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	<description>Der etwas andere Literatur- und Videospielblog</description>
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	<title>schraeglesen</title>
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		<title>Mit Elefanten im All</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thilo]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Nov 2023 09:42:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchbesprechungen]]></category>
		<category><![CDATA[Drama]]></category>
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					<description><![CDATA[Kinder sind nicht einfach und schon gar nicht immer leicht zu verstehen. Sie haben komplexe Sorgen und Probleme. Davon erzählt Kristofer Blindheim Grønskag in seinem Stück "Satelliten am Nachthimmel". Auch als Buch lohnt sich der Theatertext.<p class="continue-reading-button"> <a class="continue-reading-link" href="https://schraeglesen.de/mit-elefanten-im-all">Weiterlesen...<i class="crycon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
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<p><strong>Kinder sind nicht einfach und schon gar nicht immer leicht zu verstehen. Sie haben komplexe Sorgen und Probleme. Davon erzählt Kristofer Blindheim Grønskag in seinem Stück &#8220;Satelliten am Nachthimmel&#8221;. Auch als Buch lohnt sich der Theatertext.</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1024" height="577" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2023/11/gronskag-1024x577.jpg" alt="Buchcover mit Text: Kristofer Grönskag: Satelliten am Nachthimmel/Runter auf Null" class="wp-image-3809" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2023/11/gronskag-1024x577.jpg 1024w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2023/11/gronskag-300x169.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2023/11/gronskag-768x433.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2023/11/gronskag-1536x865.jpg 1536w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2023/11/gronskag-250x141.jpg 250w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2023/11/gronskag-150x85.jpg 150w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2023/11/gronskag.jpg 1640w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><em>(Hinweis: Dieser Text wurde ursprünglich für die Medientipps auf die-deutsche-buehne.de geschrieben.)</em></p>



<p>Eines der größten Probleme von Kinderstücken ist ihre Authentizität. Und die Ursache dafür ist vielleicht eines der größten Probleme von Kindern. Denn wenn sie endlich so reden können, dass die Erwachsenen sie verstehen, wenn sie sogar schreiben können, dann fehlt ihnen die ungezwungene Art. Und so müssen sich Erwachsene in Kinder hineinversetzen und können sie dabei eigentlich nie wirklich treffen.</p>



<h4>Stück über Wut und Sprachlosigkeit</h4>



<p>Der norwegische Autor Kristofer Blindheim Grønskag hat dafür eine wunderbare Lösung gefunden: Ein seinem Stück „<a href="https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/den-weltraum-mir/">Satelliten am Nachthimmel</a>“ geht es um Joni, und Joni hat ein Schwarzes Loch (diese mysteriösen Objekte im Universum) im Bauch. Das ist natürlich eine Metapher, dass etwas in dem Kind gärt: die Wut von niemandem verstanden zu werden.</p>



<p>Grønskag aber nimmt seine eigene Metapher komplett ernst, denkt sie weiter und lässt seine Heldin sogar in den Weltraum fliegen, wo sie Elefanten trifft. Das vertieft zum einen die Metapher über ein Kind, dass daran scheitert, Kontakt zu den Erwachsenen herzustellen. Gleichzeitig macht es aber Spaß dieser Herde von Dickhäutern zu begegnen. Die Geschichte ist weit genug weg von der Realität, dass jeder etwas darin erkennen kann.</p>



<p>Die absurde Situation, in der Joni sich befindet, ermöglicht Grønskag eine knappe, auch poetische Sprache. Wir tauchen mit Joni in ihre Welt ein, die sich gerade dadurch auch beim Lesen sehr gut erschließt. Die Vorstellung, dass Joni ein Schwarzes Loch im Bauch trägt, ist übrigens nicht nur deswegen ein starkes Bild, weil es ein starkes körperliches Gefühl vermittelt, sondern auch weil diese Singularitäten immer noch als mysteriös und äußerst gefährlich gelten. So werden die Sorgen von Kindern ernstgenommen und auch das zeichnet ein gutes Kinderstück aus.</p>



<h4>Die verrückte Welt der Sozialen Medien</h4>



<p>Das zweite Stück des Bandes kommt da nicht ganz ran: Der Titel „Runter auf Null“ beschreibt das Gestaltungsprinzip des Textes, bei dem Szenen von Zehn auf Null runtergezählt werden. Die Geschichte(n) werden allerdings nicht in umgekehrter Reihenfolge erzählt, sondern noch etwas wilder erzählt.</p>



<p>Aber der Grundgedanke wird durch diverse Zeitsprünge doch deutlich: Am Anfang versucht eine Gruppe Jugendlicher sich ganz knapp nicht von einem Zug überfahren zu lassen. Nach und nach erfahren wir, was diesen Menschen vorher passiert ist. Da geht es um Mobbing, um verzweifelte Sinnsuche, Stalking im Zeitalter von Social Media und der Wunsch etwas zu bedeuten.</p>



<p>Zugegeben, das sind alles keine neuen Themen, keine innovativen Ansätze. Aber Grønskag überzeugt abermals mit seiner verdichteten Sprache und Dramaturgie. Der Autor erzählt keine stereotypen Stories mit vorhersehbar schlechtem oder gutem Ende. Er zeigt die Situationen, die den Stereotypen zu Grunde liegen. Das Bild, das beim Lesen entsteht, gerät dabei leider nicht so vieldeutig und spannend wie im ersten Stück. Ein Blick in beide Stücke lohnt sich allemal.</p>



<p><em>Kristofer Grønskag: Satelliten am Nachthimmel/Runter auf Null, Deutsch von Nelly Winterhalder, <a href="https://www.verlagderautoren.de/buch-verlag/buecher/detail.html?tx_rexquisit_bookshopdetail%5Baction%5D=show&amp;tx_rexquisit_bookshopdetail%5Bcontroller%5D=Bookshop&amp;tx_rexquisit_bookshopdetail%5Bwork%5D=10935&amp;cHash=8c1110eab897e46a03c63c8bad938f4d" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Verlag der Autoren</a>, 184 Seiten, 18 Euro, ISBN: 978-3-88661-403-5</em></p>
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		<title>Politik-Palaver und utopische Fußball-Liebe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thilo]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Nov 2023 09:30:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchbesprechungen]]></category>
		<category><![CDATA[Drama]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Theater lesen]]></category>
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					<description><![CDATA[Anthologien bergen immer das Risiko, dass nicht alle Beiträge auf der gleichen Höhe sind. Das zeigt sich auch an der vierten Ausgabe der Dramatischen Rundschau des Fischer-Verlages. Doch die guten Texte sind von so bemerkenswerter Qualität, dass sich eine Empfehlung dennoch lohnt. Arbeiten wir uns also langsam zum Highlight vor.<p class="continue-reading-button"> <a class="continue-reading-link" href="https://schraeglesen.de/politik-palaver-und-utopische-fussball-liebe">Weiterlesen...<i class="crycon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
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<p><strong>Anthologien bergen immer das Risiko, dass nicht alle Beiträge auf der gleichen Höhe sind. Das zeigt sich auch an der vierten Ausgabe der Dramatischen Rundschau des Fischer-Verlages. Doch die guten Texte sind von so bemerkenswerter Qualität, dass sich eine Empfehlung dennoch lohnt. Arbeiten wir uns also langsam zum Highlight vor.</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1024" height="577" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2023/11/dr04-1024x577.jpg" alt="Buchcover mit Schrift: 04 Dramatische Rundschau - Benbenek, Benrath, Lotz, Meier, Michalek, Schmalz" class="wp-image-3807" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2023/11/dr04-1024x577.jpg 1024w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2023/11/dr04-300x169.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2023/11/dr04-768x433.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2023/11/dr04-1536x865.jpg 1536w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2023/11/dr04-250x141.jpg 250w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2023/11/dr04-150x85.jpg 150w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2023/11/dr04.jpg 1640w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><em>(Hinweis: Dieser Text wurde ursprünglich für die Medientipps auf die-deutsche-buehne.de geschrieben.)</em></p>



<p>Ruth Johanna Benrath erzählt in „im wald (das sind)“ von einer jungen Familie, die ganz offensichtlich vor dem Lockdown in den Wald flieht. Dort treffen die (Stadt-)Menschen auf ein besonderes Misstrauen: Die Tiere des Waldes wollen sie verjagen, weil sie ganz offensichtlich nicht hierher passen, und auch die Menschen fühlen sich nicht wohl. Aus konzeptioneller Sicht ist es schön, dass es dieses Stück in die Anthologie geschafft hat: weil es zum einen ein Zeitzeugnis der Pandemie ist, die sie fast wie ein Sediment-Schicht in das Schreiben auf der Welt gelegt hat. Zum anderen ist dieses Stück ein Beispiel dafür, dass auch viel zeitgenössische Dramatik explizit für junges Publikum geschrieben wird. Leider erscheint das Stück im Detail bemüht humorvoll und fad.</p>



<p>Viele gute und spannende Ideen finden sich in Milena Michaleks Text „Das hier“, der im Rahmen der <a href="https://www.die-deutsche-buehne.de/aktuelles/ein-buch-zum-25-jubilaeum-der-autorinnentheatertage/">Autor:innentheatertage</a> am DT Berlin entstand. Mit diesem Stück wirbt sie mitten in der Corona-Krise 2021 für körperliche Ko-Präsenz – eine Forderung, das Theater als einen wichtigen Ort der Demokratie wahrzunehmen. In ihrem kurzen Stück telefoniert ein Mann mit einem Orakel und Rosa Luxemburg sinniert über die Gemeinschaft in einer Zelle. Dazwischen gibt es einen Disput von Geist und Körper, von Mittel- und Unterschicht (die nicht ganz so klar voneinander zu trennen sind) sowie ein Traktrat zum Theater selbst. Alles ganz witzig und dabei alles andere als dumm, aber leider etwas hölzern und blutleer. Hoffentlich nur ein Zwischenstand auf dem Weg zur Vollendung.</p>



