Montagsfrage: Hauptsache die Geschichte ist gut

Das klassische Buch – Massen von Seiten voller Schriftzeichen – ist eines der ältesten Medien der Welt. Es gibt keinen langlebigeren Speicher. Doch die Konkurrenz wächst. Deswegen dreht sich die Montagsfrage diese Woche genau darum: Welche Formen der Geschichtenerzählung bevorzugst Du?

A: Es ist mir doch total egal, in welcher Form die Geschichte daherkommt!

B: Wirklich total egal?

A: Naja, meistens.

(A.S.: Diese Gedanken sind relativ unsortiert von oben nach unten geschrieben, deswegen entschuldige ich  mich schon einmal dafür, wenn ich mich etwas verzettelt habe. Und Entschuldigung, dass es mal wieder so ausgeufert ist, falls euch das zu viel ist, scrollt doch bitte trotzdem nach unten: Da stehen zwei Fragen, auf die ich Antworten suche.)

Die Geschichte zählt

Ich liebe gute Geschichten und gute Geschichten gibt es überall. Sie suchen sich ihren Weg in die Sinne der Rezipienten, die ich weiterhin lieber Geschichtenhörer nennen möchte. Das hat nichts damit zu tun, dass ich Geschichten am liebsten mit den Ohren aufnehme, aber das soll hier keine medientheorethische Auseinandersetzung werden – und hören passt irgendwie zu Geschichten, die eben zuerst nur mit dem Mund weitergetragen werden. Ihr habt es erraten: ich fasse die Frage mal wieder weiter als es gesund wäre.

Ich nutze wirklich jedes Medium, das sich in Reichweite befindet. Zu gleichen Teilen Glück und Unglück ist das so ziemlich jedes Medium, das mir einfällt. Glück, weil es natürlich ein Privileg ist, Unglück, weil es einen schlicht überfordert. Aber dennoch: Ich lese Bücher, ich besuche Galerien, lese Comicbücher (was tatsächlich ein anderes Lesen ist), ich gehe ins theater, schaue Filme und Serien, höre Hörspiele/Lesungen und Musik und spiele (aufgrund der Zeit eher selten) Videospiele. Ich würde nicht einmal so weit gehen, dass ich eines davon mehr schätze als ein anderes. Ich liebe nämlich einfach gute Geschichten und den guten Einsatz von Erzählmitteln.

Da sind wir auch schon bei einem wichtigen Punkt: Ich schätze diese verschiedenen Formen vor allem, wenn sie sich auch mit der Geschichte vertragen. Was soll ich von einem Spiel halten, bei dem ich nur auf den Weiter-Button drücke oder einem Theaterstück, bei dem der Schauspieler nur den Text deklamiert? Das ist dann einfach enttäuschend und unnötig.

Ich und die Formen der Erzählung

Ich will einmal kurz nachzeichnen, was bestimmt Medien besonders auszeichnet. (Das wird jetzt nicht erschöpfend, dazu fehlt es mir an Zeit, Platz und vielleicht auch den tiefgreifenden Gedanken):

In einem Buch lässt sich so ziemlich jede Geschichte erzählen, einfach weil es dem simplen Bericht am nächsten steht. Die Besonderheit dabei ist vor allem, dass hier auch Bilder beschrieben werden können, die einfach niemand nachzeichnen kann. Aber auch das Spiel mit Sprache und Textsymbolen funktioniert hier einfach am besten. Für den Gebrauch spricht natürlich, dass ein Buch Low-Tech ist: Ein starker Magnet kann den Inhalt nicht löschen und auch wenn alle Kraftwerke den Geist aufgegeben haben, kann man es im Kerzenschein lesen. Da sollte man allerdings aufpassen, dass es nicht anbrennt.

Daran merkt ihr, dass das prototypische Buch immer noch aus Papier besteht. Das wird sich wohl auch nie ändern, weil das Lesegefühl gegenüber dem digitalen Gegenstücken e-Book nicht zu überbieten ist. Trotzdem lese ich auch gerne mal digital, weil es einfacher zu transportieren ist und der Belastungsgrenze des Bücherregals zuträglich ist. Darüber hinaus bietet es nochmal ganz andere Möglichkeiten, dazu gleich mehr.

Theater hat diese wunderbare Aura von Lifeness, von Jetzigkeit. Wenn ich nicht jetzt gerade hier bin, dann habe ich es verpasst. Hinzu kommt eine Auflösung und eine 3D-Effekt von der das Kino nur träumen kann – als ob man die anfassen könnte. Es ist vor allem das Körperliche, dass sich hier manifestiert, die Gegenwart des Gegenüber sozusagen. Idealerweise ist es ein Amalgam verschiedener Medien: Text, Klang, Bild.

