Episode 12: Mystisch und widerständig

Auch wenn dieses Jahr zur Buchmesse alles anders – oder gar nicht ist – wir bleiben. Wir haben uns ausnahmsweise vor der Verleihung zwei Bücher vorgenommen und über Hunde und Kekse gesprochen.

Wir haben schon so lange keine Folge mehr aufgezeichnet, dass wir nicht, wie die letzten Male nach der Messe aufgezeichnet haben. Sonst haben wir uns auf der Messe inspirieren lassen – das ist dieses Jahr leider nicht möglich. Eine schwierige Entscheidung, die auf der einen Seite unnötig erscheint, weil es im März immer eine Grippewelle gibt, auf der anderen Seite nachvollziehbar und angemessen ist, weil der öffentlich Druck einfach da war. Wir haben uns trotzdem von der Messe leiten lassen und etwas aus der Shortlist zum Preis der Leipziger Buchmesse rausgesucht.

Das ist der Preis

Ich habe schon einen langen Text zur diesjährigen Shortlist, insgesamt sehr guten Auswahl geschrieben, aber hier nochmal kurz zusammen gefasst: Vielseitig, gegenwärtig und relevant. Ich persönlich finde zwar das ständige Gerede über die “Wende” ein bisschen ermüdend, doch hier lässt sich vieles erkennen, das heute wichtig ist. Ich hätte mich auch gefreut, wenn es im Sachbuch auch einen richtigen Essayband gegeben hätte, dann wäre das vielleicht auch eine Option gewesen.

Am Ende sage ich noch, dass “Power” nicht das schönste Buch ist. Das muss ich nochmal ausführen: “Die rechtschaffenen Mörder” von Ingo Schulze ist vielleicht am unschönsten – ein simpel aber passend gestaltetes Cover. Stärker ist da “Power”, das die Stimmung des natürlich Ungebändigten und gleichzeitig Beruhigenden des Romans aufnimmt. Auch Lutz Seiler “Stern 111” ist sehr schön gestaltet, doch der feine Schutzumschlag fasst sich sehr viel schöner an. Ähnlich gut fühlt sich Leif Randts “Allegro Pastell” an mit seinem handschmeichelnden, leicht rauhem Festumschlag, in den wie ein Planet ein glatten Bildelement. Ungeschlagen ist jedoch “Luna luna” von Maren Kames, das quasi ein Gesamtkunstwerk ist.

Das ist unsere Auswahl

Die beiden älteren Autoren in der Belletristik waren uns thematisch und von der Generation her zu weit entfernt. Und weil ich sowieso ständig über Maren Kames rede, haben wir das auch ausgeklammert. Standen für uns noch Randt und Güntner auf der Liste. Weil ich noch von Güntners Debüt “Es bringen” überzeugt war und Lara von der Ankündigung, war es das Grüne Buch.

Verena Güntner: Power, Dumont, 250 Seiten

Dann wollten wir uns auf jeden bei den fünf übersetzeten Büchern bedienen. Da sprang uns sofort “Oreo” an. Lara hatte schon viel Gutes davon gehört. Auch weil sie sich insgesamt damit beschäftigt, wie Frauen und People of Color mehr gehört werden können. Und auch ich beschäftige mich gerade damit, meine Lektüre diverser zu gestalten. Fran Ross war ein guter Auftakt.

Fran Ross: Oreo, übersetzt von Pieke Biermann, dtv, 288 Seiten

Thilo
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Thilo

Hat sich von einer anfänglichen Faszination für Bücher, über erste Leseerfolge zum Bibliomanen entwickelt. Eigentlich hat der Kulturjournalist nur aus Langeweile gelesen, hier mal ein Buch im Zug, mal eines im Urlaub, mal ein bisschen vorm Einschlafen. Nach unausgegorenen Berufswünschen wie Koch, Hornist oder Schauspieler, verschlägt es ihn zum Studium der Theaterwissenschaft nach Leipzig und in die Redaktionsräume des Ausbildungsradios mephisto 97.6. Ganz beiläufig lässt er hier fallen, dass er eigentlich ganz gerne mal ein Buch lese. Schon einen Monat später leitet er – hopplahopp – die Literaturredaktion und Lesen wird zum Exzess (in den Tagen vor Buchmessen liest er gerne Nächte und Tage durch). Inzwischen spricht er hin und wieder bei MDR Kultur und dem Deutschlandfunk über Literatur, Theater, Musik, neue Medien und alles was die Leute (oder: ihn) interessiert. Sein Ziel: Der nächste Marcel Reich-Ranicki (und ein bisschen Gerhard Stadelmaier) werden – nur besser aussehend … und vielleicht etwas umgänglicher. So lange vergnügt er sich weiter auf schraeglesen.de

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