#RoleplayJanuar: Bravely Default

… oder wie ich meine Begeisterung für das Japanische Rollenspiel verlor.

Goldfuchs hat zur #PileofNothing-Challenge aufgerufen. Ein Jahr lang den Pile of Shame der Videospiele reduzieren, jeden Monat soll in einem festgelegten Genre ein beliebiges Spiel aus dem heimischen Spieleschrank durchgespielt werden. Find ich gut, immerhin stapeln sich bei mir schon jahrelang die ungespielten Videospiele. Ständig kommen neue hinzu… und der Stapel wächst und wächst.

Dass das Jahr dann auch ausgerechnet gleich mit Rollenspielen beginnen soll, ist für einen alten “Final Fantasy”-Fanatiker wie mich natürlich ein absoluter Glückstreffer. Das Genre, mit dem überhaupt zum Videospiel gefunden habe. Eigentlich sollte das doch für mich die leichteste Übung sein.

Wenn da nicht das kleine Wörtchen “eigentlich” und “Bravely Default” gewesen wäre. Das klassische JRPG für den 3DS (das im Übrigen schon knapp zwei Jahre halb durchgespielt bei mir im Schrank gammelt) hat mir die Tour nämlich  ordentlich vermiesen zu wollen. Und die Lust am Genre auch gleich mit dazu. Ein (unmotivierter) Zwischenstand in Twittergedanken.

Naive erste Gedanken

Mitte Januar. Ich muss gestehen, dass ich für den Rollenspiel-Januar ein wenig spät dran bin. Urlaub und Neujahrsträgheit haben mich den halben Monat verschenken lassen – und mich vor allem in der Spielauswahl extrem eingeschränkt. Arbeitsbedingt bin ich wieder kaum daheim und habe deswegen nur DS-Spiele bei mir. An Rollenspiel-Auswahl bedeutet das:  “Final Fantasy III” oder “Bravely Default”.

Die Wahl fällt schnell auf “Bravely Default”, mit reichlich 40 Spielstunden, die ich dort bereits vorgearbeitet hatte, dürfte das sicherlich problemlos zu schaffen sein. Ach, wie naiv ich doch war.

Bisherige Spielzeit: 43 h
Verbleibende Tage: 15
Motivation: Voll da

Worum es eigentlich geht…

… lässt sich eigentlich schnell in ein paar Sätzen zusammenfassen – immerhin unterscheidet sich das JRPG nicht viel von anderen Titeln seines Genres: Ein Welt muss (zumindest scheinbar) mithilfe von vier magischen Kristallen vor dem Untergang gerettet werden. Das zumindest haben sich goody-two-shoes Protagonistin Agnés, als Vestalin des Windes, und ihre Begleiterin – eine Fee namens Airy – in den Kopf gesetzt. Das magische Vierer-Kampfteam komplettieren bald ebenso goody-two-shoes-und-heimlicher-love-interest Tiz; Ringabel, ein mysteriöser Lustmolch ohne Gedächtnis und die anfänglich vermeintliche Widersacherin und bald treue Begleiterin Edea. (Und übrigens mein persönlicher Liebling.)

Erste Orientierungsversuche

Mitte Januar. Immer noch der gleiche Tag. Ich muss gestehen, dass ich nach knapp zwei Jahren, die ich dieses Spiel nicht mehr in der Hand hatte, so wirklich keine Ahnung habe, was eigentlich zu tun ist. Nun ja, grob weiß ich das schon – das gelbe Ausrufezeichen, dass mir da so plakativ den Weg “weisen” will, lässt da schließlich keinen Zweifel. In einem klassischen Rollenspiel wie “Bravely Default” will man den Spieler nicht unnötig herumwandeln lassen. (Viel gibt es da eh nicht zu sehen.)

Trotzdem: Ich weiß nicht viel von meinem letzten Spielversuch. Allerdings weiß ich, dass ich im Bosskampf kläglich versagt hatte und diese Tour will ich mir nicht gleich wieder im Vornherein vermiesen. Also heißt es für mich: Kämpfen, aufleveln, Geld sammeln, Rüstung kaufen, wieder einkaufen und ausrüsten – was man nicht alles so mit seiner Zeit im Rollenspiel anstellt.