Der Comic oder Graphic Novel ist dem Buch ja sehr nahe. Zur Erzählung der ersten Menschen gesellt sich jetzt allerdings noch ein weiteres Medium hinzu: Das Bild. Einigen vielleicht als Höhlenmalerei bekannt, die uns heute hin und wieder in Form von Graffiti begegnen. Der Comic erreicht den Geschichtenhörer auf viel intuitiver Ebene: Er muss nichts sagen, er zeigt es einfach. Allerdings muss er auch was zeigen. Der Comic kann also nicht alles erzählen. Aber am spannendsten ist er sowieso, wenn er etwas beiläufig zeigt.

Filme und Serien wiederum stehen dem Theater sehr nahe. Nur geht ihnen die Jetzigkeit vollkommen ab, ganz im Gegenteil sind sie inzwischen darauf trainiert, in ewig gleicher Form abgerufen zu werden. Dafür können die Bilder aber umso stärker sein. Das heißt allerdings nicht immer, dass die Bilder auch stark sein müssen. Fernsehen ist zu so einer Nebenbei-Beschäftigung geworden, dass die Erzählung so simpel ist, dass man gar nicht aufpassen muss. Ich schaue Serien auch manchmal ohne Bild sehe und trotzdem alles verstehe. Das sind manchmal gute Geschichten, aber es bräuchte nicht wirklich auf der Mattscheibe flimmern.

Und schon sind wir beim Ohrenkino, das mich ja schon von Berufs wegen am meisten interessiert. Ich mag also Hörspiele, am liebsten wenn sie sich durch einen klaren Sound auszeichnen oder sich vielleicht sogar mit Klang selbst beschäftigen. Aber auch ganz ohne akustische Meisterinszenierung weiß eine Lesung zu schätzen, sofern sie gut gemacht ist. Ich höre Stanisic fast schon lieber zu, als die Geschichten selbst zu lesen und der Klang der Harry-Potter-Romane ist durch Rufus Beck geprägt. Ich höre diese Geschichten gerne, wenn ich morgens auf dem Weg zur Arbeit nicht lesen kann, wenn ich putze, wenn ich Auto fahre, manchmal auch wenn ich meine Papierablage aufräume oder (das ist schon lange nicht mehr vorgekommen) wenn ich bastele. Diese Form Geschichten aufzunehmen, stößt bei sehr komplexen Geschichten natürlich auf seine Grenzen. Da schätze ich das Buch mehr, wo ich mal schnell hin- und herblättern kann.

Ich würde noch was zu Videospielen sagen, aber das kommt mir neben Cäcilia immer etwas komisch vor.

Die Grenzen

Eigentlich wollte ich jetzt noch ganz viel zu Adaptionen erzählen. Doch ich fürchte, dieses „ganz viel“ entfernt sich dann ganz schön weit von der Ursprungsfrage. Deswegen versuche ich nur ganz kurz die Quintessenz zu verteilen.

Nicht jede Adaption ist notwendig. Gerade bei Bühnenadaptionen stellt sich oft die Frage, welchen Mehrwert die Inszenierung gegenüber der Vorlage generiert hat. Dieselbe Frage stellt sich mir auch bei vielen filmischen Annäherungen, aber hier stellt sich die Frage nach dem geistigen Wert einfach insgesamt seltener. Bei manchen Produktion vielleicht auch zu selten.

Ich merke schon wieder, wie ich ausufere. Eigentlich will ich nur auf eine Aussage hinaus: Jedes Medium hat seine Stärken und Schwächen, die sich  nicht jedes Mal kompensieren. Deswegen sollte man, bevor man eine Geschichte adaptiert genau überlegen, warum in welchem Medium. Gibt es einen bestimmten Aspekt, der sich im Medium am deutlichsten zeigt? Mein Beispiel wäre zum Beispiel Daredevil: Warum bekommt Batman eine groß angelegte Hörspielserie, aber der momentan genauso populäre Daredevil nicht. Ein Superheld, der nichts sehen kann, ist ein großartiger Protagonist für ein Hörspiel.

