Meine Spielentdeckung: Gotham City Chronicles

Als ich mal wieder auf einem meiner Lieblingsbrettspiel-Youtube-Kanäle (jeder hat so einen) unterwegs war, bin auf das Batman-Spiel „Gotham City Chronicles“ gestoßen. Als großer Fan des Dunklen Ritters und von komplexen Brettspielkonzepten war ich sofort neugierig.

Impression aus "Gotham City Chronicles"
Impression aus “Gotham City Chronicles”

Es ist kein Spiel für kleine Wohnungen: Das Grundset besteht aus zwei Schachteln von jeweils 44x31x12 Zentimetern. Beim Öffnen wird dann noch mehr Platz benötigt, um sich einen Überblick zu verschaffen: Zwei Hefte, Karten, Plättchen, Würfel, Hartplastikhalterungen und zahlreiche kleine Figuren. Fast das gesamte Sofa ist nach dem Auspacken belegt und die Spielbretter passen gerade so auf unseren Couchtisch.

Impression aus "Gotham City Chronicles"
Impression aus “Gotham City Chronicles”

Natürlich kostet die Vorbereitung einiges an Zeit, denn wie oft bei solch großen Spielen gibt es ein sehr komplexes Regelheft, das den Spieler*innen zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten eröffnen soll. Ich versuche es mal mit wenigen Worten zu beschreiben: „Gotham City Chronicles“ ist ein wenig asymmetrisch und erinnert an vielen Stellen an Tabletop-Games – nur dass hier mehr mit Individuen gekämpft wird (soweit ich das erkenne, ist es allerdings nicht vorgesehen, die Figuren noch selbst anzumalen) und die Bewegungsregeln etwas weniger komplex sind. Dennoch ist auch einiges an strategischem Denken erforderlich, weil sich die Spieler*innen Ressourcen einteilen müssen, um ihre jeweiligen Ziele zu erreichen. Von der Stimmung ist es eine Mischung aus Strategie und Actionspiel.

Es ist meine Aufgabe

Ich fürchte, das ruft bei den meisten nur Fragezeichen hervor, deswegen versuche ich mal zu erklären, was man bei dem Spiel tun muss. „Gotham City Chronicles“ kann zu zweit oder in Teams gespielt werden. Dabei müssen sich die Spieler*innen für eine Seite entscheiden und Helden oder Superschurken spielen. In einem Missionsheft sind dann verschiedene Szenarien beschrieben, die die Spielziele des jeweiligen Durchgangs erklären. Meist versucht ein Villain mit einer Gruppe treuer Gefolgsleute einen bösen Plan in die Tat umzusetzen, um Gotham zu schaden, beispielsweise eine U-Bahn-Station sprengen oder Gift freisetzen. Drei Superhelden aus der Bat-Family versuchen das zu verhindern.

Impression aus "Gotham City Chronicles"
Impression aus “Gotham City Chronicles”

Das Spielbrett ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Nach den Angaben des Missionsplans werden die Figuren auf dem Feld verteilt. Jeder der drei Helden hat eine Art Kontrollfeld, über das die Spieler*innen die Aktionen kontrollieren können. Für die Schurken gibt es ein Board, mit dem alle gesteuert werden. Jedem dieser Kontrollfelder wird eine Menge an Energie in Form kleiner roter Quader zugeteilt, die für bestimmte Aktionen eingesetzt werden können, pro Zug wird aber nur eine bestimmte Menge wieder freigesetzt.

Ich kann mit mehr Energie also mehr erreichen, muss aber darauf achten, dass mir diese sogenannten Energy Cubes nicht ausgehen. Zu Beginn eines Zuges kann ich meine Figuren über das Feld bewegen, wofür ich einige Schritte frei habe und für zusätzliche Energie zahlen muss. Dann kann ich mich für eine Aktion entscheiden: Ich kann draufhauen, schießen (oder werfen – Batman benutzt keine Pistolen), Hacken oder Bomben entschärfen. Als Held kann ich mich entscheiden, wie viel Energie ich einsetzen will und demnach Würfel aufnehmen, wobei mir Ausrüstungsgegenstände zusätzliche Würfel geben. Für den Erfolg muss ich dann einen bestimmten Wert erreichen. Bei den Schurken läuft es ein wenig anders: Dort muss ich Energie aufwenden, um eine Sorte von Helfern zu aktivieren, die so wohlwollende Bezeichnungen tragen wie „Schläger“ oder „Grobiane“. Von denen gibt es meist jeweils vier, die nicht sehr widerstandfähig sind und auch nicht alles können. Dafür muss ich für die Fähigkeiten selbst keine Energie aufwenden, weil die Menge an Würfeln schon festgelegt ist. Ich muss also immer genau überlegen, was ich mache, weil ich den Kostaufwand beachten muss.