Ein paar Level und ein leeren Ausrüstungsladen später (man weiß ja nie was man im Inventar noch gebrauchen kann), mache ich mich dann doch auf zum gefürchteten Endboss: Ein kugelförmiges Etwas, das regelmäßig seine Schwachpunkte und Angriffstaktiken wechselt. Und überraschenderweise ist der auch gleich mit der richtigen Taktik in nur wenigen Zügen erledigt: Ein paar gezielte Angriffe mit Pfeil und Bogen, kurz auf die nächste Runde warten, wieder angreifen und zwischendurch das Heilen nicht vergessen. Habe ich “Bravely Default” für diesen lächerlichen Boss wirklich so lange liegen lassen?

Bisherige Spielzeit: 46 h
Verbleibende Tage: 15
Motivation: Ziemlich groß.

Es läuft.

17. Januar. Ein Tag später. Nach dem gestrigen Erfolg bin ich guter Dinge, immerhin bin ich nur noch einen weiteren Kristall vom Ende entfernt. (Das denke ich zumindest noch.) Und weil es ja furchtbar langweilig wäre, schon nach ein paar Tagen durch das Spiel zu sein, entscheide ich mich, ein paar Nebenmissionen nachzugehen.

Netterweise sind die ja auch so wunderbar mit einem blauen Ausrufezeichen auf der Karte versehen, sodass ich ohne viel nachzudenken einfach aufs Ziel zulaufen kann und einen Bosskampf später schon einen weiteren Jobtitel inne habe. Nicht, dass ich den wirklich bräuchte. Meist kämpfe ich eh in einer festen Aufstellung von Walküre, Waldläufer, Rotmagier und Ritter. Aber wie war das nochmal: Lieber hat als hätte.

Am Ende des Abends bin ich zwar in der Hauptstory keinen Schritt weiter, dafür aber um einen neuen Piraten-Job reicher. Ein ziemlich nutzloser Job, wie sich bald herausstellt. Das macht nichts, finde ich. Keine Hauptstory, bedeutet auch weniger Cutscenes mit Agnès. Außerdem habe ich ja sowieso noch jede Menge Zeit.

Bisherige Spielzeit: 48 h
Verbleibende Tage: 14
Motivation: Recht zuversichtlich.

Eine Zugfahrt, die ist lustig

19. Januar. Auf dem Nachhauseweg. Das praktische am DS ist ja wohl, dass man auch unterwegs spielen kann. Für mich ein echter Glücksgriff: Endlich kann ich die restlichen Nebenmissionen erfüllen, erhalte mit dem Ninja einen wirklich praktischen neuen Job und komme auch in der Hauptstory endlich ein ganzes Stück weiter. Mit dem neue gewonnen Flugschiff sehe ich mich schon regelrecht auf die Zielgerade zusegeln! Wenn ich mich da nicht mal geirrt hätte.

Bisherige Spielzeit: 50,5 h
Verbleibende Tage: 12
Motivation: Auf der Zielgeraden!

Eine Zugfahrt.

22. Januar. Die ersten Anzeichen der Ungeduld machen sich bemerkbar. Was vielleicht daran liegen könnte, dass ich am Wochenende keinen Deut weiter gekommen bin. Selber Schuld: Warum habe ich mich auch von “NieR: Automata” ablenken lassen? Nach dem actiongeladenen Rollenspiel, kommt mir das rundenbasierte Kampfsystem in “Bravely Default” plötzlich so langatmig vor, der Textanteil viel zu hoch und Protagonistin Agnés ist gleich doppelt so nervig. Vielleicht ist es mit 7 Uhr morgens aber auch einfach zu früh für mich. Morgen ist ja auch noch ein Tag.

Bisherige Spielzeit: 51 h
Verbleibende Tage: 9
Motivation: Müde.