<h4>Spiel mit alten Geschichten</h4>



<p>Es gehört zum Selbstverständnis der Nibelungenfestspiele in Worms, dass sie die Sage immer wieder neu entdecken und in einen aktuellen Kontext stellen wollen. 2022 übernahm das Überschreiben <a href="https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/es-schluerft-der-abend-in-den-tod/">Ferdinand Schmalz</a>. Zuvor wurde der österreichische Autor und Dramatiker unter anderem für seine Neufassung des „Jedermann“ für die Salzburger Festspiele gefeiert. Auf für seine „hildensaga“ findet er einen spannenden Ansatz, der seine Inspiration sicherlich auch aus Wagners „Ring des Nibelungen“ zieht: Auch in diesem „königinnendrama“, wie es im Untertitel heißt, spinnen die Nornen das Schicksal der Welt. In diesem Stück entscheiden sie sich jedoch, den Kreislauf des Schicksals zu unterbrechen. Sie wollen Brünnhilde die Chance geben, das Schicksalsgeflecht zu durchbrechen. Das zieht sich leider wie ein ganzes Wollknäuel: Zu ausführlich erzählt Schmalz die bekannte Handlung, wie Siegfried Gunther beim Wettkampf gegen Brünnhilde betrogen haben. Dabei fehlt dann auch der Wortwitz und vor allem der Sound, der die früheren Leibstücke des Österreichers auszeichnete. Schade!</p>



<p>Auch Ewe Benbenek bedient sich wohlbekannter Themen, aber vermengt sie auf ganz eigene Weise. Ihr Text heißt „Tragödienbastard“ und wirkt auf den ersten Blick viel zu statisch für einen Theatertext: Drei Alter Egos stehen da in einem Raum und reden davon, dass sie endlich anfangen wollen. Unterstützt werden sie dabei später von einem Chor. So spielt Benbenek zum einem mit der klassischen griechischen Tragödie, gleichzeitig verweist sie auf das sogenannte In-yer-face-Theater einer Sarah Kane. Bei Benbenek geht es allerdings nicht ganz so düster zu, obwohl ihre Geschichte alles andere als leicht ist: Es geht um Migration, die Schwierigkeiten der Sprache, den Generationenkonflikt, der Druck, in der Schule als Arbeiter- und Migrantenkind immer überperformen zu müssen, weil niemand etwas erwartet. Zum Schluss kommt noch ein Schuss Sexismus in das Gemisch. Das Stück braucht zwar etwas, doch letztlich wirkt es nicht aufgesetzt, sondern rund. Vor allem weil die Protagonistinnen der Geschichte mit erhobenen Haupt von der Bühne gehen – sie waren stärker als die Tragödien.</p>



<h4>Theatertexte voller Überraschungen</h4>



<p>Es ist ein Allzweckwaffe geworden: „Die Politiker“ von Wolfram Lotz. Uraufgeführt wurde der sogenannte Sprechtext im Rahmen der Sebastian Hartmanns Inszenierung des „<a href="https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/das-grandiose-theater-hospital/">König Lear</a>“ am Deutschen Theater Berlin. Seitdem wurde es immer wieder mit ähnlichen Inszenierungen kombiniert, denn es fügt sich einfach in jede Geschichte über Macht. Das liegt vor allem daran, dass der Text keine Handlung hat, oft sogar Unsinn ist, ohne dabei sinnlos zu sein. Lotz greift das Idiom des Volksmundes auf, der immer von „den“ Politikern spricht und macht sie in seinem Text zu einer grauen Masse. Diese Gruppe macht Normale-Leute-Alltag-Sachen (es sind immer noch Menschen), aber auch Politiker-Sachen, die auch schnell verwerflich scheinen. Manchmal reiht der Autor aber auch einfach Nonsens aneinander, reimt wild – ein assoziatives Schreiben. Im Untertitel nennt der Dramatiker sein Stück einen „Sprechtext“. Darin liegt seine Stärke: Man will aufspringen und diesen Text laut lesen, herumwandern und die Worte im Mund formen. Dabei entstehen Echos, die zu neuen Assoziationen und zu einen Nachdenken über die Politik führen.</p>



<p>Das absolute Highlight des Bandes ist das der Erstling von Leo Meier: „<a href="https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/hoefliche-herren/">zwei herren aus real madrid</a>“. Schon der Titel lockt neues Publikum in den Saal. Und auch wenn (oder gerade weil) es nur am Rande um die Champions League geht, wird sich jeder amüsieren. Leo Meier lässt zwei Männer treffen, die überrascht feststellen, dass sie beim Erfolgsclub Real Madrid spielen. Schon diese Absurdität sorgt für ein Schmunzeln. Während dann Drachen als Reittiere überraschen, scheint die Einfältigkeit des einen Herren wie ein Klischee. Doch es wird nicht als Klischee ausgestellt. Was diese Stück so wunderbar macht, ist eine eigenwillige Abwesenheit von Drama: Da lieben sich zwei Männer ohne große Hürden. Da gibt es ein Weihnachtsessen mit der Familie ohne Konflikte – alle sind immer so nett. Und dass Sergio Ramos gegen Ende eine brennende Rede hält für mehr Offenheit und der Erkenntnis, dass selbst ein Fußballstar sterben könnte, rundet das ab. Dieses Stück zeigt eine Utopie der Freundlichkeit, ohne dabei langweilig zu sein. Das macht schon im Theater Spaß. Gelesen kommt noch hinzu, dass der junge Autor Anmerkungen in seinen Text schreibt, dass sich auch nicht ganz sicher ist und das Team gerne nochmal abstimmen soll. Allein für diesen Text lohnt sich das ganze Buch!</p>



<p><em>Dramatische Rundschau 04, Verlag <a href="https://www.fischerverlage.de/buch/ewe-benbenek-ruth-johanna-benrath-dramatische-rundschau-04-9783596707980">Fischer</a> Taschenbuch, 26. Oktober 2022, 384 Seiten, Buch: 22 Euro/e-Book: 18,99, ISBN: 978-3-596-70798-0</em></p>
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		<title>Das Ich-Quartett und die Mythen-Überschreibung</title>
		<link>https://schraeglesen.de/preis-leipziger-buchmesse-2021</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Thilo]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 May 2021 12:20:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchbesprechungen]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturpreis]]></category>
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		<category><![CDATA[Preisverleihung]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit Verspätung, aber niemals zu spät wird auch in diesem Jahr der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Für uns ist das wieder die Gelegenheit, Bücher in Spielkarten zu verwandeln und miteinander zu vergleichen.<p class="continue-reading-button"> <a class="continue-reading-link" href="https://schraeglesen.de/preis-leipziger-buchmesse-2021">Weiterlesen...<i class="crycon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
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<p>Mit Verspätung, aber niemals zu spät wird auch in diesem Jahr der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Für uns ist das wieder die Gelegenheit, Bücher in Spielkarten zu verwandeln und miteinander zu vergleichen.</p>



<span id="more-3802"></span>



<p>So eine Shortlist sorgt immer, wirklich immer für Beschwerden. Denn aus den hunderten Titeln die fünf perfekten Bücher rauszusuchen, auf die sich die ganze deutschsprachig lesende Welt einigen kann, ist einfach unmöglich. Doch in diesem Jahr war die Kritik mal wieder massiv: Die Liste sei unausgewogen und langweilig! Leider nicht ganz von der Hand zu weisen, aber darauf schauen wir später. Legen wir die Karten doch erstmal auf den Tisch.</p>



<h2>Die mythologische Ausnahme: „Echos Kammern“ von Iris Hanika</h2>



<p>Die Ausreißerin in dieser Liste ist mal nicht der lyrische Band, denn gleich zwei der nominierten Bücher keine Romane sind. Stattdessen fällt das neue Buch von Iris Hanika dadurch heraus, weil hier mit dem erzählenden Ich vergleichsweise sparsam umgegangen wird.</p>



<p><em>Thema: </em>Eine deutsche Dichterin namens Sophonisbe erlebt zwischen New York und Berlin eine Wiederbelebung des Mythos‘ von Echo und Narcissus.</p>



<p><em>Buchanfang: ***</em></p>



<p>Der Anfang wirkt bemüht und langweilig. Wenn mir die Erzählerstimme beiläufig erklärt, warum die Geschichte chronologisch erzählt wird, frage ich mich, warum das nötig ist. Insgesamt bekomme ich am Beginn das Gefühl, dass sich das Buch selbst nicht ernst genug nimmt, aber auch nicht so leichtfüßig ist, dass ich durch die ersten Seiten lesend tänzeln könnte.</p>



<p><em>Sprachliche Rafinesse: ****</em></p>



<p>Mehr als alle anderen Bücher auf diese Liste spielt dieser Titel mit Sprache und Formen. Das liebe ich. Aber eine Höchstpunktzahl kann ich dafür dennoch nicht vergeben. Denn Sophonisbes Lengevitch, in diesem Fall eine Art Denglisch, deutsche Sprache mit amerikanischer Grammatik, wirkt unausgereift und mühsam. Darüber hinaus beschränkt sich der Text meistens auf saubere, auch clevere Beschreibungen, die aber nicht unbedingt poetische Meisterleistungen sind.</p>



<p><em>Lesefluss: ***</em></p>



<p>Gerade die Abschnitte aus Sophonisbes Skript lesen sich eben nicht flüssig weg und auch liest sich der Roman streckenweise sehr mühsam. Ich musste mich manchmal schon etwas durchkämpfen und wollte das Buch einfach zur Seite legen.</p>



<p><em>Spannung/Story/Komposition: *****</em></p>



<p>Auf den ersten Blick wirkt alles etwas einfallslos: Eine Neuerzählung eines Mythos‘, ein New York-Roman, ein Berlin-Roman, ein Künstlerroman, intertextuelle Bezüge. Aber eben genau diese Ebenen sind meisterhaft verknüpft: Es geht um Spiegelungen und Wiederholungen, deswegen spiegeln sich Motive und Momente auch im Text, deswegen werden Wiederholungen ganz leicht unterstrichen. Geschickt spielt Iris Hanika auch mit dem Wiedererkennen, nimmt den Leser:innen jede intellektuelle Freude Bezüge zu erspüren, indem sie sie immer wieder vorkaut und damit als Mittel entlarvt. Hinzu kommen auch zahlreiche wunderbare Einfälle, wie die Begegnung mit dem persönlichen Engel oder einer Mieterbewegung in Berlin.</p>



<p><em>Relevanz: *****</em></p>



<p>Ohne aufdringlich politisch zu werden spricht Hanika zahlreiche wichtige Themen an, wie die Gentrifizierung oder wie die Gräuel des Dritten Reichs in die Gegenwart widerhallen.</p>



<p><em>Buchende: ****</em></p>



<p>„In Manhattan haben wir angefangen, in Manhattan hören wir wieder auf.“ Die Reisen gehen weiter, der Roman der Hauptfigur bleibt unbeendet und die Geschichte spiegelt den Roman, den ich gerade gelesen habe. Das Ende wirkt stimmig, passend, aber vielleicht auch etwas zu sehr nach Ende.</p>



