Vorhang auf für die Themenreihe “Theater!”

Theaterbetriebe haben es in diesem Jahr nicht leicht: Erst der Lockdown, jetzt dürfen Theaterhäuser nach der Spielzeitpause nur mit zahlreichen Einschränkungen in den Spielbetrieb zurückkehren. Auch wir wollen nach längerer Ruhephase unseren Blog wieder etwas beleben und widmen unsere erste Themenreihe nach langer Zeit gleich unserem geliebten Studienfach. Vorhang auf für unsere Herbst-Themenreihe: Theater!

“Sind Theater systemrelevant?” – dieser Frage mussten sich Kulturschaffende in diesem Jahr immer wieder stellen. Die Angst um die eigene Existenz ist groß, die erhoffte Antwort bleibt aus. Und auch wir können – wollen – diese Frage nicht beantworten. Das wäre erstens viel zu ausufernd und würde zweitens niemandem behilflich sein. Als Theaterwissenschaftler steht für uns aber fest: Ein Leben ohne Theater ist möglich, aber sinnlos. Dass es allerdings durchaus viele Möglichkeiten gibt, der Theater-Leidenschaft von zuhause nachzugehen – das wollen wir euch mit unserer neuen Themenreihe “Theater!” beweisen. Holt eure Dramentexte und Videospielkonsolen raus: Die Vorstellung beginnt!

Thilo: Theater lesen

Lesen oder doch lieber ins Theater gehen? Manchmal mag ich mich einfach nicht entscheiden. Stattdessen mache ich einfach beides. Das bedeutet nicht, dass ich mich mit einem Buch in die letzte Reihe setze. Ich lese Theaterstücke – und zwar schon seit Jahren mit viel Begeisterung.

Ich glaube, es fing während meiner Pubertät an, als ich mich wie jeder angehende Intellektuelle (ich übertreibe) entscheiden musste, ob ich eher der Schiller- oder der Goethe-Typ bin. Ich habe mich für Schiller entschieden, weil ich das Wilde in seinen Texten einfach mehr mag. Da habe ich mich auch für die Räuber begeistert, im Theater gesehen und natürlich: gelesen. Das ging einigermaßen gut, weil der Text als Lesedrama geschrieben wurde. Danach habe ich Shakespeare für mich entdeckt, dessen Stücke einen so tollen Rhythmus haben, dass man sofort losspielen will. Ich kann mich erinnern, einmal die halbe Nacht “Der Sturm” gelesen zu haben. Eigentlich wollte ich mich damit nur etwas müde machen, aber es hat mich dann doch bis zum vierten Akt gefesselt.

Ich bin ganz begeistert davon, Theater zu lesen. Weil es so viel Freiräume für eigene Vorstellungen lässt. Weil es gerade so viel ausspart, sich sehr schnell lesen lässt, und ich mich genau mit dem hohen Tempo in den Text werfen kann, wie ich es liebe. Doch immer wenn ich jemandem davon erzähle, ernte ich irritierte oder skeptische Blicke: “Das ist doch total umständlich das zu lesen”, heißt es. Deswegen möchte zu Beginn einige Stimmen vorstellen, die erklären, wie toll das Lesen von Theaterstücken ist und vielleicht auch einige Tipps geben. Und ansonsten gibt es viele Tipps für zeitgenössische Dramatik, die sich zu lesen lohnt.

Caecilia: Theater ist auch nur ein Spiel

“Was haben Videospiele eigentlich mit Theater zu tun?” – Als ehemalige Studentin der Theaterwissenschaft hat mich diese Frage über meine gesamte Studienzeit geradezu erfolgt. Gegenüber meinen Professoren musste ich mich so oft für meinen ungewöhnlichen “Videospiel-Themen” rechtfertigen, dass ich mittlerweile sofort in eine Art Verteidigungsmodus verfalle, sobald ich nur die Worte “Theater” und “Videospiel” in einem Satz höre. Ein Großteil meiner Dozierenden hatte zuvor wahrscheinlich noch nie ein Videospiel in der Hand gehabt. 

Dabei liegt die Verbindung doch auf der Hand: Theaterspiel, Videospiel – das Wort “Spiel” schreit doch geradezu nach einer ähnlichen Betrachtungsweise. Beide bauen auf Regelsystem auf, das erst durch Feedback-Schleifen wirklich am Leben gehalten wird. Auch im Videospiel schlüpft der Spieler durch seinen Avatar gewissermaßen in andere Rollen. Klassiker wie “Final Fantasy VI” haben sogar kleine Theateraufführungen in ihre Handlung eingebaut und auch umgekehrt hat das Medium “Videospiel” in Theaterinszenierungen längst Einzug gefunden – um nur einige der vielen Verbindungspunkte zu nennen. 

Ich bleibe dabei: Theater haben mit Videospielen mehr gemein, als viele auf den ersten Blick denken. Und ein gutes hat der antrainierte Verteidigungsmodus auch: Über die Jahre habe ich so viele Argumente sammeln können, dass es mir jetzt nicht schwer fallen dürfte, ein paar spannende Beiträge zusammen zu basteln. Wäre ja auch zu schade, wenn ich die jetzt nach meinem Studium nicht mehr verwenden könnte.


Beiträge zum Thema “Theater!”

Caecilia
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Caecilia

Ehemaliger(?) "Final Fantasy"-Freak. Hat durch die Liebe für das Japanische Rollenspiel zum Videospiel gefunden. Nachdem der Traum vom Leben im Land der aufgehenden Sonne schon am Sushi-Hass zerplatzte, fand die Musik- und Theaterwissenschaftlerin mit den Game Studies einen passenden Ersatz; ging ihren Dozenten deswegen permanent mit Hausarbeiten zu Videospielmusik, Avatartheorien oder Bewegungssteuerungskonzepten auf den Leim; versuchte sich nebenher als Redakteurin beim RETRO-Magazin oder stockte ihre Spielesammlung mit Aushilfsjobs bei GameStop auf. Ihr großer Traum: Mit einer Professur das eigene Hobby durch die Uni finanzieren zu lassen. Bis dahin tobt sich eben auf schraeglesen aus und bezahlt die Spiele vorerst aus eigener Tasche. Wegen ihrer Vorliebe für Indie Games hält sich der finanzielle Aufwand dabei zum Glück in Grenzen.

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