Das sind im Groben die Regeln. Versuchen wir uns an einer Proberunde. Ich muss allerdings gestehen, dass, obwohl die Spielmechanik gar nicht so übermäßig komplex ist, ich die Regeln vielleicht noch nicht in jedem Detail durchschaut habe und bisher auch nur zu zwei Runden gekommen bin.

Eine Proberunde

In Funkspruch von Oracle aka Barbara Gordon, ehemals Batgirl, erreicht Batman. Der Terrorist Bane, ein cleverer Stratege, ist zurück in Gotham. Zusammen mit der Geheimgesellschaft „Rat der Eulen“ will er das Rathaus zerstören. Dafür hat er mehrere Sprengsätze in der nahe gelegenen U-Bahn-Station platziert. Wenn die hochgehen, wird der ganze Platz und die Gebäude einstürzen.

Impression aus “Gotham City Chronicles”

Wie es der Plan vorgibt, habe ich die 21 Schurken-Figuren, die Computer und die nicht scharf gestellten Bomben auf dem Plan verteilt.

Ich entscheide mich, dass Batman, Catwoman und Nightwing Banes Plan vereiteln sollen und platzieren ihre Figuren an den markierten Punkten. Ich fange an.

Sie betreten die Station von zwei Seiten. Von einer erhöhten Position versucht sich Batman einen Überblick zu verschaffen. Bane hat fünf Bomben platziert, die seine Gefolgsleute allerdings noch scharf stellen müssen. Dafür könnten sie die Computer in der Station nutzen oder den Zündern an die Sprengsätze anbringen. Eine Explosion wäre nicht schlimm, doch mehr würden die Struktur zu sehr beschädigen und alles zum Einsturz bringen. Sie sollten die Computer zerstören, die Bane Gehilfen ausschalten und möglichst alle Bomben entschärfen. Kurz gibt Batman Anweisungen an Nightwing und Catwoman. Sie atmen kurz durch und setzen sich in Bewegung. Schnell klettert Batman von seinem Aussichtspunkt herab und hechtet zu einem stämmigen Typen und schlägt ihn nieder. Catwoman setzt mir ihrer Peitsche einen bewaffneten Muskelprotz außer Gefecht. Nightwing manipuliert in der Zwischenzeit einen Computer, damit Bane ihn nicht mehr nutzen kann.

Ich bewege zwei Felder weiter, was wegen des Höhenunterschieds mehr Bewegungseinheiten. Ich werfe zwei Würfel für eine Nahkampfattacke auf den Schläger, zwei Treffer reichen. Nightwing schon in einem Raum mit Computer. Ich werfe drei Würfel für die Aufgabe, bei der ich mindestens drei Erfolge brauche – es recht genau aus. Auch Catwoman bewege ich drei Felder weit und werfe drei Würfel – und lande die nötigen drei Treffer.

Impression aus "Gotham City Chronicles"
Impression aus “Gotham City Chronicles”

Die Helden im Vorteil

Natürlich ist Bane die Ankunft von Batman nicht entgangen und er weist seine Schläger an, die Bomben jetzt scharf zu stellen. Während er zwei Erfolgsmeldungen hört, haben die anderen beiden Schläger Probleme mit dem Zünder. In der Zwischenzeit versucht zwei der brutaleren Gestalten, Batman und Nightwing niederzuschlagen. Doch sie sind dem ehemaligen dynamischen Duo nicht gewachsen und taumeln unter den Gegenschlägen.

Impression aus "Gotham City Chronicles"
Impression aus “Gotham City Chronicles”

Ich aktiviere zuerst die Schläger, die die Bomben direkt scharf stellen können. Manche stehen schon im richtigen Raum, die anderen muss ich nun einen Abschnitt weiterziehen. Dann würfle ich jeweils die möglichen zwei Würfel, doch nur in zwei von vier Würfen zeigen die nötigen drei Erfolge. Dann aktiviere ich noch die Brutalos, um Batman anzugreifen. Mit den drei Würfeln lande ich jedoch nur einen Treffer – nicht genug, um dem Gegenspieler zu schaden. Batman kann nun zu einem automatischen Gegenschlag ansetzen, doch es reicht nicht, um die Resistenz meiner Figur zu überwinden.

