem Thriller-Fan wohl kaum sagen.
        Viele Grüße,
        thilo

        • Lieber Thilo,

          fein, dass wir uns verstehen. Ich bin durchaus flexibel und bin nicht auf der Suche bestimmter Aufbau-Strukturen, lasse mich gern mal überraschen, aber ich bin unglaublich vorsichtig mit getypten Büchern geworden und gehe da gern auf Distanz. Ich hasse es, wenn eine Marketingmaschinerie hinter Autoren steht und letztendlich das literarische Können komplett übertünchen. Und Vorhersehbarkeit, oh ja, die macht mich ebenso wahnsinnig.

          Ich wünsche dir ein wunderschönes Weihnachtsfest und komm glücklich ins neue Jahr.

          Herzlichst,

          Anja

          • Ja, selbst wenn der Verlag und all die Rezensionen (im schlimmsten Fall noch irgendwelche Listen mit Empfehlung) der Leistung des Autors angemessen sind, sie erzeugen doch eine Erwartungshaltung, die sich dann nicht einlösen lässt. Meist ist es eben doch ‘nur’ ein Buch.
            Das wünsche ich dir auch, liebe Anja! Genieße die Zeit!
            Liebe Grüße, thilo

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