15 Dinge, die ich von den Game Awards 2015 gelernt habe

Die Filmindustrie hat ihren Oscar, der Broadway den Tony-Award und der Buchmarkt ist geradezu übersäht mit Auszeichnungen. Auf dem Videospielmarkt sieht es eher mager aus mit ernstzunehmenden Preisverleihungen. Das zeigten letzten Donnerstag auch The Game Awards 2015. Peinliche Versprecher, langeweilige (und gelegentlich auch schiefe) Musik-Acts, Werbung, Trailer und noch mehr Werbung – ich habe mir die Awards gestern noch mal genauer angesehen und mich hier und da ein bisschen fremdschämen müssen. Das habe ich aus dem Abend mitnehmen können… 

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Foto: BagoGames (Quelle: flickr)

1. Vorabprogramm zu Preisverleihungen ist überflüssig

30 Minunten sinnloses Gequassel über die Nominierungen, die natürlich in jedem Jahr so hochkarätig sind wie noch nie zuvor  – das braucht doch keiner. Schon gar nicht, wenn das Gequassel von irgendwelchen hippen und pseudo-hippen Gamern, Videospiel-“Journalisten” und Let’s Playern kommt, die sich für ganz besonders lustig halten. Sollten die 30 internationalen Medienvertreter – aus denen sich die Jury des Game Awards übrigens zusammensetzt – Leute wie diese sein, sagt das schon so einiges über die Qualität (?) des Preises aus.

2. The Game Awards liegen Indie-Games ganz besonders am Herzen

… deswegen haben die unabhängigen Entwickler sogar einen eigenen Award, die dem Moderator und Organisator Geoff Keighley – wie er ganz am Rande bemerkt – besonders am Herzen liegen. Im Vorprogramm füllt die Debatte über die Nominierten übrigens bereits die knappe Hälfte der Zeit, wobei die Hipster-Gamer entweder witzeln, dass sie ihre Zeit lieber mit anderen Spielen verbringen oder schwärmen, wie sehr sie von jedem einzelnen der nominierten Indie-Games inspiriert wurden. Bei Indie-Games gibt es offensichtlich nur das eine oder das andere Extrem: Entweder du hasst sie oder du liebst sie. Oh, eine Videokampagne gibt es im Laufe des Abends übrigens auch noch, bei der in Kurzfilmen drei Entwickler-Studios vorgestellt werden. Die Filme sind natürlich extrem verkitscht, die darin gezeigten Projekte und Studios sprechen jedoch für sich:

3. Man muss nicht gut moderieren können, wenn man die Show selbst initiiert und organisiert

Moderieren kann Geoff Keighley wirklich nicht. Nervös schaute er in der Gegend rum, ratterte seine Sätze runter und schiebt dazwischen immer wieder ein motiviertes “allright” ein. Muss er aber auch nicht können, er hat die Game Awards schließlich vollkommen im Alleingang initiiert und produziert, um den Vorgänger und seinen früheren Arbeitgeber Spike Video Game Awards weiterzuführen. Praktisch, wenn man sein eigener Chef ist.

4. Live-Publikum ist out

Ok, wir leben im digitalen Zeitalter und Videospiele sind sowieso digital. Also ist es nur konsequent, dass The Game Awards vor allem für ein Online-Publikum produziert werden. Aber hätte man nicht wenigstens ansatzweise den Versuch unternehmen können, die Stimmung auch vor Ort zum Toben zu bringen? Die peinlich leere Halle lässt sich am Abend nicht mehr ändern, aber ein wenig Interaktion mit dem Publikum hätte nicht geschadet und sicherlich auch ein besseres Licht auf die gesamte Veranstaltung geworfen.

5. Openworld Games kommen immer gut an

Ist einfach so. Fallout 4. The Witcher 3. Hauptsache der Spieler kann Bockmist bauen wie er Lust und Laune hat.

