Montagsfrage: Dick und unverständlich

Es ist Sommerzeit und für viele bedeutet das Urlaubszeit, die wiederrum für viele Lesezeit. Eben für viele, nicht für mich. Umso mehr drückt die aktuelle Montagsfrage es noch mehr ins Gesicht: Welche fünf Bücher würdest du mit auf Reisen nehmen. Aber man kann ja träumen und trotzdem mal Bücher in den virtuellen Koffer werfen.

Ich habe wenn ich denn mal in den Urlaub fahre (so wirklich wichtig ist mir das gar nicht), denke ich immer, dass wäre jetzt die Gelegenheit sich ohne Ablenkungen dem Lesen hinzugeben. Deswegen stopfe ich immer die fettesten, unlesbarsten Bücher in den Koffer. Nach der letzten Frage, dürfte auch allen klar sein, dass das dann keine Bücher sind, die ich bereits gelesen habe, sondern eben Bücher zu denen ich noch nie gekommen bin. In den meisten Fällen bleiben die auch nach der Reise ungelesen, weil ich lieber irgendwohin reise, um etwas zu entdecken und sofern ich der Sprache des Landes halbwegs mächtig bin, kaufe ich mir auch gerne noch einmal ein Buch. Aber da das hier alles nur eine Fantasie ist, hier die Bücher auf meiner Packliste.

  1. Mark Z. Danielewski – The Familiar 1: One Rainy Day in May

Seit ich in der Buchhandlung einmal „Das HausHouse of Leaves“ bin ich ein großer Fan von Danielewski. Seit er sein Romanprojekt „The Familiar“, das am Ende 27 Bände umfassen soll (bisher hatte jedes der vier Bücher 700 bis 800 Seiten), angekündigt hat, kaufe ich mir jedes, sobald es erscheint. Bisher habe ich noch keines gelesen, weil ich einfach keine Zeit hatte, weil ich die mir bei englisch-sprachigen Büchern mit gefühlt 20 Hauptfigur wirklich nehmen muss. Besonders ärgerlich, weil der Autor auf Facebook einen Leseclub ins Leben gerufen hat, wo man sich über die tausenden Anspielungen austauschen. Aber wegen des Bachmannpreises konnte ich noch keine Seite lesen. Aber im Urlaub würde ich auf einige ruhige Minuten hoffen.

  1. David Foster Wallace – Unendlicher Spaß

Es gilt als opus magnum des zu früh verstorbenen Autoren. Auch deswegen hat es vermutlich über 10 Jahre gedauert (und wegen der zahlreichen Neologismen), bis das Buch ins Deutsche übertragen wurde. Kurz nachdem das auf der Leipziger Buchmesse mit einem Preis ausgezeichnet wurde, habe ich mir das Werk schenken lassen. Natürlich, wie es sich für ein opus magnum gehört, ist es überbordend, voller Wortspiele, Anspielungen und Drogentrips. Da muss man sich drauf einlassen.

  1. Douglas R. Hofstaedter – Gödel, Escher, Bach

Noch etwas für den (zugebenermaßen kleinen) Sachbuchleser in mir. Clemens Setz hatte diese Buch mal in einem Artikel, der Buchempfehlungen für Studenten gesammelt hat, vorgestellt und als unbedingt zu lesen empfohlen. Tatsächlich hat es dieses Buch in sich, denn es geht um sogenannte seltsame Schleifen, also die Form, wenn sich ein System wieder auf sich selbst bezieht: Wie Bachs Fugen mit den verschränkten Motiven, Eschers Bilder in der Art des Möbiusbandes und der Mathematik Gödels, die besagt, dass sich mathematische Systeme immer auf sich selbst beziehen. Denn in erster Linie ist es ein Buch über Mathematik und Codes, aber es ist auch Philosophie, denn in den seltsamen Schleifen liegt auch der Schlüssel zum Selbstbewusstsein.

  1. Etwas von Thomas Pynchon, vielleicht V. oder Die Enden der Parabel

In meiner ersten Montagsfragenantwort habe ich von Pynchons „Die Versteigerung von No. 49“ berichtet. Daraufhin hat mir ein begeisterter Pynchon-Leser geschrieben, dass das zwar ein netter kleiner Roman sei, aber eigentlich das schlechtester seiner Bücher. Also: muss ich weiter lesen. Aber weil die Romane von Pynchon sonst noch mehr mit der Frage spielen, was denn nun wahr sei und er dafür gerne mehrere Handlungsstränge verknüpft, ist auch hier viel Ruhe hilfreich.

  1. Roland Schimmelpfennig – Die Frau von früher

Ich liebe es, Theaterstücke zu lesen – vor allem die von Roland Schimmelpfennig, der eine sehr verdichtete Sprache nutzt, wunderbar mythische Stimmungen entstehen lässt und die Wirklichkeit spannend re-konstruiert. Neben all diesen anstrengenden und dicken Wälzern liest sich so ein Theaterstück mal schnell weg und wäre am Ende wohl das Buch als einziges ausgelesen.

Thilo

Thilo

Hat sich von einer anfänglichen Faszination für Bücher, über erste Leseerfolge zum Bibliomanen entwickelt. Eigentlich hat der Kulturjournalist nur aus Langeweile gelesen, hier mal ein Buch im Zug, mal eines im Urlaub, mal ein bisschen vorm Einschlafen. Nach unausgegorenen Berufswünschen wie Koch, Hornist oder Schauspieler, verschlägt es ihn zum Studium der Theaterwissenschaft nach Leipzig und in die Redaktionsräume des Ausbildungsradios mephisto 97.6. Ganz beiläufig lässt er hier fallen, dass er eigentlich ganz gerne mal ein Buch lese. Schon einen Monat später leitet er – hopplahopp – die Literaturredaktion und Lesen wird zum Exzess (in den Tagen vor Buchmessen liest er gerne Nächte und Tage durch). Inzwischen spricht er hin und wieder bei MDR Kultur und dem Deutschlandfunk über Literatur, Theater, Musik, neue Medien und alles was die Leute (oder: ihn) interessiert. Sein Ziel: Der nächste Marcel Reich-Ranicki (und ein bisschen Gerhard Stadelmaier) werden – nur besser aussehend … und vielleicht etwas umgänglicher. So lange vergnügt er sich weiter auf schraeglesen.de

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