<p><em>Iris Hanika: </em>Echos Kammern<em>, Droschl, 236 Seiten</em></p>



<h2>Geschichten leben: „Vom Aufstehen“ von Helga Schubert</h2>



<p>Es sei das Comeback des Jahres. Das sagt Dennis Scheck. Helga Schubert wurde während des Zweiten Weltkriegs geboren und lebte später in der DDR. Sie schrieb einige Texte, doch fühlte sich nicht wirklich frei. Als sie 1981 zu den Tagen der deutschsprachigen Literatur eingeladen, durfte sie nicht hinfahren. Als sie dann 2020 erneut eingeladen wurde, räumte sie unter viel Beifall den Bachmannpreis ab – als älteste Preisträgerin jemals. Die Verlage fragten nach neuem Futter und nun sind die gesammelten Erzählungen erschienen.</p>



<p><em>Thema: </em>In meist kurzen Texten erinnert sich Helga Schubert an ihr leben und ihre Entbehrungen. Sie schreibt über die schwierige Beziehung zu ihrer Mutter, wie wohl sie sich bei den Großeltern fühlte, die Unfreiheit in der DDR und die Wende.</p>



<p><em>Buchanfang: *****</em></p>



<p>Das ist bei einem Erzählungsband, zumal mit so kurzer Prosa, eigentlich kaum zu beurteilen. Aber: die erste Erzählung holt mich sofort in den Band rein und vermittelt so stark Stimmung. Und das gelingt der Autorin bei den meisten Texten: sofort die Situation zu vermitteln.</p>



<p><em>Sprachliche Rafinesse: ****</em></p>



<p>Diese mittelmäßige Bewertung ist subjektiv zu verstehen. Helga Schubert kann wirklich sehr gut beschreiben, Moment punktgenau einfangen. Aber es ist doch zu sehr geübtes Handwerk und kaum neuartig oder besonders raffiniert.</p>



<p><em>Lesefluss: *****</em></p>



<p>Eben genau diese Kunst, Momente auf wenigen Seiten oder sogar Zeilen einzufangen, macht es so angenehme diese Texte zu lesen, weil sie mich fast immer sofort abgeholt haben und wie aus einem Guss wirken. Dass sich kürzere und längere Texte mischen macht es für einen stressigeren Alltag auch ganz angenehm.</p>



<p><em>Spannung/Story/Komposition: ****</em></p>



<p>Über das eigene Leben und die eigenen Eindrücke zu schreiben, ist erstmal ziemlich leicht. Aber Schubert schafft, das so kunstvoll zu erzählen, dass sie mit ihren Texten immer über sich hinausweist. Besonders großartig ist der Siegertext des Bachmannpreises, der wunderbar mehrere Ebenen miteinander verknüpft.</p>



<p><em>Relevanz: ***</em></p>



<p>Erinnerungen an die Geschichte ist immer wichtig und ich habe auch einiges Neues gelernt, aber die Buch hat keine Debatte bereichert.</p>



<p><em>Buchende: ***</em></p>



<p>Am Ende des Bandes steht der bereits mehrfach gelobte Text „Vom Aufstehen“, der nicht umsonst auch auf dem Titel prangt. Aber die meisten Texte in dem Band haben kein bemerkenswertes Ende.</p>



<p><em>Helga Schubert: </em>Vom Aufstehen<em>, dtv, 222 Seiten</em></p>



<h2>Zusammengeschnitten: „da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete“ von Friederike Mayröcker</h2>



<p>Die Dichterin Friederike Mayröcker kann als Urgestein der modernen deutschsprachigen Lyrik bezeichnet werden. 93 Jahren ist sie auch mit etwas Abstand die älteste Nominierte. Doch da Leben für sie schreiben bedeutet, dürfte das auch nicht der letzte Band sein.</p>



<p><em>Thema: </em>Die Autorin verwandelt das Leben in Texten. In ihren Proemen schneidet sie ziemlich hart Bildbeschreibungen, Natur- und Alltagsbeobachtungen mit Erinnerungen und allgemeinen Ideen zusammen. Auf den ersten Blick lässt sich der Band als eine Art Gedankentagebuch lesen.</p>



<p><em>Buchanfang: ***</em></p>



<p>Gedichtbände haben eigentlich keinen Anfang. Aber da dieser Abend eben wie ein Tagebuch funktioniert, gibt es doch so etwas wie eine Chronologie. Doch der Anfang ist eben etwas schwierig: Entweder man kennt und liebt das Werk von Mayröcker, dann schließt der Band beinahe nahtlos an den Vorgänger an. Wer aber ein Neuling (so wie ich) ist, braucht erstmal einen Moment, um sich an diesen Zugang zur Sprache zur gewöhnen.</p>



<p><em>Sprachliche Rafinesse: *****</em></p>



<p>So komplex und ungewohnt diese Art Prosagedichte sind, so faszinierend sind sie auch. Mayröcker hat eine ganze eigene Form gefunden um den seltsamen Gedankengängen eine sprachliche Form zu verleihen, indem sie einzelne Bilder permutieren lässt, oder mitten im Gedanken einen Punkt setzt, um einen neuen Gedanken fortzusetzen, fast schon aufzupfropfen.</p>



<p><em>Lesefluss: **</em></p>



<p>Da diese Texte – oder Proeme, wie sie Mayröcker als Zwischenform von Prosa und Poem nennt – so dicht und komplex sind, fordern sie die Leser:innen auch besonders. Ich zumindest musste nach zwei oder drei Texten immer wieder eine Pause einlegen. Aber bei Lyrik muss nicht negativ sein.</p>



<p><em>Spannung/Story/Komposition: ****</em></p>



<p>Natürlich schreibt Mayröcker nicht willkürlich ihren Gedankenfluss auf, sondern verbindet diese Ideen geschickt und reduziert sie Vorstellungen auf das Nötigste. Sie formuliert eine Eingebung oder beschreibt ein Bild nur solange, bis es Form annimmt und schaltet dann zum nächsten um. Gerade in diesen Schnitten finden dann die Leser:innen ihren Platz. Das funktioniert nicht immer, aber meistens sehr gut.</p>



<p><em>Relevanz: ***</em></p>



<p>Es geht Mayröcker nicht um einen tiefgehenden Beitrag zu aktuellen Debatten, sondern sitzt vielmehr in ihrer Schreibwohnung, umgeben von Bildern, Texten und Geschichte. Es ist Literatur in Reinform – und die ist auch wichtig.</p>



<p><em>Buchende: ???</em></p>



<p>Gedichtbände haben kein richtiges Ende…</p>



<p><em>Friederike Mayröcker: </em>da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete<em>, Suhrkamp, 202 Seiten</em></p>



<h2>Ostsee-Reise: „Daheim“ von Judith Hermann</h2>



<p>Judith Hermann wird gerne mit dem seltsamen Schlagwort Fräuleinwunder beschrieben. Dabei gibt es doch keine Fräuleins mehr und ein Wunder ist Literatur von Frauen auch schon lange nicht mehr. Richtig ist aber, dass die Autorin besonders weibliche Protagonistinnen und deren Lebensumstände in den Mittelpunkt rückt.</p>



<p><em>Thema: </em>Nachdem sich die Tochter der Protagonistin sich auf eine Weltreise begeben hat und sich die ältere Frau von ihrem Mann getrennt hat, zieht sie an die Ostsee, um einen neuen Lebensmittelpunkt zu finden.</p>



<p><em>Buchanfang: *****</em></p>



<p>Die Szene zu Beginn scheint aus der Zeit gefallen zu sein und erinnert an Literatur aus den 1920ern. Geschickt schafft Hermann gleich am Anfang eine Stimmung des Verlorenseins. Die Anekdote wird auch im Laufe des Buches immer wieder aufgegriffen und hinterfragt, sodass sie immer weiter verstärkt wird und zentral für das Thema des Buches wird.</p>



<p><em>Sprachliche Rafinesse: ****</em></p>



<p>Mit handwerklichem Können schafft Hermann es durch ihren Text, Stimmungen zu erzeugen, ohne sie immer explizit zu benennen. Eine Stimmung von Melancholie und Ziellosigkeit. Gleichzeitig gibt es auch keine bemerkenswerten Überraschungen und das Buch flacht nach dem Anfang etwas ab.</p>



<p><em>Lesefluss: ****</em></p>



<p>Durch dieses stimmungsvolle Schreiben liest sich das Buch auch ganz gut weg. Gleichzeitig ist die Sprache aber auch nicht bemerkenswert oder die Handlung ideenreich genug, um sagen zu können, dass ich das Buch verschlungen hätte.</p>



<p><em>Spannung/Story/Komposition: ****</em></p>



<p>„Daheim“ lebt – ich habe es schon mehrmals erwähnt – vor allem von der Stimmung und von den einzigartigen Charakteren, die mit den Klischees spielen, ohne sie zu überreizen. In einem sehr angenehmen Maße mischt Hermann auch Konflikte und Geheimnisse mit ein. Mir hat besonders gefallen, wie sie die Anfangsszene (in der ein Zauberer der Protagonisten anbietet, ihn als Assistentin auf einer Reise nach Singapur mitzunehmen) immer wieder in die Erzählung aufgenommen wird und die Geschichte so selbst zum Motiv wird.</p>



<p><em>Relevanz: ***</em></p>



<p>In meinen Augen handelt es sich um die so oft verschriene Befindlichkeitsprosa, nur eben diesmal nicht von Millennials, sondern von einer Frau in den 50ern, die gerade auf der Suche nach einem neuen Bezugspunkt in ihrem Leben und der Frage, ob sie nicht etwas verpasst hat. Vielleicht bin ich noch zu jung, um das wichtig zu finden.</p>



<p><em>Buchende: ***</em></p>



<p>Die Geschichte endet schwebend, nur die Falle, die im ersten Drittel im Haus aufgestellt wurde, vermittelt den Eindruck, dass etwas zu Ende gegangen ist. Das ist sauber und solide erzählt, aber vielleicht sogar etwas zu sauber, um interessant zu sein.</p>



<p><em>Judith Hermann: </em>Daheim<em>, S. Fischer, 189 Seiten</em></p>



<h2>Noch eine Reise: „Eurotrash“ von Christian Kracht</h2>



<p><em>Thema: </em>Ein Mann mit Namen Christian Kracht versucht die Vergangenheit aufzuarbeiten, indem er mit seiner dementen Mutter und einer Tüte voller Geld durch die Schweiz fährt.</p>



