Anno Dada 2016

Jedes Jahr steckt voller Jubiläen, aber auf dieses habe ich mich besonders gefreut: 100 Jahre Dada. Denn ich fand Dada schon immer großartig – als ich das erste Mal in der Schule davon hörte, als ich im Studium einen Vortrag halten durfte (inklusive Gedichtvortrag). Deswegen habe ich diesen Schwerpunkt auf der Leipziger Buchmesse nicht verpasst, denn 2016 ist für mich das Jahr des Dada.


Vielleicht wurde es überschattet von den zahlreichen Verstorbenen, die jetzt in den Jahresrückblicken geehrt werden. Vermutlich waren die 400 Jahre Shakespeare auch nochmal von ganz eigener Bedeutung, aber der ist mir für diese Zeiten etwas zu komplex. Doch Dada trifft es: erfundene Meldungen, ein EU-Kommissar nennt Asiaten Schlitzaugen, ein Mann ohne politisches Profil wird zum amerikanischen Präsidenten gewählt, nachdem er hunderte Anhänger zu einem Quasi-Hitlergruß verführt hat. Überhaupt fühlt sich gerade alles an, wie vor dem 2. Weltkrieg. Die Politiker nutzen die gleichen Worte und da ist so eine komische Stimmung. Ich denke, es ist unendlich notwendig alles etwas weniger ernst zu nehmen. Denn welche Worte treffen es schon, liebe Sprachpolizisten, wenn nicht “Gadji beri bimba”!

Martin Mittelmeier: Dada – Eine Jahrhundertgeschichte, Siedler, 271 Seiten, 19,90€

Thilo

Thilo

Hat sich von einer anfänglichen Faszination für Bücher, über erste Leseerfolge zum Bibliomanen entwickelt. Eigentlich hat der Kulturjournalist nur aus Langeweile gelesen, hier mal ein Buch im Zug, mal eines im Urlaub, mal ein bisschen vorm Einschlafen. Nach unausgegorenen Berufswünschen wie Koch, Hornist oder Schauspieler, verschlägt es ihn zum Studium der Theaterwissenschaft nach Leipzig und in die Redaktionsräume des Ausbildungsradios mephisto 97.6. Ganz beiläufig lässt er hier fallen, dass er eigentlich ganz gerne mal ein Buch lese. Schon einen Monat später leitet er – hopplahopp – die Literaturredaktion und Lesen wird zum Exzess (in den Tagen vor Buchmessen liest er gerne Nächte und Tage durch). Inzwischen spricht er hin und wieder bei MDR Kultur und dem Deutschlandfunk über Literatur, Theater, Musik, neue Medien und alles was die Leute (oder: ihn) interessiert. Sein Ziel: Der nächste Marcel Reich-Ranicki (und ein bisschen Gerhard Stadelmaier) werden – nur besser aussehend … und vielleicht etwas umgänglicher. So lange vergnügt er sich weiter auf schraeglesen.de

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