6. Telltale Games wagt sich an den Dunklen Ritter

Das Entwicklerstudio Telltale Games hat mittlerweile überall seine Finger im Spiel, besonders bei Dingen die Geld bringen: Egal ob “Fables”, “Walking Dead”, “Game of Thrones”, “Zurück in die Zukunft”, “Jurassic Park” und sogar “Minecraft” – sie alle wurden bereits zu einem der bekannten Telltale-Episodenspiele verarbeitet. Jetzt muss auch noch Batman dran glauben, wie ein erster Trailer bei den Game Awards zeigte:

7. Mit Trailern kann man auch den Abend füllen

Ich wusste ja, dass Preisverleihungen ihr Publikum gern mit irrelevanten Show-Acts zumüllen. Aber was bei den Game Awards an “Rahmenprogramm” geboten wurde, war wirklich am Rande der Lieblosigkeit: Ein Trailer reiht sich an den nächsten und jeder wird als großartige “World Premiere” angepriesen. Vielleicht hätte man einen Trailer weniger zeigen können, um der Preisverleihung etwas mehr Zeit einzuräumen, aber mäh…. Wer bin ich um das zu beurteilen. Nur eine Frage: Ist ein exklusiver Einblick wirklich exklusiv, wenn die ganze Welt dieses Einblick erhält?

8. The Game Awards 2015 waren eine (nichtmal sonderlich gut getarnte) Werbeveranstaltung

Jaja, auch das weiß ich. Preisverleihungen sind immer eine Form von Werbung. The Game Awards waren jedoch nicht nur eine Form von Werbung, sondern die Werbplattform. Los ging’s mit regulären Werbespots, ging über zahlreiche Rabattaktionen der nominierten Spiele, auf die alle Nase lang hingewiesen wurden. In einer Liveschaltung in den sogenannten Green Room befragte eine leicht bekleidete Frau zudem verschiedene Gäste über “Star Wars Battlefront” aus, das parallel in besagten Raum angespielt wurde. Verwunderlich, dass der Moderator kein T-Shirt mit dem blinkenden Logo des Hauptsponsor go90 trug.

9. “Psychonauts” soll noch eine Chance bekommen

Und damit hätte wirklich keiner gerechnet. “Psychonauts” ist ein etwas abgedrehter Jump ‘n’ Run- und Action-Adventure-Titel, der sich vor allem durch seinen schrägen Humor auszeichnet. Bei den Kritikern für seine Kreativität hochgelobt, sprachen die Verkaufszahlen nach dem Release im Jahr 2005 eher andere Töne. Für die treue Fangemeinde will es Entwickler Tim Schafer jetzt aber doch nochmal versuchen, wie er bei den Game Awards offenbarte. Das Projekt soll bis zum 12.01. 2016 über die Videogame-Crowdfunding Plattform “fig” finanziert werden: https://www.fig.co/campaigns/psychonauts-2

10. Das “Game of Impact” ist nicht einflussreich genug, um auf der Bühne verliehen zu werden

Der “Game of Impact” Award – der eigentlich das innovativste Videospiel kürt und damit das Spiel, das die Videospielindustrie am meisten beeinflusst und verändert haben soll (meiner Meinung nach also ein ziemlich wichtiger Spiel) – wurde mal soeben hinter der Bühne an “Life is strange” vergeben. So wichtig scheint das Spiel dann also doch wieder nicht gewesen zu sein. Naja, und die “Beste Fean Creation” interessiert ja nicht wirklich jemanden, also kann das auch gleich rangeschoben und an “Portal Stories: MEL” vergeben werden, nicht wahr?

Das beste “Family Game” (“Super Mario Maker”) und das beste “Fighting Game” (“Mortal Kombat X”) sind dagegen nicht einmal wichtig genug, um sie überhaupt während der Show zu verleihen. Die Preise werden einfach kurz in den letzten drei Minuten des Vorabprogramms vergeben.

11. Party-Musik passt nicht wirklich vor Trauerreden

Elektro-Party-Musik gehört zu Videogame wie… ich weiß auch nicht. Sie muss einfach vor, zwischen, währenddessen und einfach immer dudeln. Das tat sie bei den Game Awards übrigens auch in eher unpassenden Momenten – wie etwa vor der Rede von Reggie Fils-Aimé für den im Sommer verstorbenen Nintendo-Chef Satoru Iwata. Etwas geschmacklos.