Impression aus "Gotham City Chronicles"
Impression aus “Gotham City Chronicles”

Batman lässt sich von dem Angriff nicht abhalten und rennt in einen Raum, um einen weiteren Computer außer Betrieb zu setzen. Hier wartet bereits einer von Banes Schlägern, den die Fledermaus mit einem gezielten Schlag kampfunfähig macht. Nightwing läuft in die andere Richtung zu einer der Bomben, die noch nicht scharf sind, und schlägt einen der Schurken nieder. Catwoman setzt weniger auf Konfrontation und schleicht sich in den nächsten Raum, drückt an der Wand entlang zur Bombe, um sie zu entschärfen.

Impression aus "Gotham City Chronicles"
Impression aus “Gotham City Chronicles”

Ich bewege Batman einen Raum weiter. Zwei Würfel reichen, um den Schläger außer Gefecht zu setzen. Nightwing muss etwas weiter, was mich extra Energie kostet. Ich werfe noch zwei Würfel und erreiche gerade so die nötigen zwei Treffer. Catwoman geht zwei Felder weiter, wo eine der Bomben bereits scharf gestellt ist. Ich zahle die möglichen vier Energie, um mit vier Würfeln zu werfen – ich muss sechs Erfolge erzielen, um die Bombe zu entschärfen und bekomme noch Abzüge, weil noch Schurken im Raum anwesend sind. Der erste Wurf reicht nicht, aber ich kann zusätzlich Energie zahlen, um noch einmal zu würfeln.

Impression aus “Gotham City Chronicles”

Das Blatt wendet sich

Obwohl er nichts gesehen hat, hört die Eule ein Rascheln im Raum. Er dreht sich um und entdeckt Catwoman, die sich an der Bombe zu schaffen macht. Er schießt. Doch es ist zu spät: Er hat Catwoman zwar eine Fleischwunde zugefügt, doch die Bombe ist nutzlos geworden. Damit das nicht noch einmal passiert, ruft Bane drei weitere Leute in den Untergrund, die gegen Batman vorgehen sollen.

Ich aktiviere die Owls und werfe die zwei Würfel für einen Fernangriff. Nach Abzug der Resistenz lande ich immerhin einen Treffer bei Catwoman, die sich auf dem gleichen Feld befindet. Dann aktiviere ich noch das Event, das für jede Mission extra definiert ist. Hier kann ich Schurken zurückholen oder Bane das Venom spritzen. Ich hole drei Figuren zurück, um die Übermacht zu behalten.

Catwoman braucht einen Moment, um sich von dem Schock der Schussverletzung zu erholen. Sie greift zu einem Notfallkit, das Batman ihr für so einen Fall gegeben hat, um die Wunde notdürftig zu verschließen. Auch Nightwing ist ganz außer Atem. Er taxiert die beiden Schurken im Raum mit festen Blicken und versucht seine Kräfte wieder zu sammeln. Batman steigt unterdessen über den niedergeschlagenen Schurken und macht den Computer unschädlich.

Ich setze Catwoman und Nightwing in den Ruhemodus, um mehr Energy Cubes zurückzubekommen. Für Batman würfle ich mit zwei Würfeln und erreiche knapp die nötigen drei Treffer.

Eine seltsame Stille weht durch die Bahnstation, nachdem Batman und Nightwing einige von Banes Söldner ausgeschaltet haben. Auch der Stratege setzt vorerst auf leisere Aktionen: Er schickt zwei seiner klügeren Gehilfen los, um die Bomben über die Computer scharf zu stellen und tatsächlich aktivieren sich zwei Timer. Den anderen gibt Bane die Anweisung, zu den Bomben zu gehen, um die selbst ernannten Helden am Entschärfen zu hindern.

Impression aus "Gotham City Chronicles"
Impression aus “Gotham City Chronicles”

Ich aktiviere die Schläger, die mit Computer umgehen können und bewege sie die nötigen Felder weiter. Für beide werfe ich jeweils zwei Würfel und erreiche – mit einer Wurfwiederholung – die nötigen Erfolge. Außerdem aktiviere ich noch Grobiane und bewege sie zu den Bomben. Damit beende ich meinen Zug.

Nach dem Moment der Ruhe setzt Nightwing wieder zum Angriff an und setzt einen der Schläger außer Gefecht. Auch Catwoman fühlt sich wieder kräftig genug für den Kampf und eilt zu Nightwing. Noch bevor sie den Raum betritt, lässt sie ihre Peitsche durch die offene Tür schnellen und schlägt einen der Söldner ohnmächtig. Batman begibt sich in der Zeit in den hintersten Winkel der Station, wo mehrere Schläger die Bombe bewachen. Mit schnellen Schritten hastet der Dunkle Ritter auf einen der Handlanger zu und knockt ihn aus.