<p><em>Buchanfang: ****</em></p>



<p>Wir werden mitten in die Situation geworfen und nehmen gleich die Stimmung des Romans „Eurotrash“ auf. Aber gerade der Anfang wabert noch, verliert sich in Einschüben und Zwischensätzen. Mir ist es anfangs unnötig schwergefallen, dem Erzähler zu folgen.</p>



<p><em>Sprachliche Rafinesse: ****</em></p>



<p>Christian Kracht schreibt wie Christian Kracht. Das ist also schon überzeugend. Obwohl es mich nicht so sehr begeistert, wie damals „Faserland“, das im Buch selbst immer wieder erwähnt wird. Kracht gelingt es sehr gut, die eingeschobenen Momenten, die von Vergangenheit oder eine Geschichte in der Geschichte erzählen, vom Rest abzusetzen. Die Dialoge mit der Mutter wirken aber oft etwas zu aufgesetzt.</p>



<p><em>Lesefluss: ***</em></p>



<p>Dieses Mäandernde in der Sprache und dass sich der Text ständig selbst unterbricht ist natürlich Absicht, um das Altern und das Leben selbst in den Text zu holen, aber dem Lesefluss tut das nicht immer gut. Außerdem gibt es einen massiven Punktabzug für die alte Rechtschreibung. Mir hat sich diese Entscheidung nicht erklärt, sondern wirkte gewollt und fast schon trotzig – unnötig!</p>



<p><em>Spannung/Story/Komposition: *****</em></p>



<p>Ich bin ein großer Liebhaber von Metafiktion und deswegen mag ich es sehr, dass Kracht hier auch mit seinem Rang als Schriftsteller spielt. Noch bemerkenswerter ist aber das Spiel mit der Wahrheit selbst, denn so frage ich mich als Leser immer, was stimmt von dem, was hier erzählt wird. Und genau diese macht eben dieses Autor auch so spannend, der sein eigenes Leben immer wieder überschreibt. Indem er noch mehr Geschichten in diese Reise einbaut, entsteht das Gefühl, das nich viel mehr unter der Oberfläche lauert.</p>



<p><em>Relevanz: *****</em></p>



<p>Genau in diesem Untergrund geht es um Schuld. Wie gehen wir mit unseren Eltern um und mit deren Fehlern. Dass der Ich-Erzähler recht früh auch von der Nazi-Vergangenheit seiner Familie erzählt kommt nicht von ungefähr und ist maßgeblich für die Entscheidung, auf der Reise so viel Geld wie möglich zu verschleudern. Gleichzeitig werden diese Vorfahren auch nicht als grundschlecht gezeigt, sondern ebenso von Schicksalsschlägen gezeichnet. Dass der Sohn seiner Mutter immer den Fäkalienbeutel wechseln muss, der wegen eines geschädigten Verdauungstraktes nötig ist, ist dafor auch ein großartiges Bild. Da dieser Generationenkonflikt immer weiter zuspitzt, ist das Buch wichtig.</p>



<p><em>Buchende: *****</em></p>



<p>Es ist Kitsch, aber gut gemachter Kitsch. Am Ender der Reise, die nie so weit geht, wie es die Mutter gerne hätte, bringt der Ich-Erzähler seine Mutter in ein Heim. Doch sie geht so hinein, als wäre sie wieder in ihrem geliebten Afrika. Das ist genauso bestimmt schon oft erzählt worden, aber es ist das perfekte Ende für diese verrückte Mutter-Sohn-Odyssee.</p>



<p><em>Christian Kracht: </em>Eurotrash<em>, KiWi, 210 Seiten</em></p>



<h2>Spiel mit abgegriffenen Karten</h2>



<p>Als die Liste bekannt gegeben wurde, war ich erstmal positiv überrascht: In der Belletristik sind vier Autorinnen nominiert. Nach der Shortlist des Deutschen Buchpreises im vergangenen Jahr scheint sich ein Trend abzuzeichnen. #Frauenzählen hat sich gelohnt.</p>



<p>Doch dann wurde das Geschrei wieder groß: Die Shortlist sei zu weiß und nicht divers genug. Ich muss zugeben, dass ich im ersten Moment mit den Augen gerollt habe: Eins nach dem anderen, dachte ich mir. Deutschland ist auch noch sehr weiß und man muss es doch nicht erzwingen.</p>



<p>Nachdem ich mich nun länger mit der Kritik beschäftigt habe, muss ich allerdings zustimmen: Erstens nimmt die Kategorie Übersetzung die gesamte Welt in den Blick und könnte hier auch nicht-weiße Positionen ausstellen. Und zweitens sind in den vergangenen Monaten auch auf dem Deutschen Buchmarkt auch bemerkenswerte Titel nicht-weißer Autor:innen erschienen wie „Adas Raum“ von Sharon Dodua Otoo – um nur einen zu nennen.</p>



<p>Ganz im Gegenteil ist die Liste so homogen, so weiß, deutsch und alt (die jüngste Nominierte ist über 50 Jahre alt), dass es mich insgesamt langweilt: Vier von fünf Büchern stellen das lyrische ich in den Mittelpunkt, drei von fünf erzählen vom Reisen, zwei von fünf (!) schreiben „daß“ statt „dass“. Das ist alles gut gemachte Literatur, aber sie ist einfach zu gut gemacht, zu routiniert, zu erprobt, ohne den Willen etwas zu wagen. Mir fiel die Bewertung daher auch sehr schwer, weil es zwar nichts auszusetzen gibt, mir aber auch der Glanz fehlt, die leuchtende Überraschung.</p>



<p>Ich würde Helga Schubert als Preisträgerin vermuten. In „Vom Aufstehen“ hat sie wunderbare kleine Texte versammelt, die leichtfüßig tiefgehende Momente einfangen. Außerdem ist die Auseinandersetzung mit Geschichte, vor allem der DDR-Geschichte immer ein guter Anlass für einen Preis. Der Preis wäre auch nochmal so etwas wie die Ehrung eines Lebenswerkes der Autorin, die nachdem sie sich so sehr für die Deutsche Einheit eingesetzt hat, fast in Vergessenheit geraten ist. Allerdings könnte ihr der Bachmannpreis im Weg stehen, der den besten Text des Bandes bereits hervorgehoben hat. Am Ende liege ich mit meine Preisvorhersagen auch nie, niemals nie, richtig. Also bleibt einfach gespannt.</p>
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		<title>Episode 14: Macht und Ohnmacht</title>
		<link>https://schraeglesen.de/podcast-episode-14-glueck-averno-machado-koerper-teilhaber</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Thilo]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Mar 2021 17:27:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buecherdiskussion]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[corporeal]]></category>
		<category><![CDATA[feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[podcast]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit Verspätung wollten wir in "Averno" von der jüngst ausgezeichneten Literatur-Nobelpreisträgerin Louise Glück diskutieren. Außerdem haben wir Stories von Carmen Maria Machado gelesen.<p class="continue-reading-button"> <a class="continue-reading-link" href="https://schraeglesen.de/podcast-episode-14-glueck-averno-machado-koerper-teilhaber">Weiterlesen...<i class="crycon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Mit einiger Verspätung wollten wir mal genauer in den Highlight-Band der jüngst ausgezeichneten Literatur-Nobelpreisträgerin Louise Glück reinlesen. Außerdem haben wir Stories von Carmen Maria Machado gelesen, die erstaunlich gut dazu passen.</strong></p>



<span id="more-3797"></span>



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<p>Vielleicht erinnert Ihr Euch noch, wie Lara und ich uns vor Jahren mal herausgefordert haben, etwas aus unserem Lese-Komfort auszubrechen. Sie suchte einen kurzen Essay-Band heraus und ich lieh ihr einen meiner Lieblingsgedichtbände. Damals war Lara nämlich nicht so für Lyrik zu begeistern. Das hat sich inzwischen wieder geändert.</p>



<p>Wir haben bereits bei unserer Bücherdiskussion am Ende des vergangenen Jahres kurz über den Literatur-Nobelpreis, Louise Glück und Gedichte auf Tumblr gesprochen. Dann fragte Lara mich, ob ich etwas von der hierzulande etwas in Vergessenheit geratenen Dichterin empfehlen kann. Ich selbst hatte gerade die Neuauflagen der deutschsprachigen Übersetzungen gekauft – und auch weil die Autorin selbst es empfiehlt, habe ich &#8220;Averno&#8221; genannt. Lara hatte dann Lust auch mit mir darüber zu sprechen. </p>



<p>Dann stellte sich natürlich die Frage, über welches andere Buch wir noch sprechen wollen. Weil Lara immer viel auf dem Tisch liegen hat und eine gut geführte Liste mit Wunschtiteln, schlug sie &#8220;Ihr Körper und andere Teilhaber&#8221; von Carmen Maria Machado vor. Auf den ersten Blick etwas vollkommen anderes: Short Stories statt Lyrik, Gruselgeschichten statt klassische Mythologie. Doch auch abgesehen davon, dass beide Titel für den National Book Award nominiert waren, hatten die Titel eine Menge gemeinsam.</p>



<h2>  Die Schrecken des Körpers</h2>



<p>Wie ich schon in unserem Gespräch sagte, ist es immer etwas schwer, Erzählungsbände zusammenzufassen, weil es so viele Geschichte sind, von denen jede einzelne tiefgründig sein kann. Hier nehme ich mir mal den Raum und fasse jede Geschichte kurz zusammen</p>