Aber vielleicht gibt es auch einen klaren Impetus, wie ein Bild oder eine Art Choreographie, die man in einem Film zeigen will. Denn es gibt nichts gegen Adaptionen zu sagen. Es gibt viele großartige Filme, die auf einem Buch basieren. Das heißt aber nicht, dass jedes erfolgreiche Buch auch verfilmt werden muss. Warum will sich die Filmindustrie jeden Erfolg unter den Nagel reißen, auch wenn der Film das Besondere der Geschichte nicht einmal fassen kann? Das gehört zu einer Frage, die ich zu Schluss noch einmal stellen will.

Grenzen überschreiten

Manche Geschichten beschränken sich nicht auf eine Form. Sie lassen einen Teil im Buch, auf der Leinwand, in Comic-Panels und leider eher selten in Hörspielen stattfinden. Man nennt diese Technik gemeinhin Expanded Universe – und ich liebe es!

Die Komplexität dieser Geschichten begeistert mich ungemein. Da entsteht auf einmal ein Netz von Geschichten, die sich auf allen möglichen Ebenen überschneiden und jedes Mal habe ich auf ein Neues die Gelegenheit den Fäden und Knoten nachzuspüren. Das muss nicht unbedingt in verschiedenen Medien geschehen, aber meist sind diese Geschichtenuniversen transmedial.

Allerdings fürchte ich, dass die Entscheidung, was in Filmen, Büchern oder Comics erzählt wird, nicht mit tief gehendem Nachdenken getroffen wird. Aber die Entscheidungen sind auch nicht so schrecklich, dass sie mich am Lesen hindern würden. Wer dann also in umfassender Tiefe in diese Welten eintauchen will, muss alle Erzählungsformen nutzen können.

Grenzen auflösen

Solche Expanded Universes können leicht als eine Art Supraroman verstanden werden. Alle einzelnen Geschichten ergeben zusammen eine riesige Geschichte. Aber dennoch bleiben die Geschichten in ihrem jeweiligen Medium für sich. Doch es gibt tatsächlich Romane, die in sich selbst schon die Grenzen überschreiten. So verwandeln sich von Steinaeckers „Geister“ und Urbans „Gondwana“ verwandeln sich in Comics. Tomasula überschreitet die solche Grenzen sogar noch rigoroser: Sein Roman „VAS“ stellt geschrieben Worte und Bilder vollkommen gleichberechtigt Nebeneinander, löst sie schon fast ineinander auf. In „toc“ geht er noch weiter und kombiniert seine Erzählung mit Klängen.

Hier zeigt sie, dass das Digitale für den Roman mehr bietet, als das sie leichter transportieren zu können. Sie ermöglichen eine komplett neue Form der Lektüre. Ich könnte „Pale Fire“ von Nabokov auch gedruckt lesen, aber digital lassen sich die Fußnoten, in denen der eigentliche Roman hinter dem Langgedicht stattfindet, besser nachvollziehen. Und das ist nur ein Anfang: Inzwischen gibt es die Möglichkeit, Geschichten zu erzählen, in denen alle Medien gleichberechtigt nebeneinander stehen. Der Text muss eine bekannte Filmszene nicht mehr beschreiben, sondern zeigt sie, den Anrufbeantworter kann der Geschichtenhörer selbst abrufen, geschichtliche Hintergründe ließen sich ein eingelagerten Akten voller Material nachvollziehen und so weiter.

Das klingt doch einfach großartig. Leider kenne ich nicht einen solchen Roman. Vielleicht kann man da jemand mal einen Tipp geben.

Die große Frage

Die Geschichte, der alle technischen und medialen Grenzen überschreitet wird vermutlich immer die Ausnahme bleiben. Das bedeutet, dass die einzelnen Formen in Konkurrenz zu einander stehen – entweder höre ich ein Buch oder ich lese es, vielleicht warte ich auch gleich auf die Verfilmung. Die große Frage, mit der ich mich innerhalb eines neuen Projektes im April auseinander setzen will, ist: Wird das klassische Buch ersetzt? Löst es sich in Bits und Bytes aus oder ist das e-Book nur eine Zwischenform bevor es Bücher nur noch als mp3 (bereits gesehen bei „Doctor Who“) oder bei Netflix gibt? Die Antworten darauf suche ich noch.

Thilo

Thilo

Freier Journalist und Blogger bei schraeglesen
Hat sich von einer anfänglichen Faszination für Bücher, über erste Leseerfolge zum Bibliomanen entwickelt.