10 Dinge, die mich an “Bravely Default” nerven

  1. Agnés
  2. Chibi-Figuren
  3. Moral-Keule (Ist der Bösewicht wirklich der Bösewicht? So vorhersehbar.)
  4. Japanische Rollenspiel-Stereotypen (wie Agnés)
  5. Job-System (Liegt wohl an meiner fehlenden Entscheidungsfreudigkeit.)
  6. rundenbasierte Kämpfe
  7. Agnés
  8. Agnés
  9. Gelegentlich alle anderen.
  10. Agnés

Es muss ja weitergehen.

25. Januar. Das letzte Wochenende ist schon fast da und ich habe berufsbedingt gerade abends kaum weiterspielen können. Auch heute bin ich ich eigentlich viel zu müde. Ich entscheide mich also für mein Gewissen ein paar Trainingsrunden durch die Weltkarte zu streifen und mich dann ins Bett zu legen. Wenigstens kann ich mich so morgen bestens vorbereitet in den letzten Kampf begeben. Denke ich.

Bisherige Spielzeit: 53 h
Verbleibende Tage: 6
Motivation: Noch müder.

 

Das vermeintliche letzte Wochenende (oder: Der Turning Point)

28. Januar. Aus dem “morgen spiele ich weiter” wurde ein überübermorgen. “Kein Problem”, denke ich. Ich habe ja noch den ganzen Tag vor mir und so weit bin ich nicht mehr vom letzten Dungeon entfernt. Gerade stellt sich bei mir sogar ein Gefühl des “nicht-beenden-wollens” ein, wie es so oft bei mir der Fall ist, wenn ich mich merklich dem Ende nähere. Ich lege sogar ein paar letzte Touren mit dem Flugschiff ein, nur um sicherzugehen, dass ich auch wirklich keinen Job verpasst habe. Nicht, dass ich wirklich von meiner Walküre-Schütze-Rotmagier-Ritter-Konstellation abweichen würde. Aber: Lieber hat als hätte.

 

Ein paar Stunden, ein Abendessen und das sichere Gefühl später, ich würde mich jetzt gut vorbereitet in den finalen Kampf begeben, betrete ich schweren Herzens in das Zentralkommando von Eternia. Zwar erwarten mich hier erstmal zwei weitere Clowns, die ich ich erst einmal besiegen muss. Auch das wirft mich aber nicht vom Glauben zurück, bald mein endgültiges Ziel – das Ende – erreicht zu haben. Das kenne ich schließlich auch von anderen Rollenspielen zu genüge und zwei weitere Jobs kann ich eigentlich ganz gut gebrauchen. (Kann ich nicht. Aber ich besitze sie gern.)

Wieder einige Stunden und dieses Mal noch etliche Cutscenes später. (Agnés und ihr “moralisches Dilemma”! Langsam fällt mir wieder ein, was ich an “Bravely Default” so gehasst hatte.) Der Sonntag ist auch schon wieder vorbei. Das macht aber nichts. Ich stehe ja bereits am Speicherpunkt vor dem finalen Bosskampf – das schaffe ich auch schon in den übrigen drei Tagen.

Bisherige Spielzeit: 59 h
Verbleibende Tage: 3
Motivation: Müde, etwas genervt – aber zuversichtlich.

Fast am Ende

29. Januar. Der vermeintliche Endboss hat zwar einen weiteren Job abgeworfen – Tempelritter, das kann ich eigentlich wirklich gut gebrauchen – der finale Boss war es aber nicht. Ich muss mich noch durch einen weiteren Dungeon kämpfen. Könnte zwar etwas knapp werden, dürfte aber sicher noch in zwei Tagen machbar sein.

Bisherige Spielzeit: 62 h
Verbleibende Tage: 2
Motivation: Genervt – aber (immer noch irgendwie) zuversichtlich.