12. Ein Let’s Player ist wichtiger als ein Art Director

Ja, das ist mir auch neu. Aber an der Redezeit bei den Game Awards gemessen, ist das tatsächlich so. So darf der Let’s Player Greg Miller bei seiner Preisverleihung geschlagene zwei Minuten leeres Gerede von sich geben (Er erhielt den – meiner Meinung nach – etwas fragwürdigen Award “Trending Gamer”). Das Entwickler-Team von “Ori and the blind Forest” wurde hingegen nach einer halben Minute mitten in der Rede das Wort abgeschnitten. Das Spiel wurde in zahlreichen Kategorien nominiert und erhielt einen Preis für “Best Art Direction”… Greg Miller hat dagegen nochmal genau was geleistet?

13. Kiefer Sutherland kommt nicht über “24” hinweg

… selbst nicht, als er stellvertretend für Hideo Kojima den “Best Action/Adventure”-Award für “Metal Gear Solid V: The Phantom Pain” akzeptierte. Letzterer durfte aufgrund eines Rechtsstreits mit Publisher Konami nämlich selbst nicht anwesend sein. Kiefer Sutherland nutzte die Gelegenheit gleich für eine Dankeshymne an seine “24”-, Film- und Spielfans – für alle die es nicht wissen: Kiefer Sutherland lieh dem “MGS V”-Protagonisten Snake seine Stimme. Er hat sich also zumindest nicht vollkommen unbegründet auf die Bühne gedrängt.

14. Alle lieben “Her Story”

Das dachten sich übrigens auch die 30 Medienvetreter und nominierten “Her Story” gleich in vier Kategorien. In den Kategorien “Best Narrative” und “Best Performance” konnte das Indie-Game den Preis auch mit nach Hause tragen. “Her Story” ist eine Art Detektiv-Spiel, in dem der Spieler die Datenbank eines alten Polizeicomputers durchsucht und mithilfe von Befragungsvideos einer britischen Frau den Mord ihres Mannes aufzuklären. Seit dem Release in diesem Juni wird das Spiel überall besprochen und gelobt – ob das wirklich gerechtfertigt ist, muss ich erst selbst rausfinden.

15. Ich hätte doch lieber “Axiom Verge” spielen sollen

“Wenn ihr ‘Axiom Verge’ noch nicht gespielt habt, solltet ihr aufhören, diese Show zu schauen und lieber ‘Axiom Verge’ spielen” – Das wars es zumindest was Youtuber Nick Scarpino in der Vorabschau empfohlen hat. Ich hätte genau das machen sollen. Nicht weil mich “Axiom Verge” so sehr interessiert, denn das tut es nicht die Bohne. Einfach nur, weil alles spannender gewesen wäre… Was für ein verschwendeter Abend. Aber ich will mich ja nicht beklagen. Ein paar Neuigkeiten hab ich dann doch mitnehmen können. Das ein oder andere Spiel wird dann sicherlich in der nächsten Zeit auch bei schraeglesen wiederzufinden sein.

Caecilia
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Caecilia

Ehemaliger(?) "Final Fantasy"-Freak. Hat durch die Liebe für das Japanische Rollenspiel zum Videospiel gefunden. Nachdem der Traum vom Leben im Land der aufgehenden Sonne schon am Sushi-Hass zerplatzte, fand die Musik- und Theaterwissenschaftlerin mit den Game Studies einen passenden Ersatz; ging ihren Dozenten deswegen permanent mit Hausarbeiten zu Videospielmusik, Avatartheorien oder Bewegungssteuerungskonzepten auf den Leim; versuchte sich nebenher als Redakteurin beim RETRO-Magazin oder stockte ihre Spielesammlung mit Aushilfsjobs bei GameStop auf. Ihr großer Traum: Mit einer Professur das eigene Hobby durch die Uni finanzieren zu lassen. Bis dahin tobt sich eben auf schraeglesen aus und bezahlt die Spiele vorerst aus eigener Tasche. Wegen ihrer Vorliebe für Indie Games hält sich der finanzielle Aufwand dabei zum Glück in Grenzen.

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