Nur keinen Stress!

Ich denke, dieses Buch schafft etwas ganz Außergewöhnliches: Es kann jeden beim Lesen begeistern, auch und vor allem die, die sonst eher ungern lesen. Denn Kathrin Radke setzt sich auf die einzig richtige Weise mit der Faulheit auseinander: mit vielen weisen Seiten.

Um so absurder wäre es deswegen auch jetzt viele Worte zu verlieren und jede Menge Arbeit zu investieren. Das habe ich doch auch alles schon einmal erzählt. Ganz nebenbei gesagt, halte ich das auch für meine beste Literaturbesprechung (die aus urheberrechtlichen Gründen gekürzt werden musste).

Aber für alle die keine Lust haben, sich mühevoll diese nicht mal vier Minuten anzuhören nochmal eine kurze Zusammenfassung: Das Buch setzt sich typographisch mit der Faulheit auseinander. Ich zähle einmal kurz auf sie bildet ab, wie wir prokrastinieren (“mache ich einfach morgen”) oder wie wir schummeln (Plaltzhalter füllen Seiten). Dann gibt es einige Lobpreisungen für Faulheit (wir würden keinen festen Halt haben, hätte Newton nicht unter einem Apfelbaum die Schwerkraft entdeckt). Natürlich gibt es auch Hilfestellungen für Faule, wie große Werke der Weltliteratur auf das Wesentliche gekürzt und Filme werden  mit ein paar auf der Seite richtig angeordneten  Buchstaben erzählt.

Stellt sich jetzt die berechtigte Frage: Wenn er das doch alles schon einmal geschrieben hat, warum erzählt er das alles? Da scheint er nichts aus dem Buch gelernt zu haben. – Doch habe ich: Denn es wäre viel anstrengender, was Neues zu machen. Außerdem kann man dieses Buch nicht oft genug loben, weil es wirklich Spaß macht und dafür immerhin sehr gewürdigt wurde. Es ist immer wieder ein guter Griff, wenn einen die Kraft gerade verlässt und im Fernsehen nur Bauer sucht Frau kommt. Vor allem aber (das ist der wichtigste Grund) kann ich das jetzt immer wieder posten, wenn ich – so wie  jetzt – keine Zeit, keine Kraft oder einfach keine Lust habe auf einen neuen Beitrag. Findet euch damit ab: Ich habe ein Recht auf Faulheit  – und das ist auch gut so!

Kathrin Radke:Ft oder Das Recht auf Faulheit, Kunstanstifter, 128 Seiten, 18€

Thilo

Thilo

Hat sich von einer anfänglichen Faszination für Bücher, über erste Leseerfolge zum Bibliomanen entwickelt. Eigentlich hat der Kulturjournalist nur aus Langeweile gelesen, hier mal ein Buch im Zug, mal eines im Urlaub, mal ein bisschen vorm Einschlafen. Nach unausgegorenen Berufswünschen wie Koch, Hornist oder Schauspieler, verschlägt es ihn zum Studium der Theaterwissenschaft nach Leipzig und in die Redaktionsräume des Ausbildungsradios mephisto 97.6. Ganz beiläufig lässt er hier fallen, dass er eigentlich ganz gerne mal ein Buch lese. Schon einen Monat später leitet er – hopplahopp – die Literaturredaktion und Lesen wird zum Exzess (in den Tagen vor Buchmessen liest er gerne Nächte und Tage durch). Inzwischen spricht er hin und wieder bei MDR Kultur und dem Deutschlandfunk über Literatur, Theater, Musik, neue Medien und alles was die Leute (oder: ihn) interessiert. Sein Ziel: Der nächste Marcel Reich-Ranicki (und ein bisschen Gerhard Stadelmaier) werden – nur besser aussehend … und vielleicht etwas umgänglicher. So lange vergnügt er sich weiter auf schraeglesen.de

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