<p>Erstens: Eine Frau erzählt im (Grusel-)Märchen ihres Ehe- und Familienlebens von ihrer sexuellen Hingabe, von der Geburt und dem Extrastich beim Nähen des gerissenen Damms und wie ihr Mann unbedingt die geheimnisvolle Schleife an ihrem Hals öffnen will. Zweitens: Eine Frau erzählt von allen sexuellen Beziehung, die sie hat, während sich eine höchst ansteckende und tödliche Krankheit ausbreitet. Drittens: Die Protagonistin wird von ihrer Freundin mit dem gerade geborenen Kind zurückgelassen und muss nun Muttergefühle entwickeln. Viertens: Die Krimiserie &#8220;Law &amp; Order&#8221; in abgedreht, mit Benson, die von Geistern heimgesucht wird, Stabler mit massiven Familienproblemen, einen seltsamen Priester und Doppelgänger – aber alles mit orginalen Episodentiteln.  Fünftens: Eine Frau arbeitet in einem Mode-Geschäft, dann als Putzkraft in einer Firma und führt eine  intensive Beziehung mit einer Frau, während eine seltsame Krankheit Frauen sozusagen unsichtbar macht. Sechstens: Eine Frau ist mit ihrem Körper unzufrieden, lässt sich den Magen verkleinern, damit sie wie ihre Mutter nur noch &#8220;Acht Bissen&#8221; zu sich nehmen kann, und ist trotzdem unzufrieden. Siebtens: Eine angehende Schriftstellerin reist zu einer Künstler*innenresidenz um ihren ersten Roman zu schreiben, doch sie wird krank, fühlt sich angegriffen von den anderen Künstlerinnen und Künstlern, von der ganzen Landschaft und verzweifelt an ihrer Aufgabe. Achtens: Eine Frau kehrt nach einem traumatischen Erlebnis nach Hause und versucht an das gesellschaftliche Leben anzuknüpfen, aber scheinbar hat sich das Gefühl für Sexualität grundlegend verändert.</p>



<p>Ein Themenfeld zieht sich ganz klar durch alle Geschichten: Sexualität, (weibliche) Körper und Macht. Und etwas Unheimliches zieht sich durch alle Geschichten, die den Figuren und den Leser*innen das Gefühl geben, etwas lauert im Dunkeln und hat die Welt, so wie wir sie kennen nachhaltig verändert. Machado zeigt sich als virtuose Sprachkünstlerin, die es schafft mit ungewöhnlichen Sprachbildern ganz viel zu erzählen, nicht nur die Stimmung, sondern auch alles was unter der Geschichte brodelt. Bewundernswert! Deswegen habe ich die Geschichten gerne gelesen, aber oft haben sie mich auch etwas enttäuscht und schulterzuckend zurückgelassen. Aber vielleicht habe ich auch nicht den richtigen Standpunkt eingenommen, denn Lara war begeistert, weil Machado zwar das Genre der Gruselgeschichte nutzt, es aber mit ihren Frauenfiguren auch neu auflädt und Fragen nach Macht und Ohnmacht von Frauen in der heutigen Zeit stellt.</p>



<p><em>Carmen Maria Machado: </em>Ihr Körper und andere Teilhaber<em>, <a href="https://www.klett-cotta.de/buch/Gegenwartsliteratur/Ihr_Koerper_und_andere_Teilhaber/101160" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tropen</a> (Klett-Cotta), 300 Seiten</em></p>



<h2>Bis in die Unterwelt</h2>



<p>In gewisser Weise ziehen sich diese Themen in dem Gedichtband &#8220;Averno&#8221; weiter. Louise Glück steht für eine klassische, akademische Lyrik, die zwar nicht unbedingt alte Vers- und Gedichtformen nutzt, aber doch sehr strukturiert daherkommt. In ihrem zehnte Band erzählt sie den <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Raub_der_Persephone" target="_blank">Mythos der Persephone</a> nach, die gegen ihren Willen in der Unterwelt bleiben muss. Mit klarer Rhythmik, meist kurzen Versen und nicht allzu abgehobenen Worten gelingt es Glück, den Mythos in eine unbestimmbare Gegenwart zu versetzen. Die Geschichte scheint gerade im Moment des Lesen zu passieren, ist ganz nah bei uns.</p>



<p>So kann sie fast schon beiläufig viele relevante Themen einflechten: Macht über Frauen, Beziehungen zur Mutter und unsere Sicht auf die Umwelt. Natürlich sind die Gedichte in gewisser Weise zahm, manchmal in ihrer Sprache sogar etwas simpel. Der Band wirkt vor allem in seiner Gesamtheit: Die Gedichte stehen zwar für sich, aber dennoch zieht sich die Geschichte der Persephone durch das ganze Buch und wird so von unterschiedlichen Seiten beleuchtet. Sicherlich gibt es Gedichtbände, die mich mehr überrascht und auf positive Weise verwirrt haben, aber &#8220;Averno&#8221; von Louise Glück war eine schöne Leseerfahrung, weil ihre Verse Eleganz und Tiefgang haben. Ich würde dieses Buch jeder Gedichtleser*in empfehlen. Lara wäre da etwas vorsichtiger, weil sie der Band nicht komplett überzeugt hat, und würde ihn nur solchen Leser*innen ans Herz legen, die sich mit griechisch-römischer Mythologie beschäftigen.</p>



<p><em>Louise Glück: </em>Averno<em>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.penguinrandomhouse.de/Buch/Averno/Louise-Glueck/Luchterhand-Literaturverlag/e187265.rhd" target="_blank">Luchterhand</a>, 176 Seiten</em></p>
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		<title>Papier-Theater: Comic-Adaption von Dürrenmatts &#8220;Physiker&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thilo]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Feb 2021 19:07:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Autorengespraeche]]></category>
		<category><![CDATA[Themenreihe]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Drama]]></category>
		<category><![CDATA[graphic novel]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Theater lesen]]></category>
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					<description><![CDATA["Die Physiker" von Friedrich Dürrenmatt musste bestimmt schon viele Schulklassen lesen. Es ist ja auch ein großartiges Theaterstück. Der Zeichner Benjamin Gottwald hat es auf großartige Weise als Comic adaptiert.<p class="continue-reading-button"> <a class="continue-reading-link" href="https://schraeglesen.de/physiker-duerrenmatt-comic-theater">Weiterlesen...<i class="crycon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
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<p>&#8220;Die Physiker&#8221; von Friedrich Dürrenmatt musste bestimmt schon viele Schulklassen lesen. Es ist ja auch ein großartiges Theaterstück. Der Zeichner Benjamin Gottwald hat es auf wunderbare Weise als Comic adaptiert.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1024" height="683" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2021/02/physiker-1024x683.jpg" alt="Physiker" class="wp-image-3794" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2021/02/physiker-1024x683.jpg 1024w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2021/02/physiker-300x200.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2021/02/physiker-768x512.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2021/02/physiker-1536x1024.jpg 1536w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2021/02/physiker-2048x1365.jpg 2048w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2021/02/physiker-225x150.jpg 225w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2021/02/physiker-150x100.jpg 150w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Blick in die Graphic Novel &#8220;Die Physiker&#8221; nach Friedrich Dürrenmatt von Benjamin Gottwald.</figcaption></figure>



<p>Es wurde schon so viel über <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Physiker" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8220;Die Physiker&#8221; von Friedrich Dürrenmatt</a> gesprochen und geschrieben. Damit will ich mich also nicht aufhalten, sondern gleich zu den Bildern dieser Graphic Novel kommen. Immer wieder wird das Theater in den Panels von Benjamin Gottwald sichtbar: Ganz klassisch wird mit perspektivischen Linien ein Raum angedeutet. Auf dem Boden scheint ein Raster gemalt zu sein, rechts und links gehen Türen ab, die aber nur in Stellwände eingelassen zu sein scheinen. Das verwundert nicht, denn in gewisser Weise inszeniert er das bekannte Theaterstück &#8220;Die Physiker&#8221; auf seinen Seiten, macht den Raum sogar zu einer Art Protagonisten. Denn als Zeichner hat er ganz andere Möglichkeiten als eine Regisseur*in im Theater.</p>



<h2>Farben und Formen</h2>



<p>Gottwalds Zeichenstil ist von Reduktion geprägt: Mit nur wenigen, eher geometrisch anmutenden Strichen erschafft er seine Charaktere. Das Gesicht des Ermittlers wird fast immer im Profil gezeigt und besteht eigentlich nur aus einem Bogen sowie einem Haken für die Nase. Newtons Körperform orientiert sich an Quadraten – vor allem sein Haar besteht aus lauter Vierecken und seine Frisur erinnert an Bach. Einstein, als eine Art Gegenstück, besteht nur aus Kreisen. Möbius schließlich ist nur ein rechteckiger Kopf mit einigen Strichen.</p>



<p>Der Künstler scheint sich an Bauhaus-Ästhetik und Konstruktivismus zu orientieren. So ist auch die Umgebung immer von klaren Formen bestimmt. Das schlägt sich auch in dem sparsamen aber sehr zielgerichteten Farbeinsatz wieder. Denn insgesamt ist die Graphic Novel eher Schwarz-Weiß, die Farben dienen eher als Akzente. So hat jeder Charakter eine eigene Farbe (Möbius beispielsweise ist blau), manchmal betonen Farben die Formen und – das ist vielleicht das Wichtigste – in den Farben drücken sich zahlreiche Emotionen aus. </p>



<h2>Der Raum spielt mit</h2>



<p>Das steht für Gottwald eindeutig im Vordergrund: Die Emotion. Er zeichnet nicht einfach nur Talking Heads, die dem Text eine Form geben. In jedem Panel versucht er die innere Verfasstheit der Figuren einzufangen. Manchmal überzeichnet er auch die gesamte Situation, die in dem Raum herrscht.</p>



<p>Die Comic-Adaption von &#8220;Die Physiker&#8221; lebt von zahlreichen großartigen Ideen: Wenn die beiden Ermittler zum Tatort gehen und plötzlich nur noch Hüte sind. Wenn der Theaterraum von einem Panel zum nächsten zu einer Art Raster wird und dann wieder zu einem dreidimensionalen Raum, in dem die Figuren jedoch zu zweidimensionalen Zeichnungen auf dem Boden werden. Das Strichmännchen Möbius löst sich in einem Zornanfall in lauter  wild verteilte Striche auf. </p>



<p>Das schöne an diesen Ideen, die zu zahlreich sind, um sie alle zu erwähnen, ist, dass sie gleichzeitig überraschend und naheliegend sind. Sie sind leicht zu verstehen, werden aber dennoch nicht von Dürrenmatts Text bestimmt. </p>



<h2>Wunderbare Drameninterpretation</h2>



<p>Nun sind Theaterstücke von Dürrenmatt generell nicht so schwer zu lesen. Weil der Autor die Bühne sehr genau beschreibt und es ihm weniger um Sprachkunstwerke geht (auch wenn er natürlich meisterhaft schreibt), sondern darum, eine Geschichte zu erzählen. Dennoch ist es natürlich viel angenehmer einen Dramentext in einer illustrierten Form zu lesen, weil so leichter erkennbar ist, wer spricht.</p>



