Früher war alles besser. Nein, anders.

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… vielleicht (wahrscheinlich sogar) war es das aber auch nicht. Vielleicht bin ich den letzten Jahren auch einfach nur pingelig geworden. Als Kind habe ich beim Spielen jede Minute genossen, einfach alles war perfekt. Musste es ja auch. Schließlich habe ich gefühlte Ewigkeiten auf ein Videospiel warten müssen, das ich oft erst lange nachdem es schon auf dem Markt erschienen war, kaufen konnte. Anders ließ es das Taschengeld nicht zu. Natürlich war ich dann glücklich, wenn ich das lang ersehnte Spiel endlich in den Händen halten konnte und der ein oder andere Makel erschien plötzlich gar nicht mehr so schlimm – der Vergleich fehlte ja auch.

Heute ist das anders. Mittlerweile bin ich durch Studium und Nebenjob ständig von Videospielen umgeben. Natürlich ist es schön, sein Hobby künftig zum Beruf machen zu können. Im Gegenzug fange ich aber auch an, die einst so makellosen Heiligtümer kritischer zu betrachten. Die Nostalgie schwächt ab und zurück bleibt die nüchterne Einsicht: Was wird nicht alles für Quatsch verkauft? Reihentitel reiht sich an Reihentitel, ein Abklatsch jagt den nächsten. “Assassin’s Creed”, “Call of Duty” & Co. bringen noch nicht genug Geld? Dann werfen wir doch einfach jedes Jahr eine neue Fortsetzung auf den Markt. Qualität und Innovation werden sowieso überschätzt. Masse statt Klasse.

Ich sag’s ja. Ich bin eine meckernde alte Dame geworden. Früher war alles besser. Früher gab es noch nicht so viel Mist. Vielleicht ist die Nostalgie also noch nicht der Klarheit gewichen? Dabei stimmt das alles sogar. Früher gab es tatsächlich nicht so viel Mist. Wie denn auch? Früher gab es auch nicht so viele Videospiele, und mit großer Auswahl, kommt immer auch viel hirnverbrannter Unsinn. Dann muss man ein wenig tiefer Graben, um die besonderen Schätze zu finden, die sich definitiv unter den ganzen Bergen von Videospielen verstecken: “Journey”, “Flower”, “Okami”, “ICO” – um nur ein paar der bekannteren Schätze zu nennen. Und selbst der ein oder andere “Blockbuster” hat noch so einiges zu bieten, wenn man nur gezielt danach sucht.

Bei den Massen kann man bei der Suche jedoch schnell mal den Überblick verlieren, wenn – wie so oft – die passende Diskussionsplattform fehlt. In Deutschland vergeuden viel zu viele Videospieljournalisten ihre Zeit mit den großen Massentiteln. Und während man im Feuilleton noch an der Oberfläche kratzt, muss der ein oder andere kleine Schatz schon in der Versenkung verschwinden. Wenn es also sonst keiner macht, müssen wir es eben tun …

Caecilia
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Caecilia

Ehemaliger(?) "Final Fantasy"-Freak. Hat durch die Liebe für das Japanische Rollenspiel zum Videospiel gefunden. Nachdem der Traum vom Leben im Land der aufgehenden Sonne schon am Sushi-Hass zerplatzte, fand die Musik- und Theaterwissenschaftlerin mit den Game Studies einen passenden Ersatz; ging ihren Dozenten deswegen permanent mit Hausarbeiten zu Videospielmusik, Avatartheorien oder Bewegungssteuerungskonzepten auf den Leim; versuchte sich nebenher als Redakteurin beim RETRO-Magazin oder stockte ihre Spielesammlung mit Aushilfsjobs bei GameStop auf. Ihr großer Traum: Mit einer Professur das eigene Hobby durch die Uni finanzieren zu lassen. Bis dahin tobt sich eben auf schraeglesen aus und bezahlt die Spiele vorerst aus eigener Tasche. Wegen ihrer Vorliebe für Indie Games hält sich der finanzielle Aufwand dabei zum Glück in Grenzen.

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