Eigentlich hat der Kulturjournalist nur aus Langeweile gelesen, hier mal ein Buch im Zug, mal eines im Urlaub, mal ein bisschen vorm Einschlafen. Nach unausgegorenen Berufswünschen wie Koch, Hornist oder Schauspieler, verschlägt es ihn zum Studium der Theaterwissenschaft nach Leipzig und in die Redaktionsräume des Ausbildungsradios mephisto 97.6. Ganz beiläufig lässt er hier fallen, dass er eigentlich ganz gerne mal ein Buch lese. Schon einen Monat später leitet er – hopplahopp – die Literaturredaktion und Lesen wird zum Exzess (in den Tagen vor Buchmessen liest er gerne Nächte und Tage durch).

Inzwischen spricht er hin und wieder bei MDR Kultur und dem Deutschlandfunk über Literatur,Theater, Musik, neue Medien und alles was die Leute (oder: ihn) interessiert. Sein Ziel: Der nächste Marcel Reich-Ranicki (und ein bisschen Gerhard Stadelmaier) werden – nur besser aussehend … und vielleicht etwas umgänglicher. So lange vergnügt er sich weiter auf schraeglesen.de
Thilo

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    Thilo

    Hat sich von einer anfänglichen Faszination für Bücher, über erste Leseerfolge zum Bibliomanen entwickelt. Eigentlich hat der Kulturjournalist nur aus Langeweile gelesen, hier mal ein Buch im Zug, mal eines im Urlaub, mal ein bisschen vorm Einschlafen. Nach unausgegorenen Berufswünschen wie Koch, Hornist oder Schauspieler, verschlägt es ihn zum Studium der Theaterwissenschaft nach Leipzig und in die Redaktionsräume des Ausbildungsradios mephisto 97.6. Ganz beiläufig lässt er hier fallen, dass er eigentlich ganz gerne mal ein Buch lese. Schon einen Monat später leitet er – hopplahopp – die Literaturredaktion und Lesen wird zum Exzess (in den Tagen vor Buchmessen liest er gerne Nächte und Tage durch). Inzwischen spricht er hin und wieder bei MDR Kultur und dem Deutschlandfunk über Literatur, Theater, Musik, neue Medien und alles was die Leute (oder: ihn) interessiert. Sein Ziel: Der nächste Marcel Reich-Ranicki (und ein bisschen Gerhard Stadelmaier) werden – nur besser aussehend … und vielleicht etwas umgänglicher. So lange vergnügt er sich weiter auf schraeglesen.de

    6 Kommentare:

    1. Das Glück des gedruckten Buches ist sein Unverlinktsein. Bücher stiften zwischen Kohärenz zwischen den Buchdeckeln, die Inhalte werden sozusagen zwischen zwei Pappdeckeln zusammengepappt – und genau diese Abgeschlossenheit und Kohärenz wollen die (meisten) Leser auch erleben. Auch wenn sie mal traurig sind, wenn eine Story vorbei oder der ein oder andere Protagonist tot ist. Aber ohne Ende keine Traurigkeit, keine Emotionen. Das klassische Buch wird also nicht ersetzt. Im Gegenteil, es wird – durch seine innere Geschlossenheit, durch seine Einheit(lichkeit) immer mehr zum Abbild unserer Selbst in einer sich immer weiter ausdifferenzierenden, sich auflösenden, zerfasernden Welt.
      Deshalb werden auch die Geschichten überleben – und genau deshalb werden auch immer die “einfach” und klassisch gezählten Storys diejenigen sein, die uns am meisten bzw. die meisten von uns faszinieren. Alles andere sind tolle, zeitgemäße, intellektuell und künstlerisch gewiss hochwertige Expertimente, aber sie berühren (mich) oftmals nicht.

