Forschungstagebuch: Von Unwettern, Ängsten und ersten Erfolgen

Draußen stürmt und tobt Taifun Trami. Während ich hier also ans Haus gebunden bin, wird es Zeit für mich die ersten Eindrücke schriftlich festhalten.

Ankunft in Tokyo, Besuch der Tokyo Game Show 2018, Reise nach Kyoto (meinem eigentlichen Zielort), Game Studies Workshop an der Ritsumeikan Universität und nebenbei noch an eine völlig andere Kultur gewöhnen – in den letzten Tagen gab es für mich unglaublich viele Eindrücke zu verarbeiten. Jetzt steuert auch noch der nächste Taifun geradewegs auf die Hauptinsel Honshu. Damit ich hier also nicht vor lauter Warterei in Panik gerate, nutze ich die Zeit einfach für etwas sinnvolles und versuche meine ersten Eindrücke zu “Papier zu bringen”.

Es gibt Audio Games in Japan…

Ja, es gibt sie hier tatsächlich! Kaum zwei Tage da und schon durfte ich vergangene Woche meinen ersten Erfolg verbuchen: Ein kleiner Audio Game Stand, gut versteckt in der Indie Game Area der Tokyo Game Show 2018. Präsentiert wurde ein rein audiobasiertes Kampfspiel, bei dem der Spieler allein anhand von Schrittgeräuschen seinen Gegener lokalisieren und dann im entsprechenden Moment einen Angriff wagen muss.

Ein einfaches Spielprinzip, allerdings kein leichtes Unterfangen. In meiner besten Runde konnte ich gerade einmal fünf Widersacher besiegen. Wenn man bedenkt, dass ich mich bisher allerdings eher mit narrativen Audio Games vergnügt habe, ist das doch eigentlich kein schlechter Start. Aber vielleicht rede ich mir gerade auch einfach nur alles schön.

Der Entwickler ist übrigens selbst blind und hat bereits 45 Audio Games entwickelt – und spricht auch noch (recht) fließendes Englisch. Einen besseren Ansprechpartner hätte ich hier wohl nicht finden können!

Videospielmesse bleibt Videospielmesse…

Was soll ich zur Tokyo Game Show auch schon groß anderes sagen? Laut, überfüllt und voller halbnackter Messemädchen – kennt man eine Videospielmesse kennt man sie eben alle. Ich habe schon vor zwei Jahren bei der gamescom gemerkt, dass Videospielmessen nicht mein Fall sind und das hat sich in diesem Jahr nocheinmal bestätigt.

Mein einziger Lichtblick, die Indie Game Area, war auch eher enttäuschend klein. Die wirklich interessanten Spiele konnte ich sogar an einer Hand abzählen, darunter ein psychologisches Horrorspiel (das aber schon auf dem Markt erschienen ist) und ein wirklich zauberhaft illustrierter Plattformer eines japanischen Künstler.

Aber hey: Ich habe einen Audio Game Entwickler gefunden. Was will ich überhaupt mehr?

Das psychologische Horror-IndieGame ist seit kurzem auf dem Markt.

Animes und Mangas sind überall…

Und mit überall meine ich auch wirklich überall. An jeder Straßenecke, jedem Einkaufszentrum gibt es irgendeinen Bezug zur berühmten japanischen Popkultur – sei es in Form von Werbung, Mangastores, sogenannten Gashapon-Maschinen oder sogar Anime-Cafés. Was für Deutschland eher zur “Geekkultur” zählt, ist in Japan Alltag und nahezu omnipräsent.

Für manche mag das nun der Himmel auf Erden sein, für mich hat sich allerdings nur gezeigt, dass ich aus der Szene mittlerweile . Wenn einem, außer Sailor Moon, bestenfalls noch “Naruto”, “Pokémon” und “One Peace” bekannt vorkommt, bleibt eben nur noch der Satz: “Ich bin zu alt für diesen…”

Naja. Lassen wir das.