Wieder fast am Ende

30. Januar. Inzwischen habe ich einen weiteren “finalen” Boss besiegt und den letzten Kristall aktiviert. Eigentlich hatte ich an dieser nur noch eine “finale” lange Cutscene erwartet. Dann müsste jetzt auch bald der Abspann zu sehen sein. Der etwas unspektakuläre letzte Bosskampf hat in mir aber bereits einen Verdacht geweckt: Bin ich wirklich schon am Ende? War das wirklich schon alles? Noch hege ich aber die Hoffnung, dass “Bravely Default” einfach mit seinem finalen Bosskampf schwächelt. Schließlich wäre das nicht das erste Rollenspiel, in dem der letzte Boss enttäuscht hätte.

Nach einer weiteren langen Cutscene bestätigt sich jedoch mein Verdacht: Da wartet noch mindestens ein weiterer Bosskampf auf mich – und nicht mal ein wirklich leichter. Gerade mal 20 Minuten halte ich durch und schon liegen alle Kämpfer schwächelnd am Boden. Schaffe ich das wirklich noch bis morgen?

Bisherige Spielzeit: 64 h
Verbleibende Tage: 1
Motivation: Genervt und skeptisch.

Galerie der vermeintlichen “Enden”

Die Hoffnung stirbt… die Lust auch

Mittlerweile ist schon der 31. Januar. Ich habe Kopfschmerzen, bin müde. Das ist mir nun aber auch egal. Ich habe versagt. An einem Abend schaffe ich keine zwei weiteren Kapitel, wie sie – nun wohl wissentlich – noch vor mir liegen. Ich habe in der Zwischenzeit bereits einen Blick auf eine Komplettlösung geworfen und weiß nun, dass ich noch weit von einem Ende entfernt bin, zu weit, um alles bis zum Ende der #RoleplayJanuar-Challenge fertig spielen zu können. Was nicht heißt, dass ich mich nun völlig von “Bravely Default” habe unterkriegen lassen. Schon aus Trotz. Aber wirklich Spaß werde ich dabei nicht haben.

Hoffentlich läuft es im Februar mit den Platformern für mich besser.

Caecilia

Caecilia

Ehemaliger(?) "Final Fantasy"-Freak. Hat durch die Liebe für das Japanische Rollenspiel zum Videospiel gefunden.

Nachdem der Traum vom Leben in Land der aufgehenden Sonne spätestens am Sushi-Hass zerplatzte, fand die Musik- und Theaterwissenschaftlerin in den Game Studies einen passenden Ersatz; ging ihren Dozenten deswegen permanent mit Hausarbeiten zu Videospielmusik, Avatartheorien oder Bewegungssteuerungskonzepten auf den Leim; versuchte sich nebenher als Redakteurin beim RETRO-Magazin oder stockte ihre Spielesammlung mit Aushilfsjobs bei GameStop auf.

Ihr großer Traum: Mit einer Professur das eigene Hobby durch die Uni finanzieren zu lassen. Bis dahin tobt sich eben auf schraeglesen aus und bezahlt die Spiele erstmal aus eigener Tasche. Wegen ihrer Vorliebe für Indie Games hält sich der finanzielle Aufwand dabei zum Glück in Grenzen.
Caecilia

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Ehemaliger(?) "Final Fantasy"-Freak. Hat durch die Liebe für das Japanische Rollenspiel zum Videospiel gefunden. Nachdem der Traum vom Leben in Land der aufgehenden Sonne spätestens am Sushi-Hass zerplatzte, fand die Musik- und Theaterwissenschaftlerin in den Game Studies einen passenden Ersatz; ging ihren Dozenten deswegen permanent mit Hausarbeiten zu Videospielmusik, Avatartheorien oder Bewegungssteuerungskonzepten auf den Leim; versuchte sich nebenher als Redakteurin beim RETRO-Magazin oder stockte ihre Spielesammlung mit Aushilfsjobs bei GameStop auf. Ihr großer Traum: Mit einer Professur das eigene Hobby durch die Uni finanzieren zu lassen. Bis dahin tobt sich eben auf schraeglesen aus und bezahlt die Spiele erstmal aus eigener Tasche. Wegen ihrer Vorliebe für Indie Games hält sich der finanzielle Aufwand dabei zum Glück in Grenzen.

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