      • Vielen Dank für diesen eindrücklichen Kommentar, der ja auch ganz wunderbar an unser letztes Themenspezial anschließt. Es stimmt, dass ein endgültiges Ende und eine in sich geschlossene Geschichte einen Menschen sehr berühren kann, vielleicht auch weil es eine Flucht aus einer Welt ist, bei der kein Faden mehr erkennbar ist, weil sich fast alles zu einem Nest ohne durchschaubares Muster verknüpft hat. Allerdings können auch Filme und Hörspiele diese Absgeschlossenheit bieten, noch dass die nicht zusammengepappt, sondern eingebrannt ist.
        Außerdem möchte ich widersprechen, dass eine Buch immer Unverlinkt ist. Wie uns gute Kritiken oft vorführen, ist eigentlich jedes Buch mit anderen Geschichten verknüpft: mit dem Leben des Autors, der Realität, die ihn umgibt, der Geschichte der Welt und der Literatur, in letzter Zeit auch immer öfter mit den Bücher der Reihe, zu dem es gehört. Bücher, meist werden sie dadurch besser, beziehen sich nicht selten auf andere Bücher, indem sie die Motive überschreiben oder einbeziehen, manchmal sind es andere Geschichten, manchmal sind es sogar ganze Gedankenkonstrukte und Sichtweisen; hin und wieder taucht ein Buch sogar in einem anderen auf. All diese Momente verknüpfen das Buch mit anderen Geschichten. Es sind keine Links, auf die wir draufdrücken, stattdessen müssen wir ihm mühevoll nachgehen und diese andere Geschichte suchen gehen, aber die Verknüpfung ist da.
        In dem Roman “Vatermord und andere Familienvergnügen” von Steve Toltz gibt es eine nette Szene dazu: Der Hauptcharakter war als Kind schon immer begesitert vom Lesen. Er saß in der Ecke als sein Bruder und dessen Freunde gespielt haben oder ihr Unwesen trieben. Einer fragte ihn dann einmal, woher er wisse, was er als nächstes lesen soll. Der Protagonist hat daraufhin geantwortet, dass das in den Bücher steht.
        Vielleicht besteht der Reiz des Buches dann aber doch darin, dass es einem das eigene Verlinktsein nicht auf’s Auge drückt, gleichzeitig technisch und inhaltlich vollkommen losgelöst sein kann, man mit einem einzelnen Buch in einer Einsiedelei glücklich sein kann.

    2. Guten Abend,

      auf ein neues!
      Ich finde es ganz großartig einen Beitrag zur Montagsfrage zu finden, der länger als zwei Sätze ist. Viele nutzen das Format ja, um die Frage mit ein zwei Zeilen abzuspeisen und das wars. Aus der Frage wurde ein ganz toller Beitrag gestaltet!
      Und es spricht mir in ganz, ganz vielen Punkten aus der Seele. Geschichten kann man überall finden und das Medium ist nicht immer das wichtigste. Für mich als Leser ist das Buch natürlich immer etwas besonderes, aber auch ein guter Film kann beglücken!

      Vielen Dank für diesen tollen Beitrag.
      Chrissi

      • Liebe Chrissi, das freut mich besonders. Ich habe ja immer Sorge, dass ich es übertreibe und niemand das Geschwalle liest. Aber wenn meine Antwort gefühlt nur aus “Joa” oder “Nö” bestehen würde, dann habe ich auch gar keine Lust darauf zu antworten.
        Und die Frage, welche Medien sich für welche Geschichten eignen, beschäftigte meinen Kopf sowieso schon seit einiger Weile – und deswegen schwirren da schon auch Wunschträume im Kopf herum.
        Das Problem allerdings, wenn man sich nicht nur auf ein Medium konzentrieren will, dass das Angebot, das so schon groß genug wäre, ins Unermessliche wächst – Aber das Trauerlied habe ich schon oft genug angestimmt…
        Liebe Grüße, Thilo

    3. Natürlich ist jedes Buch verknüpft und kaum mehr als ein Knotenpunkt, ein Durchgangsort für tausend andere Bücher und Texte – und doch: entscheidend ist, dass wir es nicht merken, dass wir es im besten Sinne “überlesen” und erst auf den zweiten oder dritten Blick einbrechen (können) in die Tiefenschichten eines Textes, dass wir erst dann seinen Verweise erkennen, ihnen nachgehen können – oder auch nicht. Denn entscheidend ist, dass die Geschichte auch ohne die Verweise funktioniert, dass sie auch ohne die zweite und dritte Ebene eine Geschichte ergibt. Dass wir die Links auch rechts liegen lassen können und einfach weiterlesen, ohne etwas zu vermissen, zu vergessen oder zu übersehen.
      Gewiss, manche Anspielung in einem Buch ist sofort erkennbar, manches Zitat entschlüsselt sich schon während des Lesens. Dennoch: Was zunächst und vor allem zählt ist – der Text. Der Text als solches. Als Text-Text, sozusagen. Ein Ding der reinen Oberfläche. Worte, die auf Worte reagieren. Worte, die Bilder erzeugen. Worte, die nicht nach außen verweisen. Unverlinkte Worte. Worte, die eine Geschichte erzählen. Wenn sie dann auf einer zweiten Ebene noch eine weitere Geschichte offenbaren – auch schön. Aber notwendig ist das nicht.
      Egal. Wie heißt es doch so schön: Alles ist mit allem verbunden. Doch liegt das gefährlich nahe an der Vorstellung, dass nichts mit irgendetwas verbunden ist.
      In diesem Sinne – weitermachen. Mit Schreiben. Kommentieren. (Schräg)Lesen.
      Danke dafür!

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