Von Staub, Drogen und anderen Komplikationen

Langsam staubt die Kinect meiner Xbox One ein. Seit zwei Jahren steht Microsofts Bewegungssensor nun in meinem Wohnzimmer und ich finde einfach keine passenden Spiele. Die vereinzelten Titel kann ich beinahe an einer Hand abzählen –  und sie interessieren mich einfach nicht. Sportspiele? Keine Lust. Tanzspiele? Kenne ich schon. Gibt es denn keine guten Geschichtenerzähler, die einfach mal ein wenig mit der Steuerung experimentieren wollen? Access Games hat es mit “Dark Dreams Don’t Die” zumindest einmal versucht. Aber ob der Krimi-Thriller auch zu einem Kinect-Klassiker taugt? Seltsam genug ist das Spiel ja…

Rote Drogen und ein Kinect-Senor: “D4” zusammengefasst. (Foto: Cäcilia Sauer

Der Privatdetektiv David Young hat es nicht leicht. Seine Frau “Little Peggy” ist tot. Vollkommen blutleer stirbt sie in seinen Armen. Zu allem Übel fehlen David auch noch sämtliche Erinnerungen an diese Nacht – und er landet sofort auf der Verdächtigenliste. Seine einzige Spur bleibt die letzten Worte seiner Frau: “Finde D!” Aber wer oder was ist dieser ominöse “D” überhaupt? Und was haben eine blutrote Droge und eine Reihe von mysteriösen Todesfällen mit dem Mord zu tun?


Ein Ticket in die Vergangenheit.

Dark Dreams Don’t Die” (kurz: “D4″) ist ein episodischer Videospielkrimi. Im Zentrum des Geschehens steht der Ex-Cop David Young, der sich die Suche nach dem Mörder seiner Frau, einem vermeintlichen “D“, zur Lebensaufgabe gemacht hat (Na, huch? Trägt da nicht ein gewisser Protagonist bereits ein “D” in seinem Namen?). Seit dem traumatischen Ereignis hat David jedoch mit zahlreichen Erinnerungslücken zu kämpfen und kann sich jetzt nicht mal mehr an die Ergebnisse seiner eigenen Ermittlungen erinnern. Keine sonderlich gute Voraussetzung.

Zum Glück trumpft David dafür mit einer anderen Fähigkeit auf. Mithilfe von Beweisstücken (sogenannten “Mementi”) kann er in bestimmte Schlüsselmomente der Vergangenheit zu reisen, um vor dort aus den Mord seiner Frau zu untersuchen. Schnell steht fest: Little Peggys Tod war kein Einzelfall. Eine Reihe von mysteriösen Todesfällen stellt das Boston Police Departement (Noch ein “D“!) schon seit geraumer Zeit vor Rätsel. Körper, die zu Würfeln gepresst werden, spontane Selbstentzündungen… Die Liste der Toten wird immer skurriler. Die einzige Verbindung – ein rotes Pulver.


Drogentrip

Mithilfe seiner Fähigkeiten begibt sich David nun auf die Suche nach “D” und die Lösung des Rätsels um die seltsamen Droge “Real Blood”, die sich auf unerklärliche Weise immer wieder mit den Opfern in Verbindung bringen lässt. Äußerst hilfreich bei der Beweissuche ist auch eine weitere Gabe: Dank seiner übernatürlichen Fähigkeiten kann David nämlich nicht nur in die Vergangenheit reisen, sondern auch bereits aus der Ferne Beweise erspähen. Welche Ermittler wünscht nicht sich so eine Fähigkeit?

Während seiner Suche trifft David Young auf verschiedene Verdächtige und vermeintliche “Ds“: Eine paranoide Arzthelferin, die in jedem noch so harmlosen Geräusch einen Weltuntergang erkennen kann und daher sämtliche Umgebungdetails akribisch in einem Notizbuch festhält; ein schriller Modesigner mit Turmfrisur, der seine Muse – eine Modepuppe – immer im entsprechenden Partnerlook bei sich trägt; eine Frau, die sich selbst für eine Katze hält und ein mysteriöser Riese, der urplötzlich an den seltsamsten Orten auftaucht und Messer und Gabel wätzt (Gott, was habe ich diesen Typen geHASST!). “D4″ bot mir so einige Momente, in denen ich an dem gesunden Gemütszustand der Entwickler zweifeln musste.