<p>Gerade in Deutschland gibt es viele Adaptionen berühmter Theaterstücke für den Comic-Markt. Ob das der Versuch ist, dem hierzulande marginalisierten Medium mehr Wertschätzung zu verschaffen sei an dieser Stelle dahingestellt. Benjamin Gottwalds Graphic Novel ist nun das beste Beispiel dafür, wie so ein Vorhaben gelingen kann. Denn zum einen verlässt er sich auf den Dramentext, zum anderen arbeitet er tatsächlich damit. Er inszeniert das Stück in seinem Buch und zwar auf eine Weise, wie es nur mit Papier möglich ist: Die Figuren dehnen sich ins Unermessliche aus und der Raum zerfällt in seine Einzelteile. Das ist einfach großartig. </p>



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<p>Friedrich Dürrenmatt/Benjamin Gottwald: Die Physiker, <a href="https://www.buechergilde.de/detailansicht/items/die-physiker_169533.html">Edition Büchergilde</a>, 191 Seiten.</p>
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		<title>Meine Spielentdeckung: Gotham City Chronicles</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thilo]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Nov 2020 11:38:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fundstuecke]]></category>
		<category><![CDATA[batman]]></category>
		<category><![CDATA[Blogparade]]></category>
		<category><![CDATA[Brettspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
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					<description><![CDATA[Als ich mal wieder auf einem meiner Lieblingsbrettspiel-Youtube-Kanäle (jeder hat so einen) unterwegs war, bin auf das Batman-Spiel „Gotham City Chronicles“ gestoßen. Als großer Fan des Dunklen Ritters und von komplexen Brettspielkonzepten war ich sofort neugierig.<p class="continue-reading-button"> <a class="continue-reading-link" href="https://schraeglesen.de/meine-spielentdeckung-gotham-city-chronicles">Weiterlesen...<i class="crycon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
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<p>Als ich mal wieder auf einem meiner Lieblingsbrettspiel-Youtube-Kanäle (jeder hat so einen) unterwegs war, bin auf das Batman-Spiel „Gotham City Chronicles“ gestoßen. Als großer Fan des Dunklen Ritters und von komplexen Brettspielkonzepten war ich sofort neugierig.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-titel.jpg" alt="Impression aus &quot;Gotham City Chronicles&quot;" class="wp-image-3787" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-titel.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-titel-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-titel-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-titel-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-titel-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Impression aus &#8220;Gotham City Chronicles&#8221;</figcaption></figure>



<p>Es ist kein Spiel für kleine Wohnungen: Das Grundset besteht aus zwei Schachteln von jeweils 44x31x12 Zentimetern. Beim Öffnen wird dann noch mehr Platz benötigt, um sich einen Überblick zu verschaffen: Zwei Hefte, Karten, Plättchen, Würfel, Hartplastikhalterungen und zahlreiche kleine Figuren. Fast das gesamte Sofa ist nach dem Auspacken belegt und die Spielbretter passen gerade so auf unseren Couchtisch.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-1.jpg" alt="Impression aus &quot;Gotham City Chronicles&quot;" class="wp-image-3785" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-1.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-1-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-1-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-1-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-1-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Impression aus &#8220;Gotham City Chronicles&#8221;</figcaption></figure>



<p>Natürlich kostet die Vorbereitung einiges an Zeit, denn wie oft bei solch großen Spielen gibt es ein sehr komplexes Regelheft, das den Spieler*innen zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten eröffnen soll. Ich versuche es mal mit wenigen Worten zu beschreiben: „Gotham City Chronicles“ ist ein wenig asymmetrisch und erinnert an vielen Stellen an Tabletop-Games – nur dass hier mehr mit Individuen gekämpft wird (soweit ich das erkenne, ist es allerdings nicht vorgesehen, die Figuren noch selbst anzumalen) und die Bewegungsregeln etwas weniger komplex sind. Dennoch ist auch einiges an strategischem Denken erforderlich, weil sich die Spieler*innen Ressourcen einteilen müssen, um ihre jeweiligen Ziele zu erreichen. Von der Stimmung ist es eine Mischung aus Strategie und Actionspiel.</p>



<h2>Es ist meine Aufgabe</h2>



<p>Ich fürchte, das ruft bei den meisten nur Fragezeichen hervor, deswegen versuche ich mal zu erklären, was man bei dem Spiel tun muss. „Gotham City Chronicles“ kann zu zweit oder in Teams gespielt werden. Dabei müssen sich die Spieler*innen für eine Seite entscheiden und Helden oder Superschurken spielen. In einem Missionsheft sind dann verschiedene Szenarien beschrieben, die die Spielziele des jeweiligen Durchgangs erklären. Meist versucht ein Villain mit einer Gruppe treuer Gefolgsleute einen bösen Plan in die Tat umzusetzen, um Gotham zu schaden, beispielsweise eine U-Bahn-Station sprengen oder Gift freisetzen. Drei Superhelden aus der Bat-Family versuchen das zu verhindern.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-3.jpg" alt="Impression aus &quot;Gotham City Chronicles&quot;" class="wp-image-3784" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-3.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-3-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-3-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-3-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-3-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Impression aus &#8220;Gotham City Chronicles&#8221;</figcaption></figure>



<p>Das Spielbrett ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Nach den Angaben des Missionsplans werden die Figuren auf dem Feld verteilt. Jeder der drei Helden hat eine Art Kontrollfeld, über das die Spieler*innen die Aktionen kontrollieren können. Für die Schurken gibt es ein Board, mit dem alle gesteuert werden. Jedem dieser Kontrollfelder wird eine Menge an Energie in Form kleiner roter Quader zugeteilt, die für bestimmte Aktionen eingesetzt werden können, pro Zug wird aber nur eine bestimmte Menge wieder freigesetzt.</p>



<p>Ich kann mit mehr Energie also mehr erreichen, muss aber darauf achten, dass mir diese sogenannten Energy Cubes nicht ausgehen. Zu Beginn eines Zuges kann ich meine Figuren über das Feld bewegen, wofür ich einige Schritte frei habe und für zusätzliche Energie zahlen muss. Dann kann ich mich für eine Aktion entscheiden: Ich kann draufhauen, schießen (oder werfen – Batman benutzt keine Pistolen), Hacken oder Bomben entschärfen. Als Held kann ich mich entscheiden, wie viel Energie ich einsetzen will und demnach Würfel aufnehmen, wobei mir Ausrüstungsgegenstände zusätzliche Würfel geben. Für den Erfolg muss ich dann einen bestimmten Wert erreichen. Bei den Schurken läuft es ein wenig anders: Dort muss ich Energie aufwenden, um eine Sorte von Helfern zu aktivieren, die so wohlwollende Bezeichnungen tragen wie „Schläger“ oder „Grobiane“. Von denen gibt es meist jeweils vier, die nicht sehr widerstandfähig sind und auch nicht alles können. Dafür muss ich für die Fähigkeiten selbst keine Energie aufwenden, weil die Menge an Würfeln schon festgelegt ist. Ich muss also immer genau überlegen, was ich mache, weil ich den Kostaufwand beachten muss.</p>



<p>Das sind im Groben die Regeln. Versuchen wir uns an einer Proberunde. Ich muss allerdings gestehen, dass, obwohl die Spielmechanik gar nicht so übermäßig komplex ist, ich die Regeln vielleicht noch nicht in jedem Detail durchschaut habe und bisher auch nur zu zwei Runden gekommen bin.</p>



<h2>Eine Proberunde</h2>



<p><em>In Funkspruch von Oracle aka Barbara Gordon, ehemals Batgirl, erreicht Batman. Der Terrorist Bane, ein cleverer Stratege, ist zurück in Gotham. Zusammen mit der Geheimgesellschaft „Rat der Eulen“ will er das Rathaus zerstören. Dafür hat er mehrere Sprengsätze in der nahe gelegenen U-Bahn-Station platziert. Wenn die hochgehen, wird der ganze Platz und die Gebäude einstürzen.</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-21.jpg" alt="" class="wp-image-3789" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-21.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-21-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-21-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-21-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-21-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Impression aus &#8220;Gotham City Chronicles&#8221;</figcaption></figure>



<p>Wie es der Plan vorgibt, habe ich die 21 Schurken-Figuren, die Computer und die nicht scharf gestellten Bomben auf dem Plan verteilt.</p>



<p>Ich entscheide mich, dass Batman, Catwoman und Nightwing Banes Plan vereiteln sollen und platzieren ihre Figuren an den markierten Punkten. Ich fange an.</p>



<p><em>Sie betreten die Station von zwei Seiten. Von einer erhöhten Position versucht sich Batman einen Überblick zu verschaffen. Bane hat fünf Bomben platziert, die seine Gefolgsleute allerdings noch scharf stellen müssen. Dafür könnten sie die Computer in der Station nutzen oder den Zündern an die Sprengsätze anbringen. Eine Explosion wäre nicht schlimm, doch mehr würden die Struktur zu sehr beschädigen und alles zum Einsturz bringen. Sie sollten die Computer zerstören, die Bane Gehilfen ausschalten und möglichst alle Bomben entschärfen. Kurz gibt Batman Anweisungen an Nightwing und Catwoman. Sie atmen kurz durch und setzen sich in Bewegung. Schnell klettert Batman von seinem Aussichtspunkt herab und hechtet zu einem stämmigen Typen und schlägt ihn nieder. Catwoman setzt mir ihrer Peitsche einen bewaffneten Muskelprotz außer Gefecht. Nightwing manipuliert in der Zwischenzeit einen Computer, damit Bane ihn nicht mehr nutzen kann.</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-2.jpg" alt="" class="wp-image-3786" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-2.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-2-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-2-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-2-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-2-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>



<p>Ich bewege zwei Felder weiter, was wegen des Höhenunterschieds mehr Bewegungseinheiten. Ich werfe zwei Würfel für eine Nahkampfattacke auf den Schläger, zwei Treffer reichen. Nightwing schon in einem Raum mit Computer. Ich werfe drei Würfel für die Aufgabe, bei der ich mindestens drei Erfolge brauche – es recht genau aus. Auch Catwoman bewege ich drei Felder weit und werfe drei Würfel – und lande die nötigen drei Treffer.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-6.jpg" alt="Impression aus &quot;Gotham City Chronicles&quot;" class="wp-image-3780" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-6.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-6-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-6-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-6-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-6-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Impression aus &#8220;Gotham City Chronicles&#8221;</figcaption></figure>



