Forschungstagebuch: Definitionsspaß

Was ist überhaupt ein “Audio Game”? Warum mich gerade die Definitionsfrage plagt und was zum Henker eigentlich der Unterschied zwischen einem “Audio Game” und einem “rein audiobasierten Game” ist. Eine Gedankensammlung.

Foto: Pixabay

Audiogames, as opposed to video games are computer games who’s main output is sound rather than graphics.

Using sound, games can have dimensions of atmosphere, and possibilities for gameplay that don’t exist with visuals alone, as well as providing games far more accessible to people with all levels of sight.

So steht es auf AudioGames.net, einer der größten Audio Game Onlinedatenbanken und Community Plattformen weltweit. Und zunächst einmal klingt das auch ganz einfach und logisch: Audio Games arbeiten mit Sound, das besagt ja schon die Bezeichnung “audio”. Videospiele sind genau wie Videos schließlich auch audiovisuell. Wo ist das Problem?

Das Problem ist, dass der Begriff “Audio Games” – abseits dieser grundlegenden Definition – eben überhaupt nicht geklärt ist. Audio Games fokussieren sich auf Sound. Schön und gut. Das tun Music Games wie “Guitar Hero”, “Sing Star”, “Patapon” & Co. aber auch. Sind sie deswegen “far more accessible” – um es mal mit den eben genannten Worten der Onlineplattform auszurücken?

Sind sie nicht wirklich. “Patapon”, ein Rhythmusspiel, in dem der Spieler seine “Truppe” durch das rhythmische Drücken verschiedener Tastenkombinationen durch den Kampf führen muss, ist zum Beispiel essentiell an das Bildgeschehen gebunden. Wer die Gegner nicht rechtzeitig sieht und mit einer entsprechenden Änderung der Tastenkombination reagiert, hat den Krieg schnell verloren.

“audio-based only Games” oder das Verschlimmbessern von Begriffen

Bedeutet das nun aber, dass sich Audio Games weniger durch ihre akustische Ausdrucksweise und umso mehr durch den Verzicht ihrer visuellen Darstellung auszeichnen?

Wenn es nach den akademischen Abhandlungen ginge, die ich zu dem interaktiven Soundmedium bisher lesen konnte, scheint das wohl der Fall zu sein. In zahlreichen Studien wird nämlich statt der Bezeichung “Audio Game” oft der Begriff “audio only-based Games” oder “audio-only Games” fallen gelassen – wohl um das “Genre” noch deutlicher von Videospielen abzugrenzen.

Warum mir das allerdings noch fragwürdiger erscheint? Ganz einfach: Weil das gleich eine Reihe wichtiger Audio Games kategorisch ausschließen würde. “Papa Sangre”, “Blowback – Die Suche” oder “The Nightjar” – sie alle arbeiten mehr oder weniger auch mit kleinen visuellen Darstellungen. Deswegen können sie aber trotzdem mehr oder weniger problemlos von sehbehinderten Gamern gespielt werden.

 

Video- oder Computerspiele? Oder doch Games?

Das Definitionsproblem scheint wohl eng mit dem Medium “Computerspiel” verknüpft zu sein. Wie oft habe ich im Bereich der Game Studies schon mit der Begriffswahl gekämpft: “Computerspiel”, “Videospiel”, “Videogame” oder “Game” – wo liegt da der Unterschied? Ist ein “Videospiel” vielleicht einfach nur ein Konsolenspiel, während “Computerspiel” den eigentlichen Oberbegriff darstellt? Oder ist letzteres einfach nur ein Synonym für “PC-Spiele”? Und warum spricht man im englischsprachigen eigentlich überhaupt nur von “Videogames” oder kurz “Games”?

Vielleicht ist das Problem auch gar nicht charakteristisch für die Game Studies, sondern einfach nur ein Zeichen deutscher akademischer Erbsenzählerei.

Ist am Ende der ausschlaggebende Punkt für die Definition des Begriffes “Audio Games” nur der kleine Beisatz “far more accessible”? Wie sieht es dann aber mit Videospielen wie “Super Mario” oder Beat ’em ups aus? Laut “The Guardian” können die schließlich durch bestimmte Musical Keys auch von sehbehinderten Spielern gespielt werden? Und was ist mit anderen barrierefreien Computerspielen? Schließlich sind Audio Games da nicht die einzige Möglichkeit. Es gibt sogar schon einige Versuche, “normale” Videospiele durch spezielle Tools auch für Spieler mit Sehbeeinträchtigung zugänglich zu machen. Wie lässt sich das in Bezug zu Audio Games setzen?

Was genau ist denn ein “Audio Game” nun überhaupt? Ein Genre? Ein interaktives Hörspiel? Oder vielleicht sogar eine ganz eigene Form von Medium? Und falls letzteres der Fall ist: Hätte dann ein Audio Game selbst verschiedene Genres, die sich sogar von denen eines Computerspiels unterschieden? So etwas wie “hyprides Audio Game”, “rein audiobasiertes Audio Game” – das würde die Sache zumindest um einiges vereinfachen.

Fragen über Fragen, auf die ich heute wohl (leider) keine Antwort mehr finden werde. Vielleicht sollte ich aber demnächst wirklich über die Einführung verschiedener Kategorien nachdenken…

Caecilia

Caecilia

Ehemaliger(?) "Final Fantasy"-Freak. Hat durch die Liebe für das Japanische Rollenspiel zum Videospiel gefunden.

Nachdem der Traum vom Leben im Land der aufgehenden Sonne schon am Sushi-Hass zerplatzte, fand die Musik- und Theaterwissenschaftlerin mit den Game Studies einen passenden Ersatz; ging ihren Dozenten deswegen permanent mit Hausarbeiten zu Videospielmusik, Avatartheorien oder Bewegungssteuerungskonzepten auf den Leim; versuchte sich nebenher als Redakteurin beim RETRO-Magazin oder stockte ihre Spielesammlung mit Aushilfsjobs bei GameStop auf.

Ihr großer Traum: Mit einer Professur das eigene Hobby durch die Uni finanzieren zu lassen. Bis dahin tobt sich eben auf schraeglesen aus und bezahlt die Spiele vorerst aus eigener Tasche. Wegen ihrer Vorliebe für Indie Games hält sich der finanzielle Aufwand dabei zum Glück in Grenzen.
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    Ehemaliger(?) "Final Fantasy"-Freak. Hat durch die Liebe für das Japanische Rollenspiel zum Videospiel gefunden. Nachdem der Traum vom Leben im Land der aufgehenden Sonne schon am Sushi-Hass zerplatzte, fand die Musik- und Theaterwissenschaftlerin mit den Game Studies einen passenden Ersatz; ging ihren Dozenten deswegen permanent mit Hausarbeiten zu Videospielmusik, Avatartheorien oder Bewegungssteuerungskonzepten auf den Leim; versuchte sich nebenher als Redakteurin beim RETRO-Magazin oder stockte ihre Spielesammlung mit Aushilfsjobs bei GameStop auf. Ihr großer Traum: Mit einer Professur das eigene Hobby durch die Uni finanzieren zu lassen. Bis dahin tobt sich eben auf schraeglesen aus und bezahlt die Spiele vorerst aus eigener Tasche. Wegen ihrer Vorliebe für Indie Games hält sich der finanzielle Aufwand dabei zum Glück in Grenzen.

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