Das übliche Rumgefuchtel

D4″ wurde vor allem für den Kinect-Sensor entwickelt. Das Spiel kann zwar auch über einen einfachen Xbox-Controller bedient werden (bei der PC-Fassung: Tastatur und Maus), die Steuerung via Kinect wird aber ausdrücklich empfohlen. In dem Fall kann wirklich ALLES allein über Gesten gesteuert werden. Das ist prinzipiell ganz schön gedacht, die Steuerung von “Dark Dreams Don’t Die” ist aber teilweise Kinect-untauglich. Wie viele andere Kriminalspiele setzt nämlich auch “D4″ auf das altbewährte Point-and-Click Prinzip. Das heißt: der Spieler fährt mittels Cursor über die Umgebung und clickt, sobald er etwas Spannendes entdeckt. Im Fall der Kinect sieht das eher so aus: Der Spieler rührt etwas in der Luft rum, ballt die Faust sobald er etwas Spannendes entdeckt und hofft, dass die Kinect das auch richtig erkennt und nicht mit einem Schubsen verwechselt, weil seine Hand leider etwas verrutscht ist. Das löst dann nämlich wieder eine ganz andere Aktion aus.

Tatsächlich ist die Steuerung der “Kinect 2.0″ um einiges präziser als die seines älterern Geschwisterkinds (einzelne Finger wären damals nicht erkannt worden und somit auch nicht das Ballen einer Faust), aber so richtig treffsicher ist der Sensor eben nicht. Immer wieder ist mir der Cursor weggerutscht und hat irgendwelche Gegenstände ange”clickt” – nur nicht die, die mich wirklich interessiert haben. An anderen Stellen konnte ich die Faust so oft ballen wie ich wollte, die entsprechende Reaktion ließ lange auf sich warten. Wie lächerlich das dann im realen Leben aussehen kann, zeigt eine Parodie des Youtube-Channels Mega64:

D4 recreates players’ movements and emotions on-screen, as if the players themselves are characters in the game. This reproduction of sensory experiences synchronizes the player with the main character, allowing for a higher level of immersion than ever before. It can be played by using Kinect gesture controls, or with a standard controller.

Wesentlich sinnvoller wurde die Bewegungssteuerung in den Action-Szenen eingesetzt. Hier sollte ich David Youngs Bewegungen folgen, fröhlich winken, in die Leere Schubse, Hiebe austeilen oder eben auch mal ganz laut schreien (Was müssen meine Nachbarn nur von mir gedacht haben?). Je zeitiger ich die Bewegungen dann übrigens ausgeführt habe desto besser: Der Spieler erhält nämlich Extrapunkte, je mehr er sich in die “Rolle” von David Young einfindet und Bewegungen wie Entscheidungen möglichst synchron erfolgen. Meist artete das bei mir jedoch eher in wildes Rumgefuchtle aus – wobei das wohl auch auf meine mangelnde Hand-Augen-Koordination zurückzuführen ist. In den Action-Sequenzen ist die Steuerung für einen Bewegungssensor nämlich erstaunlich präzise

Dark Dream’s Don’t Die”

Developer: Access Games
Publisher: Microsoft Studios
Genre: Adventure, Thriller
Plattformen: Xbox One, Microsoft Windows
Erscheinungsjahr: 2014 (Xbox One), 2015 (Windows)

Im Großen und Ganzen ist “Dark Dreams Don’t Die” ein netter Zeitvertreib, der sich allein schon in der Genrewahl von anderen Kinect-Spielen abheben kann und dabei vor allem durch seine verrückte Geschichte und die bizarren Charaktere besticht. Überraschen konnte mich auch immer wieder die Kinect-Steuerung, die gerade in den Action-Szenen mit so einigen kreativen Einfällen zu überzeugen wusste. In der Beweissuche zeigte sich der Bewegungssensor dann aber wieder von seiner berüchtigten nervigen Seite. Wer seine Kinect dennoch vor dem Einstauben retten möchte und auf skurrile Drogentrips steht, sollte zuvor gewarnt sein: Bisher ist nur die erste Season erschienen und noch keine Fortsetzung in Sicht. Vielleicht waren Handlung und Steuerung dann doch zu “speziell”?

Caecilia
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Caecilia

Ehemaliger(?) "Final Fantasy"-Freak. Hat durch die Liebe für das Japanische Rollenspiel zum Videospiel gefunden. Nachdem der Traum vom Leben im Land der aufgehenden Sonne schon am Sushi-Hass zerplatzte, fand die Musik- und Theaterwissenschaftlerin mit den Game Studies einen passenden Ersatz; ging ihren Dozenten deswegen permanent mit Hausarbeiten zu Videospielmusik, Avatartheorien oder Bewegungssteuerungskonzepten auf den Leim; versuchte sich nebenher als Redakteurin beim RETRO-Magazin oder stockte ihre Spielesammlung mit Aushilfsjobs bei GameStop auf. Ihr großer Traum: Mit einer Professur das eigene Hobby durch die Uni finanzieren zu lassen. Bis dahin tobt sich eben auf schraeglesen aus und bezahlt die Spiele vorerst aus eigener Tasche. Wegen ihrer Vorliebe für Indie Games hält sich der finanzielle Aufwand dabei zum Glück in Grenzen.

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