<h2>Die Helden im Vorteil</h2>



<p><em>Natürlich ist Bane die Ankunft von Batman nicht entgangen und er weist seine Schläger an, die Bomben jetzt scharf zu stellen. Während er zwei Erfolgsmeldungen hört, haben die anderen beiden Schläger Probleme mit dem Zünder. In der Zwischenzeit versucht zwei der brutaleren Gestalten, Batman und Nightwing niederzuschlagen. Doch sie sind dem ehemaligen dynamischen Duo nicht gewachsen und taumeln unter den Gegenschlägen.</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-8.jpg" alt="Impression aus &quot;Gotham City Chronicles&quot;" class="wp-image-3782" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-8.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-8-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-8-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-8-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-8-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Impression aus &#8220;Gotham City Chronicles&#8221;</figcaption></figure>



<p class="has-text-align-right">Ich aktiviere zuerst die Schläger, die die Bomben direkt scharf stellen können. Manche stehen schon im richtigen Raum, die anderen muss ich nun einen Abschnitt weiterziehen. Dann würfle ich jeweils die möglichen zwei Würfel, doch nur in zwei von vier Würfen zeigen die nötigen drei Erfolge. Dann aktiviere ich noch die Brutalos, um Batman anzugreifen. Mit den drei Würfeln lande ich jedoch nur einen Treffer – nicht genug, um dem Gegenspieler zu schaden. Batman kann nun zu einem automatischen Gegenschlag ansetzen, doch es reicht nicht, um die Resistenz meiner Figur zu überwinden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-10.jpg" alt="Impression aus &quot;Gotham City Chronicles&quot;" class="wp-image-3778" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-10.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-10-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-10-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-10-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-10-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Impression aus &#8220;Gotham City Chronicles&#8221;</figcaption></figure>



<p><em>Batman lässt sich von dem Angriff nicht abhalten und rennt in einen Raum, um einen weiteren Computer außer Betrieb zu setzen. Hier wartet bereits einer von Banes Schlägern, den die Fledermaus mit einem gezielten Schlag kampfunfähig macht. Nightwing läuft in die andere Richtung zu einer der Bomben, die noch nicht scharf sind, und schlägt einen der Schurken nieder. Catwoman setzt weniger auf Konfrontation und schleicht sich in den nächsten Raum, drückt an der Wand entlang zur Bombe, um sie zu entschärfen.</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-11.jpg" alt="Impression aus &quot;Gotham City Chronicles&quot;" class="wp-image-3777" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-11.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-11-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-11-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-11-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-11-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Impression aus &#8220;Gotham City Chronicles&#8221;</figcaption></figure>



<p>Ich bewege Batman einen Raum weiter. Zwei Würfel reichen, um den Schläger außer Gefecht zu setzen. Nightwing muss etwas weiter, was mich extra Energie kostet. Ich werfe noch zwei Würfel und erreiche gerade so die nötigen zwei Treffer. Catwoman geht zwei Felder weiter, wo eine der Bomben bereits scharf gestellt ist. Ich zahle die möglichen vier Energie, um mit vier Würfeln zu werfen – ich muss sechs Erfolge erzielen, um die Bombe zu entschärfen und bekomme noch Abzüge, weil noch Schurken im Raum anwesend sind. Der erste Wurf reicht nicht, aber ich kann zusätzlich Energie zahlen, um noch einmal zu würfeln.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-13-1.jpg" alt="" class="wp-image-3790" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-13-1.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-13-1-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-13-1-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-13-1-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-13-1-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Impression aus &#8220;Gotham City Chronicles&#8221;</figcaption></figure>



<h2>Das Blatt wendet sich</h2>



<p><em>Obwohl er nichts gesehen hat, hört die Eule ein Rascheln im Raum. Er dreht sich um und entdeckt Catwoman, die sich an der Bombe zu schaffen macht. Er schießt. Doch es ist zu spät: Er hat Catwoman zwar eine Fleischwunde zugefügt, doch die Bombe ist nutzlos geworden. Damit das nicht noch einmal passiert, ruft Bane drei weitere Leute in den Untergrund, die gegen Batman vorgehen sollen.</em></p>



<p class="has-text-align-right">Ich aktiviere die Owls und werfe die zwei Würfel für einen Fernangriff. Nach Abzug der Resistenz lande ich immerhin einen Treffer bei Catwoman, die sich auf dem gleichen Feld befindet. Dann aktiviere ich noch das Event, das für jede Mission extra definiert ist. Hier kann ich Schurken zurückholen oder Bane das Venom spritzen. Ich hole drei Figuren zurück, um die Übermacht zu behalten.</p>



<p><em>Catwoman braucht einen Moment, um sich von dem Schock der Schussverletzung zu erholen. Sie greift zu einem Notfallkit, das Batman ihr für so einen Fall gegeben hat, um die Wunde notdürftig zu verschließen. Auch Nightwing ist ganz außer Atem. Er taxiert die beiden Schurken im Raum mit festen Blicken und versucht seine Kräfte wieder zu sammeln. Batman steigt unterdessen über den niedergeschlagenen Schurken und macht den Computer unschädlich.</em></p>



<p>Ich setze Catwoman und Nightwing in den Ruhemodus, um mehr Energy Cubes zurückzubekommen. Für Batman würfle ich mit zwei Würfeln und erreiche knapp die nötigen drei Treffer.</p>



<p><em>Eine seltsame Stille weht durch die Bahnstation, nachdem Batman und Nightwing einige von Banes Söldner ausgeschaltet haben. Auch der Stratege setzt vorerst auf leisere Aktionen: Er schickt zwei seiner klügeren Gehilfen los, um die Bomben über die Computer scharf zu stellen und tatsächlich aktivieren sich zwei Timer. Den anderen gibt Bane die Anweisung, zu den Bomben zu gehen, um die selbst ernannten Helden am Entschärfen zu hindern.</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-14.jpg" alt="Impression aus &quot;Gotham City Chronicles&quot;" class="wp-image-3774" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-14.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-14-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-14-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-14-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-14-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Impression aus &#8220;Gotham City Chronicles&#8221;</figcaption></figure>



<p class="has-text-align-right">Ich aktiviere die Schläger, die mit Computer umgehen können und bewege sie die nötigen Felder weiter. Für beide werfe ich jeweils zwei Würfel und erreiche – mit einer Wurfwiederholung – die nötigen Erfolge. Außerdem aktiviere ich noch Grobiane und bewege sie zu den Bomben. Damit beende ich meinen Zug.</p>



<p><em>Nach dem Moment der Ruhe setzt Nightwing wieder zum Angriff an und setzt einen der Schläger außer Gefecht. Auch Catwoman fühlt sich wieder kräftig genug für den Kampf und eilt zu Nightwing. Noch bevor sie den Raum betritt, lässt sie ihre Peitsche durch die offene Tür schnellen und schlägt einen der Söldner ohnmächtig. Batman begibt sich in der Zeit in den hintersten Winkel der Station, wo mehrere Schläger die Bombe bewachen. Mit schnellen Schritten hastet der Dunkle Ritter auf einen der Handlanger zu und knockt ihn aus.</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-15.jpg" alt="Impression aus &quot;Gotham City Chronicles&quot;" class="wp-image-3773" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-15.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-15-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-15-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-15-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-15-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Impression aus &#8220;Gotham City Chronicles&#8221;</figcaption></figure>



<p>Nightwing befindet sich bereits in einem Raum mit einer aktiven Bombe. Doch ich muss erst einmal einige Gegner beseitigen und so nehme ich zwei Würfel und schaffe genug Treffer. Catwoman hat ihre Aufgabe erfüllt und ihr bewege sie mehrere Schritte, bis sie in der Mitte des Plans steht. Von hier kann ich eine Distanzattacke starten. Ich nehme zwei Würfel und die Treffer reichen nach den Abzügen für einen Erfolg. Auch Batman muss einige Schritte extra gehen. Im Raume greife ich einen der Schläger an: Ein Würfel reicht, um ihn aus dem Spiel zu nehmen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-16.jpg" alt="Impression aus &quot;Gotham City Chronicles&quot;" class="wp-image-3772" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-16.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-16-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-16-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-16-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-16-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Impression aus &#8220;Gotham City Chronicles&#8221;</figcaption></figure>



<h2>Die Niederlage zeichnet sich ab</h2>



<p><em>Bane hört, wie einer seiner Männer im Nebenraum zu Boden geht und hechtet rüber. Er kann gerade noch erkennen, wie Catwoman schnell und geschmeidig wieder in die Dunkelheit verschwindet. Er beschließt ihr nicht hinterherzulaufen, sondern lieber bei der Bombe zu bleiben. Einer seiner Söldner jedoch ergreift die Initiative und greift Batman an. Tatsächlich ist die Fledermaus von der Heftigkeit so überrascht, dass er sich nicht verteidigen kann. Ein heftiger Schmerz zuckt durch seinen Körper und seine Reflexe lassen ihn ins Dunkel fliehen.</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-20.jpg" alt="Impression aus &quot;Gotham City Chronicles&quot;" class="wp-image-3768" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-20.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-20-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-20-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-20-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-20-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Impression aus &#8220;Gotham City Chronicles&#8221;</figcaption></figure>



<p class="has-text-align-right">Ich aktiviert den Superschurken Bane, doch bewege ihn nur einen Raum weiter. Da er stärker ist und mehr Widerstandskraft hat, ist er schwerer zu eliminieren. Er hätte auch eine Bombe aktivieren können, doch inzwischen sind schon alle aktiv. Dann aktiviere ich noch einen Schläger und lande mit zwei Würfeln gleich vier Treffer. Da hilft es auch nicht auf Verteidigung zu Würfeln.</p>



<p><em>Nachdem Catwoman gesehen hat, wie sich Bane in den Raum mit der Bombe stürzt, springt sie auch zurück. Den Terroristen kann ruhig Bats übernehmen. Sie springt lieber Nightwing zu Hilfe und gemeinsam schalten sie zwei von Banes Gehilfen aus, doch immer mehr kommen in die U-Bahn-Station und landen auch einige Treffer. Doch schließlich gelingt es Nightwing die Söldner abzulenken und Catwoman kann eine weitere Bombe entschärfen. Batman, etwas überrascht von der Übermacht, hetzt in einen anderen Raum, wo vor wenigen Augenblicken eine Bombe aktiviert wurde. Er liefert sich heftige Gefechte mit zwei Schlägern. Nach einem Moment des Durchatmens kann auch er eine Bombe entschärfen.</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-19.jpg" alt="Impression aus &quot;Gotham City Chronicles&quot;" class="wp-image-3769" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-19.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-19-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-19-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-19-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-19-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Impression aus &#8220;Gotham City Chronicles&#8221;</figcaption></figure>



