Die volle Dröhnung – mit Pause

Die vergangene Woche war geprägt von Spielen, alle haben es auf einmal als Thema aufgenommen. Auch wir waren da und haben vor allem geschaut, was wir so machen wollen. Wir waren und sind aber auch Teil des allumfassenden Stimmengewirrs.

Das Gewirr in schummrigen Hallen

Klar hätte ich schon am Mittwoch gehen können, rein theorethisch. Aber leider hatte ich noch allerhand Aufgaben, aber so richtig geht eine Messe ja auch erst los, wenn alle rein dürfen, denke ich in meiner demokratischen Utopie. Also am Donnerstagmorgen schnell noch akkreditiert und wenigstens eine Stunde früher rein und mir einen kurzen Blick durch die Hallen verschafft: „Ok, wieder FIFA, Battlefield 1, Watchdogs 2, Mafia III, Final Fantasy XV.“ Alles nur mäßig neu, denke ich.


Immer wieder dasselbe neue Alte

Dann also gleich ganz in die Vergangenheit, denn den größten Teil der Zeit habe ich am Donnerstag auf der Retrogaming-Fläche verbracht für eine Reportage, die am Samstag in aller Herrgottsfrühe lief. Natürlich waren es wieder die üblichen Verdächtigen, die Nintendo-Fans, Apple-Nostalgiker, Atari- und Amiga-Verfechter; die Schrauber, Bastler und Sammler. Dieses Jahr standen besonders Handhelds im Fokus der Vitrinen, genauso wie Pokémon. Sowieso ist es immer ein schöner Moment, wenn hier Leute vorbeikommen und sagen: „Ah, guck mal, das alte Streetfigther!“ und wieder erhärtet sich der Gedanke, das wenig neues passiert, hier wie dorten.


Doch eine neue Erfahrung

Am Nachmittag bin schnell runter in den Ü-Wagen des WDR gehüpft für eine kleine Schalte mit dem Deutschlandfunk, um doch noch was Neues zu erleben. War natürlich gleich ein Rundumschlag zu allen Themen der Messe: Pokémon (ich möchte nochmal betonen, dass Google mir sagte, dass sich Niantic getrennt hat), Sicherheitsthemen, Gewaltdarstellung in Videospielen und Spiele im Alltag. Auf das Thema Entwicklung bin ich kaum noch zu sprechen gekommen, wie die Förderung junger Entwickler, sowohl in kultureller als auch in wirtschaftlicher Hinsicht, oder den Schwerpunkt der diesjährigen Game Developers Conference: die Vernetzung weiblicher Entwickler. Aber ein Thema war natürlich Virtual Reality.


Neue Welten

Ich könnte nicht mal sagen, dass ich diesen Trend erkannt habe, er wurde einem ja regelrecht aufs Auge gedrückt. Aber von den wenigen Erfahrungen später mehr. Zuvor gab es großen Diskussionsbedarf. MDR Kultur wollte es in den Fokus rücken und hat mich ein Interview organisieren lassen. Anlass war eine Veranstaltung mit dem etwas billigem Titel „Eine neue Bühne: Virtual Reality meets Hochkultur“. Ich bin natürlich hingegangen, waren auch alles richtige Sachen die gesagt wurden, allerdings nichts wirklich Überraschendes, wie auch in nur einer halben Stunde. Die Diskussion habe ich, nach langem Kampf mit einem zerstörten Mitschnitt, für Kultur heute im Deutschlandfunk zusammengefasst.

Eine Anmerkung noch, die mir beim Probieren in den Kopf gekommen ist: Ein Theaterstück, in dem die Besucher via VR in wunderschöne Welten eintauchen, aber um sie herum sind Performer, die sich fühlbar um sie herum bewegen, sie massieren oder zwicken, als Gegenimpuls zum Gesehenen. Denn die Trennung von Körperlichen zum Visuellen ist mir beim Spiele selbst aufgefallen, wie das Kabel an meinem Arm rieb. Die Verbindung von Bild und Körper macht ja für mich das Theater aus, das könnte zwar auch etwas naheliegend und oberflächlich sein, aber bestimmt wäre das ein spannendes sinnliches Erlebnis.


Auch mal ausprobieren

Aber was macht man auf der Gamescom, wenn man sich nicht auch mal ewig anstellt und versucht das neueste vom Markt auszuprobieren. Also habe ich das auch gemacht (allerdings erst am Sonntag) und mich natürlich für das VR-Game „The Climb“ angestellt, denn bis ich mir das leisten kann, wird noch viel Zeit vergehen.

Die Zeit habe ich genutzt, um im schummrigen Halbdunkel noch ein paar Seiten zu lesen. Nach 2,5h durfte ich dann auch die Gipfeltour beginnen. Mit dem neuesten Gerät von Oculus Rift wird der Spieler in eine Berglandschaft in der Südsee versetzt und hangelt sich dann mit seinen Händen einen Berg hoch. Das erinnert ein wenig an Bouldern, denn das haben die Entwickler zur Einstimmung auf gemacht. Aber es ist etwas leichter ist es schon, wenn auch die Aktionen etwas gewagter sind. Für das Spiel spricht, dass ich beim Abstürzen schon ein Zittern in den Knien hatte.