Off-Topic: Japanisches Essen ist essbar (manchmal)…

Ja. Wir sind kein Foodblog. Das wollen wir auch in Zukunft nicht ändern. (Von der Sorte “Food-Buch-Blog” gibt es schließlich auch so schon viel zu viele.) Vor meiner Reise hatte mir das japanische Essen allerdings eine solche Angst bereitet, dass ich an dieser Stelle nicht umher komme, einen kurzen abschließenden Kommentar zu hinterlassen.

Zunächst einmal: Ich weiß, dass ich, was Essen anbelangt, kein einfacher Mensch bin. Ich bin nicht sonderlich experimentierfreudig; in Restaurants bestelle ich meist Speisen, die ich schon einmal probieren konnte. Und sobald ich dann etwas neues testen, gehe ich schon im Moment nach der Bestellung davon aus, dass mir das unbekannte Gericht kaum schmecken wird. Kurzum: In Punkto Essen bin ich wirklich alles andere als “schraeg”.

Japanisches Essen gehörte dabei bisher immer auf meine “Mag ich nicht”-Liste: Ich hasse Meeresfrüchte und den Geschmack von Misopaste, von Sushi wird mir übel und naja, bisher habe ich dem Ernährungsplan der Japaner eher wenig abgewinnen können. Überraschenderweise ist es aber nur halb so schlimm wie gedacht. Tatsächlich isst man in Japan recht viel Fleisch, wenig Gemüse, aber eben auch nur halb so viel Fisch wie befürchtet.

Oh, und ich liebe japanisches Curry! Und genau dem werde ich mich jetzt wieder zuwenden, dazu mein “Edgar Allan Poe”-Hörspiel (by the way: sehr zu empfehlen!) auf Maximum stellen und hoffen, dass der Sturm bald vorüberzieht…

 

 

Caecilia

Caecilia

Ehemaliger(?) "Final Fantasy"-Freak. Hat durch die Liebe für das Japanische Rollenspiel zum Videospiel gefunden.

Nachdem der Traum vom Leben im Land der aufgehenden Sonne schon am Sushi-Hass zerplatzte, fand die Musik- und Theaterwissenschaftlerin mit den Game Studies einen passenden Ersatz; ging ihren Dozenten deswegen permanent mit Hausarbeiten zu Videospielmusik, Avatartheorien oder Bewegungssteuerungskonzepten auf den Leim; versuchte sich nebenher als Redakteurin beim RETRO-Magazin oder stockte ihre Spielesammlung mit Aushilfsjobs bei GameStop auf.

Ihr großer Traum: Mit einer Professur das eigene Hobby durch die Uni finanzieren zu lassen. Bis dahin tobt sich eben auf schraeglesen aus und bezahlt die Spiele vorerst aus eigener Tasche. Wegen ihrer Vorliebe für Indie Games hält sich der finanzielle Aufwand dabei zum Glück in Grenzen.
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    Ehemaliger(?) "Final Fantasy"-Freak. Hat durch die Liebe für das Japanische Rollenspiel zum Videospiel gefunden. Nachdem der Traum vom Leben im Land der aufgehenden Sonne schon am Sushi-Hass zerplatzte, fand die Musik- und Theaterwissenschaftlerin mit den Game Studies einen passenden Ersatz; ging ihren Dozenten deswegen permanent mit Hausarbeiten zu Videospielmusik, Avatartheorien oder Bewegungssteuerungskonzepten auf den Leim; versuchte sich nebenher als Redakteurin beim RETRO-Magazin oder stockte ihre Spielesammlung mit Aushilfsjobs bei GameStop auf. Ihr großer Traum: Mit einer Professur das eigene Hobby durch die Uni finanzieren zu lassen. Bis dahin tobt sich eben auf schraeglesen aus und bezahlt die Spiele vorerst aus eigener Tasche. Wegen ihrer Vorliebe für Indie Games hält sich der finanzielle Aufwand dabei zum Glück in Grenzen.

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