Der Roman der Maschine

Der Roman “Dunkle Zahlen” wurde angeblich von einer Maschine geschrieben. Die hat sich dabei nicht an alle Konventionen gehalten und eigene Wege für die Erzählung gefunden. Der eigentlich Autor Matthias Senkel erzählt im Interview, wo die Grenzen der Literaturmaschine liegen.

Eine Frage hinterher

Nachdem alle Fragen schon gestellt und das Mikrofon bereits ausgestellt waren, kam mir eine Frage (wieder) in den Sinn: Hätte das Buch nicht auch eine andere Form haben können. Da der Roman und das Inhaltsverzeichnis nahelegen, dass man die Kapitel auch in anderer Reihenfolge lesen könnte, warum nicht gleich einzelne Heftchen ine einem Schuber. Als Beispiele dachte ich an Aka Morchiladzes “Santa Esperanza”, Matthias Senkel erwähnte auch gleich B.S. Johnsons “Die Unglücksraben”.

Tatsächlich gab es ganz am Anfang die Idee, das Buch auf diese Weise zu gestalten. Doch Senkel war schon bei der Arbeit von dieser Idee abgekommen. Er meint, er würde die Lesenden damit zu sehr verunsichern. Eine derart losgelöste Form wecke die Frage, ob man das Buch wirklich richtig liest. Außerdem erschwere es die Orientierung. Senkel habe das schon bei seinem Debüt gemerkt, dass die Lesenden mit den zwischengelagerten Lexikonartikeln und den Querverweisen zu kämpfen hatten. Deswegen gibt es eine Ausgabe, die sich leicht von Seite 1 zu Seite 488 lesen lässt.

Außerdem ist so eine Buchbox nicht gerade billig, was ebenfalls gegen die Idee sprach. Senkel meint, dass die Zeit, als Verlage viel Geld für eine experimentelle Idee ausgegeben hätten, vorbei sei. Der Schwund von Lesern lasse die Verlage sparen. Die Edition et.cetera, die Francis Neniks Zettelroman “XO” veröffentlichten, seien da eher die Ausnahme.

Eine redaktionelle Anmerkung

Normalerweise gebe ich mir sehr viel Mühe, das Audio noch einmal aufzubereiten. Ich schneide Haspler und Ääähms raus. Wahrscheinlich eine unnötige Arbeit, weil Radiosender das live auch nicht leisten können. Also habe ich das dieses Mal nur die Pausen zwischen uns geschnitten, weil ich das zeitnah veröffentlich wollte. Vielleicht gibt es später noch ‘geputzte’ Version.

Auch näher Worte zum Roman hebe ich mir für später auf, denn ich würde den gerne nochmal genauer in Buchform lesen. Solange könntet ihr euch andere Besprechungen durchlesen oder anhören. Von mir folgt später mehr.

Mathias Senkel: Dunkle Zahlen. Matthes und Seitz, 488 Seiten.

 

 

Thilo

Thilo

Freier Journalist und Blogger at schraeglesen
Hat sich von einer anfänglichen Faszination für Bücher, über erste Leseerfolge zum Bibliomanen entwickelt.

Eigentlich hat der Kulturjournalist nur aus Langeweile gelesen, hier mal ein Buch im Zug, mal eines im Urlaub, mal ein bisschen vorm Einschlafen. Nach unausgegorenen Berufswünschen wie Koch, Hornist oder Schauspieler, verschlägt es ihn zum Studium der Theaterwissenschaft nach Leipzig und in die Redaktionsräume des Ausbildungsradios mephisto 97.6. Ganz beiläufig lässt er hier fallen, dass er eigentlich ganz gerne mal ein Buch lese. Schon einen Monat später leitet er – hopplahopp – die Literaturredaktion und Lesen wird zum Exzess (in den Tagen vor Buchmessen liest er gerne Nächte und Tage durch).

Inzwischen spricht er hin und wieder bei MDR Kultur und dem Deutschlandfunk über Literatur,Theater, Musik, neue Medien und alles was die Leute (oder: ihn) interessiert. Sein Ziel: Der nächste Marcel Reich-Ranicki (und ein bisschen Gerhard Stadelmaier) werden – nur besser aussehend … und vielleicht etwas umgänglicher. So lange vergnügt er sich weiter auf schraeglesen.de
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    Hat sich von einer anfänglichen Faszination für Bücher, über erste Leseerfolge zum Bibliomanen entwickelt. Eigentlich hat der Kulturjournalist nur aus Langeweile gelesen, hier mal ein Buch im Zug, mal eines im Urlaub, mal ein bisschen vorm Einschlafen. Nach unausgegorenen Berufswünschen wie Koch, Hornist oder Schauspieler, verschlägt es ihn zum Studium der Theaterwissenschaft nach Leipzig und in die Redaktionsräume des Ausbildungsradios mephisto 97.6. Ganz beiläufig lässt er hier fallen, dass er eigentlich ganz gerne mal ein Buch lese. Schon einen Monat später leitet er – hopplahopp – die Literaturredaktion und Lesen wird zum Exzess (in den Tagen vor Buchmessen liest er gerne Nächte und Tage durch). Inzwischen spricht er hin und wieder bei MDR Kultur und dem Deutschlandfunk über Literatur, Theater, Musik, neue Medien und alles was die Leute (oder: ihn) interessiert. Sein Ziel: Der nächste Marcel Reich-Ranicki (und ein bisschen Gerhard Stadelmaier) werden – nur besser aussehend … und vielleicht etwas umgänglicher. So lange vergnügt er sich weiter auf schraeglesen.de

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