Impression aus "Gotham City Chronicles"
Impression aus “Gotham City Chronicles”

Nightwing befindet sich bereits in einem Raum mit einer aktiven Bombe. Doch ich muss erst einmal einige Gegner beseitigen und so nehme ich zwei Würfel und schaffe genug Treffer. Catwoman hat ihre Aufgabe erfüllt und ihr bewege sie mehrere Schritte, bis sie in der Mitte des Plans steht. Von hier kann ich eine Distanzattacke starten. Ich nehme zwei Würfel und die Treffer reichen nach den Abzügen für einen Erfolg. Auch Batman muss einige Schritte extra gehen. Im Raume greife ich einen der Schläger an: Ein Würfel reicht, um ihn aus dem Spiel zu nehmen.

Impression aus "Gotham City Chronicles"
Impression aus “Gotham City Chronicles”

Die Niederlage zeichnet sich ab

Bane hört, wie einer seiner Männer im Nebenraum zu Boden geht und hechtet rüber. Er kann gerade noch erkennen, wie Catwoman schnell und geschmeidig wieder in die Dunkelheit verschwindet. Er beschließt ihr nicht hinterherzulaufen, sondern lieber bei der Bombe zu bleiben. Einer seiner Söldner jedoch ergreift die Initiative und greift Batman an. Tatsächlich ist die Fledermaus von der Heftigkeit so überrascht, dass er sich nicht verteidigen kann. Ein heftiger Schmerz zuckt durch seinen Körper und seine Reflexe lassen ihn ins Dunkel fliehen.

Impression aus "Gotham City Chronicles"
Impression aus “Gotham City Chronicles”

Ich aktiviert den Superschurken Bane, doch bewege ihn nur einen Raum weiter. Da er stärker ist und mehr Widerstandskraft hat, ist er schwerer zu eliminieren. Er hätte auch eine Bombe aktivieren können, doch inzwischen sind schon alle aktiv. Dann aktiviere ich noch einen Schläger und lande mit zwei Würfeln gleich vier Treffer. Da hilft es auch nicht auf Verteidigung zu Würfeln.

Nachdem Catwoman gesehen hat, wie sich Bane in den Raum mit der Bombe stürzt, springt sie auch zurück. Den Terroristen kann ruhig Bats übernehmen. Sie springt lieber Nightwing zu Hilfe und gemeinsam schalten sie zwei von Banes Gehilfen aus, doch immer mehr kommen in die U-Bahn-Station und landen auch einige Treffer. Doch schließlich gelingt es Nightwing die Söldner abzulenken und Catwoman kann eine weitere Bombe entschärfen. Batman, etwas überrascht von der Übermacht, hetzt in einen anderen Raum, wo vor wenigen Augenblicken eine Bombe aktiviert wurde. Er liefert sich heftige Gefechte mit zwei Schlägern. Nach einem Moment des Durchatmens kann auch er eine Bombe entschärfen.

Impression aus "Gotham City Chronicles"
Impression aus “Gotham City Chronicles”

Ich bewege Batman durch mehrere Areale in einen anderen Raum. Dort kann ich mit einem Würfel einen Schläger ausschalten. Dann kann ich glücklicherweise mit einer Gegenattacke einen Gegner ausschalten. Bevor ich die Bombe entschärfen kann, muss ich eine Ruhephase einlegen, um genug Energy Cubes zu regenerieren. Mit allen vier Würfeln, die ich nutzen darf, kann ich im letzten Zug eine Bombe neutralisieren. Nightwing und Catwoman versetze ich auch in Ruhephasen und greife danach zwei der zahlreichen Handlanger im Raum an. Mit drei beziehungsweise zwei Würfeln lande ich genügend Treffer. Auch im letzten Zug greift Nightwing mit drei Würfeln an. Damit ist ein Handlanger weniger, der Punktabzüge für Catwoman beim Entschärfen bedeuten würde. Mit vier Würfeln erziele ich genug Erfolge, um die Bombe zu entschärfen.

Ich aktiviere einen meiner Grobiane, um Batman anzugreifen und erziele mit meinen drei Würfeln genug Erfolge, um Batman zwei Verletzungen zuzufügen. Außerdem initiiere ich das Event und kann wieder einige meiner Gehilfen ins Spiel holen – einfach um das Entschärfen zu erschweren. Im nächsten Zug aktiviere ich einige der Eulen und kann mit je zwei Würfeln zumindest Batman und Catwoman verletzen, aber nicht Nightwing. Im letzten Zug zeichnet sich mein Sieg schon ab und ich bewege nur noch einige Schläger, damit das Entschärfen der Bomben schwerer wird. Im letzten Zug werden zwei Sprengsätze vom Spielfeld genommen, doch zwei liegen noch. Damit haben die Schurken gewonnen.

