10 Fragen an Thilo

10 Fragen an Thilo

 

Thilo macht das, was er am liebsten macht: Sich hinter Büchern verstecken.

 

Was spielen und lesen wir eigentlich so in unserer Freizeit? Was war unsere erste Lese-/Spielerfahrungen? Und was machen wir eigentlich so, wenn wir uns nicht durch fremde Welten bewegen? – Wir haben uns einmal zehn Fragen gestellt, die euch – unserer Meinung nach – am besten einen Eindruck von uns vermitteln. Thilos Fragen und Antworten findet ihr hier.

 

Warum liest du?

Es gab für mich kein Schlüsselerlebnis, keinen epiphanischen Moment, in dem ich erkannt hätte, dass Lesen der Zugang zur einer höheren Ebene der Existenz wäre. Obwohl es eigentlich genau das ist, was ich anstrebe. Denn ich war schon immer fasziniert von belesenen Menschen, die so locker und frei von Erkenntnissen reden, die die Welt irgendwie anders wahrnehmen. Deswegen wollte auch ich ein Leser sein.

Außerdem macht Lesen einfach Spaß. In Büchern entstehen die faszinierendsten Welten. Es sind Geschichten, die mich angreifen, es ist eine Sprache, die ich manchmal einfach von den Dächern brüllen möchte, weil sie so schön ist – vorausgesetzt es ist ein gutes Buch.

 


Kannst du dich noch an dein erstes Buch erinnern?

Ich habe den Titel vergessen. Immerhin war 1996 – man kann sich ja nicht alles merken. Ich weiß noch, dass ich sehr stolz war, endlich ein Buch alleine lesen zu können. (In meinen Augen ist es der erste große Lernerfolg, den man auch wirklich spürt.) Ich kann mich aber noch erinnern, was es für eine Geschichte war: Es ging um einen Jungen namens Daniel, der eines Tages am See ein winziges Schiff voller noch kleinerer Piraten findet, denen er bei ihren Kämpfen hilft.

 


Wie sieht es mit Lieblingsbüchern aus?

Auf diese Frage gibt es ja immer viele zu viele Antworten und man gerät immer erstmal ins Stottern. Also habe ich meinen Favoriten einfach vor Jahren festgelegt: “House of Leaves” von Mark Z. Danielewski. Denn dieser Roman ist gleichzeitig clever, spannend und komplex, wie er mit Erzählebenen spielt und der Form des Buches selbst. Außerdem mag ich die Romane von Paul Auster, weil sie so schön mit der Wirklichkeit spielen. Und von Roberto Bolano, weil sie zeigen, wie die Zivilisation immer vor dem Abgrund steht.

 


Hast du auch Lieblingsspiele?

“Rez” war bisher mein eindrücklichstes Spielerlebnis, weil es wirklich ein Erlebnis ist, eines das alle Sinne anspricht. Als ich es das erste Mal gespielt habe, hat es sich beinahe angefühlt wie ein Drogentrip (wobei ich da wohl kaum Vergleichsmöglichkeiten habe): Ich konnte kaum noch richtig stehen oder laufen. Ein anderes Lieblingsspiel ist “Arkham Asylum”. Ich bin ein großer Batman-Fan und dieses Spiel schafft es wirklich, dass ich mich wie Batman fühle.

 


Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Eine gute Geschichte ist schon mal ein guter Anfang (dringend erforderlich!), reicht aber eigentlich noch nicht aus: Die Geschichte muss in einem Ton erzählt sein, der zur Geschichte passt – vielleicht verknappte oder lyrische Sprache, oder auch mal ausufernd, warum nicht mit der Sprache spielen (die Zeiten der Manns sind vorbei) also mit Umgangssprache, Neologismen arbeiten, explizit sein – eigentlich ist da alles möglich, es muss nur passen. Außerdem liebe ich starke Bilder, nicht einmal unbedingt ganz detailreich beschrieben, vielmehr dass die Bilder in meinem Kopf angeregt werden müssen. Doch am besten gefallen mir Bücher, die experimentieren, sei es nun mit Schriftarten, die Trennung zwischen Bild und Text sind aufgehoben, oder der Leser kann seinen eigenen Weg gehen, weil die offene Form (was auch immer das alles bedeuten kann) so viel ermöglicht. Hier wird spürbar, dass Lesen eine Aktivität ist.

 


Wann liest du am liebsten?

In der Straßenbahn. Im Zug werde ich immer müde und zu Hause, kann/muss/will ich noch so viel anderes machen, aber in der Straßenbahn kann ich mich wirklich in meinem Buch verlieren. Ich habe nämlich oft das Problem, dass mir einfach viel zu viel im Kopf herumfliegt. Wenn ich aber spüre, wie sich die Bahn bewegt, dann kann ich mich konzentrieren. Das geht sogar so weit, dass ich manchmal darüber nachdenke, einfach zum Lesen mit der Bahn herumzufahren. Bisher hat sich das dann aber doch noch zu seltsam angefühlt.

 


Was machst du, wenn sich ein Buch dem Ende neigt?

Es ist ein Wechselbad der Gefühle – das klingt ein bisschen zu pathetisch, aber so ist es wirklich. Ich bin ja kein Mensch, der, bevor er anfängt, schon den letzten Satz liest, deswegen bin ich schon immer sehr auf diesen Moment gespannt. Immerhin beeinflusst der letzte Satz auch das ganze Buch. Ich kann es also kaum noch erwarten, das Ende zu erreichen. Die Gedanken beginnen zu rasen, weil jetzt alles zusammenkommt und auf die Frage hinausläuft: Was soll das alles bedeuten? Und dann kommt die Wehmut, weil es vorbei ist. Denn selbst wenn niemand stirbt – die Geschichte ist zu Ende.

 


Hast du ein Buch überhaupt nicht zu Ende bringen können?

Ich habe viele Bücher gar nicht erst richtig angefangen, weil sie mich nicht überzeugt haben. Manchmal verrät das erste Kapitel schon, dass da nichts zu holen ist – aber das zählt für mich nicht als gelesen. Viele Bücher habe ich auch zeitlich nicht geschafft, denn ich leihe mir gerne exzessiv Bücher in Bibliotheken aus, während ich schon drei neue zu Hause liegen habe. Und kaum, dass ich mich versehe, sind die drei Monate um, weswegen ich das Buch halbgelesen zurückschaffen muss.
Ein Buch gibt es aber, dass ich ganz bewusst zugeklappt habe. Vielleicht, weil ich einfach wusste, wie es ausgeht, vielleicht aber auch weil es, wie bei diesem Autoren so oft, einfach zu schematisch und langweilig war: “Die Leiden des jungen Werthers” von J. W. Goethe.

 


Was machst du, wenn du gerade nicht am Lesen bist?

Da gibt es natürlich einiges, aber das meiste davon hat mit Texten und Geschichten zu tun: Ich sehe mir viele Serien an, gerne während ich esse, ich gehe gerne ins Theater, ich höre mir Schallplatten oder Hörspiele an – und manchmal schlafe ich auch.

 


Wo kann man noch von dir hören oder lesen?

Ich habe bei mephisto 97.6 zur Literaturkritik gefunden, anschließend habe ich angefangen auch für MDR Kultur und Deutschlandfunk zu schreiben.

Kommentare sind geschlossen