Zum Schluss habe ich es sogar geschafft, den größten Hype der Messe zu probieren (und mich sogar um das lange Anstehen zu schummeln): Batman VR. Letzten Endes war es nicht mehr als ein Vorgeschmack auf das kommende Spiel und ich habe auch nur meinen Batsuit angelegt (habe ich „meinen“ gesagt?), die Waffen ausprobiert, die etwas unförmig an meinem (schon wieder) Gürtel und mich kurz im Spiegel als Batman gesehen. Also viel zu tun war noch nicht, aber es macht schon Lust, aber die 400 Euro ist es noch nicht ganz wert.


Die kleinen, schillernde Fische im großen Teich

In der Zwischenzeit waren wir noch zu zweit auf der Suche nach den nächsten Spiele-Highlights – also nicht den großen, sondern den Kleinen, den Coolen. Da wir genau wussten was wir wollten, sind wir gleich in die Indie Area gerannt. Dort haben wir uns erstmal etwas über Typoman unterhalten, ein Spiel über Buchstaben und die Literatur selbst, wir freuen uns schon wenn es für die Konsole auf den Markt kommt. Dann sind wir bei Lost Ember hängen geblieben. Ein sehr meditatives Spiel, in dem man verschiedene Tiere bewohnt und durch eine naturreiche, postapokalyptische Welt wandelt und den Geschichten einer verbliebenen Seele lauscht. Mehr als hübsch lässt sich dazu nicht sagen, denn das Spiel befindet sich noch in Finanzierung und Entwicklung, aber wir werden das weiter verfolgen.

Dann war da noch ein etwas billig anmutendes Spiel, dass sich selbst Interactive Period Drama nannte, sowieso eine ganze Menge spiele, die klassische Prinzipien in anderes Design bringen. Der nächste Blick ging dann auf ein Next-Gen-Text-Adventure. Eigentlich war es nur eine Spielerei, aber weil die Leute voll begeistert waren, gibt es immer mehr Episoden, ich werde mir das demnächst mal ansehen. Dann haben wir noch schnell bei mixtvision vorbei geschaut, die ich sonst eher von der Buchmesse kenne, die sich aber von Beginn an multimedial aufstellen wollten, leider gab es keine Gelegenheit das Spiel FAR anzutesten. Da sind wir dann gleich weiter zu KLANG. Hier versucht der Spieler mit Stimmgabeln bewaffnet durch eine Welt voller Lautsprecher zu kommen. Zu meinem Leidwesen rythmusbasiert und unglaublich schnell, hatte aber Drive.

Auf der Endrunde noch an mehreren Spielen vorbei geschlichen. Da war Mekazoo, ein Jump’n’Run-Spiel, das etwas an Sonic erinnerte, den Spieler aber verschiedene Avatare mit verschiedenen Fähigkeiten gibt.

Auch in den großen Hallen sind wir fündig geworden: Bei Bandai-Namco gibt es ein Horror-anmutendes Spiel, dass den Spieler mit Kindheitsalbträumen konfrontieren will – beinahe zu hübsch für Bandai. Und dann war da noch HOB, ein Spiel bei dem die Geschichte erst in der Interaktion mit der Umgebung entsteht.

Damit habe ich erstmal alles verarbeitet und bin schon auf längere Teststrecken gespannt.

Thilo

Thilo

Hat sich von einer anfänglichen Faszination für Bücher, über erste Leseerfolge zum Bibliomanen entwickelt. Eigentlich hat der Kulturjournalist nur aus Langeweile gelesen, hier mal ein Buch im Zug, mal eines im Urlaub, mal ein bisschen vorm Einschlafen. Nach unausgegorenen Berufswünschen wie Koch, Hornist oder Schauspieler, verschlägt es ihn zum Studium der Theaterwissenschaft nach Leipzig und in die Redaktionsräume des Ausbildungsradios mephisto 97.6. Ganz beiläufig lässt er hier fallen, dass er eigentlich ganz gerne mal ein Buch lese. Schon einen Monat später leitet er – hopplahopp – die Literaturredaktion und Lesen wird zum Exzess (in den Tagen vor Buchmessen liest er gerne Nächte und Tage durch). Inzwischen spricht er hin und wieder bei MDR Kultur und dem Deutschlandfunk über Literatur, Theater, Musik, neue Medien und alles was die Leute (oder: ihn) interessiert. Sein Ziel: Der nächste Marcel Reich-Ranicki (und ein bisschen Gerhard Stadelmaier) werden – nur besser aussehend … und vielleicht etwas umgänglicher. So lange vergnügt er sich weiter auf schraeglesen.de

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