Als seien sie verschränkt, können Batman und Catwoman zehn Sekunden vor Ablauf des Countdowns den Timer stoppen. In den meisten Fällen und Filmen wäre dies ein Moment des Triumphs. Aber die Helden wissen, dass sie versagt haben – nur wenige, sich ewig hinziehende Momente später hören sie zwei starke Detonationen. Die ganze Station zittert und bröckelt. Nur mit geübter Reaktionsgeschwindigkeit und ganz knapp können sie verhindern, bei dem Einsturz nicht begraben zu haben. Dieses Mal hat Bane gewonnen.

Fazit

Nach dieser Partie versuche ich ein Fazit zu ziehen. „Gotham City Chronicles“ ist ziemlich gut designt. Es basiert letztlich auf einem einfachen Spielprinzip: Figuren ziehen und mit Würfeln bestimmte Werte erreichen. Gleichzeitig bietet es viele Freiheiten die Richtungen selbst zu bestimmen und ist eben mehr als stupides Würfeln, weil ich meine Chancen einschätzen muss, weil ich überlegen muss, wie viele Würfel ich einsetzen soll. Auch das, was man im Videospielbereich als Balancing bezeichnet, ist sehr gut gelungen: Es gibt immer drei Helden, die stärker und vielseitiger sind. Allerdings sind es nur drei Helden und die wenig widerständigen Schurken sind ihnen siebenfach überlegen. Aber sie sind nicht nur schwächer, sondern können eben immer nur teilweise genutzt werden. Und weil sich die Kosten zur Aktivierung immer verschieben, muss ich auch gut überlegen, wie ich sie einsetze.

Impression aus "Gotham City Chronicles"
Impression aus “Gotham City Chronicles”

Trotz des eigentlich simplen Spielprinzips braucht es eine Weile, um das Spiel komplett zu verstehen. Die Anleitung ist lang und nicht immer sehr eindeutig. Und dann braucht es mehrere Partien, um alle Möglichkeiten ausmachen zu können. Wie kann ich mich bewegen, wer ist für welche Aufgabe geeignet, wie gut stehen die Chancen, wie kann ich Ausrüstung nutzen? Das alles habe ich immer noch nicht ganz durchdrungen.

Insgesamt lohnt sich die Mühe aber, denn das Spiel ist stimmungsvoll und macht Spaß. Ich bin nicht überfordert von komplizierten Berechnungen und kann schnelle Entscheidungen treffen. Aber ich muss eben auch Entscheidungen treffen und bis mental gefordert. Aber vor allem fühle ich mich trotz der analogen Ausstattung wirklich wie in einem Abenteuer des Dunklen Ritters – und genau darum sollte es bei einem Batman-Spiel gehen.

“Gotham City Chronicles” wurde von Monolith Games entwickelt und produziert. Da es als Kickstarter finanziert wurde, ist es meist nur gebraucht zu erhalten.

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Thilo
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Thilo

Hat sich von einer anfänglichen Faszination für Bücher, über erste Leseerfolge zum Bibliomanen entwickelt. Eigentlich hat der Kulturjournalist nur aus Langeweile gelesen, hier mal ein Buch im Zug, mal eines im Urlaub, mal ein bisschen vorm Einschlafen. Nach unausgegorenen Berufswünschen wie Koch, Hornist oder Schauspieler, verschlägt es ihn zum Studium der Theaterwissenschaft nach Leipzig und in die Redaktionsräume des Ausbildungsradios mephisto 97.6. Ganz beiläufig lässt er hier fallen, dass er eigentlich ganz gerne mal ein Buch lese. Schon einen Monat später leitet er – hopplahopp – die Literaturredaktion und Lesen wird zum Exzess (in den Tagen vor Buchmessen liest er gerne Nächte und Tage durch). Inzwischen spricht er hin und wieder bei MDR Kultur und dem Deutschlandfunk über Literatur, Theater, Musik, neue Medien und alles was die Leute (oder: ihn) interessiert. Sein Ziel: Der nächste Marcel Reich-Ranicki (und ein bisschen Gerhard Stadelmaier) werden – nur besser aussehend … und vielleicht etwas umgänglicher. So lange vergnügt er sich weiter auf schraeglesen.de

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