<p>Ich bewege Batman durch mehrere Areale in einen anderen Raum. Dort kann ich mit einem Würfel einen Schläger ausschalten. Dann kann ich glücklicherweise mit einer Gegenattacke einen Gegner ausschalten. Bevor ich die Bombe entschärfen kann, muss ich eine Ruhephase einlegen, um genug Energy Cubes zu regenerieren. Mit allen vier Würfeln, die ich nutzen darf, kann ich im letzten Zug eine Bombe neutralisieren. Nightwing und Catwoman versetze ich auch in Ruhephasen und greife danach zwei der zahlreichen Handlanger im Raum an. Mit drei beziehungsweise zwei Würfeln lande ich genügend Treffer. Auch im letzten Zug greift Nightwing mit drei Würfeln an. Damit ist ein Handlanger weniger, der Punktabzüge für Catwoman beim Entschärfen bedeuten würde. Mit vier Würfeln erziele ich genug Erfolge, um die Bombe zu entschärfen.</p>



<p class="has-text-align-right">Ich aktiviere einen meiner Grobiane, um Batman anzugreifen und erziele mit meinen drei Würfeln genug Erfolge, um Batman zwei Verletzungen zuzufügen. Außerdem initiiere ich das Event und kann wieder einige meiner Gehilfen ins Spiel holen – einfach um das Entschärfen zu erschweren. Im nächsten Zug aktiviere ich einige der Eulen und kann mit je zwei Würfeln zumindest Batman und Catwoman verletzen, aber nicht Nightwing. Im letzten Zug zeichnet sich mein Sieg schon ab und ich bewege nur noch einige Schläger, damit das Entschärfen der Bomben schwerer wird. Im letzten Zug werden zwei Sprengsätze vom Spielfeld genommen, doch zwei liegen noch. Damit haben die Schurken gewonnen.</p>



<p><em>Als seien sie verschränkt, können Batman und Catwoman zehn Sekunden vor Ablauf des Countdowns den Timer stoppen. In den meisten Fällen und Filmen wäre dies ein Moment des Triumphs. Aber die Helden wissen, dass sie versagt haben – nur wenige, sich ewig hinziehende Momente später hören sie zwei starke Detonationen. Die ganze Station zittert und bröckelt. Nur mit geübter Reaktionsgeschwindigkeit und ganz knapp können sie verhindern, bei dem Einsturz nicht begraben zu haben. Dieses Mal hat Bane gewonnen.</em></p>



<h2>Fazit</h2>



<p>Nach dieser Partie versuche ich ein Fazit zu ziehen. „Gotham City Chronicles“ ist ziemlich gut designt. Es basiert letztlich auf einem einfachen Spielprinzip: Figuren ziehen und mit Würfeln bestimmte Werte erreichen. Gleichzeitig bietet es viele Freiheiten die Richtungen selbst zu bestimmen und ist eben mehr als stupides Würfeln, weil ich meine Chancen einschätzen muss, weil ich überlegen muss, wie viele Würfel ich einsetzen soll. Auch das, was man im Videospielbereich als Balancing bezeichnet, ist sehr gut gelungen: Es gibt immer drei Helden, die stärker und vielseitiger sind. Allerdings sind es nur drei Helden und die wenig widerständigen Schurken sind ihnen siebenfach überlegen. Aber sie sind nicht nur schwächer, sondern können eben immer nur teilweise genutzt werden. Und weil sich die Kosten zur Aktivierung immer verschieben, muss ich auch gut überlegen, wie ich sie einsetze.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-18.jpg" alt="Impression aus &quot;Gotham City Chronicles&quot;" class="wp-image-3770" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-18.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-18-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-18-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-18-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/11/gcc-18-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Impression aus &#8220;Gotham City Chronicles&#8221;</figcaption></figure>



<p>Trotz des eigentlich simplen Spielprinzips braucht es eine Weile, um das Spiel komplett zu verstehen. Die Anleitung ist lang und nicht immer sehr eindeutig. Und dann braucht es mehrere Partien, um alle Möglichkeiten ausmachen zu können. Wie kann ich mich bewegen, wer ist für welche Aufgabe geeignet, wie gut stehen die Chancen, wie kann ich Ausrüstung nutzen? Das alles habe ich immer noch nicht ganz durchdrungen.</p>



<p>Insgesamt lohnt sich die Mühe aber, denn das Spiel ist stimmungsvoll und macht Spaß. Ich bin nicht überfordert von komplizierten Berechnungen und kann schnelle Entscheidungen treffen. Aber ich muss eben auch Entscheidungen treffen und bis mental gefordert. Aber vor allem fühle ich mich trotz der analogen Ausstattung wirklich wie in einem Abenteuer des Dunklen Ritters – und genau darum sollte es bei einem Batman-Spiel gehen.</p>



<p><em>&#8220;Gotham City Chronicles&#8221; wurde von Monolith Games entwickelt und produziert. Da es als Kickstarter finanziert wurde, ist es meist nur gebraucht zu erhalten.</em></p>



<p>Ein Beitrag zur Blogparade „<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.modell-hobby-spiel.de/neuigkeiten/blogparade-aus-freizeit-wird-freuzeit--deine-hobbies-2020/1178613" target="_blank">Aus Freizeit wird Freuzeit – Deine Hobbys 2020</a>“. Ihr habt auch alte Hobbys wiederentdeckt oder neue gefunden? Bis zum 20. November 2020 könnt ihr euren Blogbeitrag bei der modell-hobby-spiel einreichen und mit ein wenig Glück ein spannendes Spielepaket gewinnen!</p>
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		<title>Episode 13: Preise und Diversität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thilo]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Oct 2020 17:55:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buecherdiskussion]]></category>
		<category><![CDATA[buch]]></category>
		<category><![CDATA[buchpreis]]></category>
		<category><![CDATA[diversität]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[versroman]]></category>
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					<description><![CDATA[Jetzt noch länger und noch mehr Bücher: Wegen Corona-Verwerfungen und Arbeitsstress ist es Lara und mir nicht gelungen, die gleichen Bücher zu lesen. Deswegen gibt es stattdessen einen Rückblick – auf das vergangene Halbjahr und den Deutschen Buchpreis. Es sind seltsame Zeiten: Eine Stunde kann sich wie ein Monat und…<p class="continue-reading-button"> <a class="continue-reading-link" href="https://schraeglesen.de/episode-13-preise-und-diversitaet">Weiterlesen...<i class="crycon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Jetzt noch länger und noch mehr Bücher: Wegen Corona-Verwerfungen und Arbeitsstress ist es Lara und mir nicht gelungen, die gleichen Bücher zu lesen. Deswegen gibt es stattdessen einen Rückblick – auf das vergangene Halbjahr und den Deutschen Buchpreis.</strong></p>



<span id="more-3764"></span>



<script class="podigee-podcast-player" src="https://cdn.podigee.com/podcast-player/javascripts/podigee-podcast-player.js" data-configuration="https://schraeglesenhoch2.podigee.io/13-preise-und-diversitaet/embed?context=external"></script>



<p>Es sind seltsame Zeiten: Eine Stunde kann sich wie ein Monat und ein halbes Jahr wie gerade mal eine Woche anfühlen. Tatsächlich haben wir die vorherige Folge kurz vor der nicht stattgefundenen Leipziger Buchmesse und diese kurz nach der nicht stattgefundenen Frankfurter Buchmesse aufgezeichnet. </p>



<p>Damals wie heute hatten wir uns Bücher von der Liste der Nominierten ausgesucht. Leider hatten wir wegen Aufträgen und Redaktionsdiensten beide keine Zeit, die Bücher vor der Verleihung zu lesen. Wir haben uns daher einfach mal für einen anderen Modus entschieden: Ich habe in meiner Urlaubswoche drei Bücher gelesen und Lara hat drei Bücher mitgebracht, die sie bereits im Frühjahr und im Sommer gelesen hatte. Dabei hat sich gezeigt, dass Lara sehr viel wacher und fokussierter war als ich&#8230;</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2>Widerstände</h2>



<p>Wie jedes Jahr habe ich wieder viel weniger von der Longlist und auch von der Shortlist gelesen, als ich wollte. Allerdings sind mir gleich mehrere Bücher aufgefallen:</p>



<p>Lara und ich haben bereits &#8220;Kirio&#8221; von Anne Weber mit viel Vergnügen gelesen. Ich würde sogar soweit gehen, dass der Roman das Highlight meines Lesejahres 2017 war. Als ich dann erkannte, dass die Geschichte &#8220;Annette, ein Heldinnenepos&#8221; in Versen geschrieben ist, war ich ganz begeistert. Leider hat diese Freude nicht während der gesamten Lektüre angehalten. Denn Anne Weber erzählt zwar eine spannende Lebensgeschichte und fängt eindrückliche Momente ein, doch es fehlt der entsprechende Lesefluss der gebundenen Sprache.</p>



<p><em>Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/annette-ein-heldinnenepos.html" target="_blank">Matthes &amp; Seitz</a>, 208 Seiten</em></p>



<p>Deniz Ohde ist die diesjährige Debütantin der Shortlist und doch habe ich vor der Lektüre schon so viel von &#8220;Streulicht&#8221; gehört. Das liegt zum einen daran, dass ich sowohl bei der Verkündigung der Long- als auch der Shortlist bei MDR KULTUR beschäftigt war und dort vor allem auf lokale Autor*innen wie Deniz Ohde, die in Leipzig lebt, geachtet wird. Doch vielmehr zur Auswahl bewegt hat mich die Leseprobe, die so stimmungsvoll war, dass ich gleich weiterlesen wollte. Zwar gab es kurze Durststrecken, aber dennoch hat mich mein erster Eindruck nicht getäuscht.</p>



<p><em>Deniz Ohde: Streulicht, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.suhrkamp.de/buecher/streulicht-deniz_ohde_42963.html" target="_blank">Suhrkamp</a>, 284 Seiten</em></p>



<p>Als ich Lara diese Bücher vorgeschlagen hatte (hatte <em>ich </em>das?), empfahl sie als dazu passende Lektüre &#8220;Die Elenden&#8221; von Anna Mayr. Darin erzählt die Journalistin, die unter anderem für ZEIT, taz und Deutschlandfunk Nova arbeitet, von Armut und Arbeitslosigkeit. Vor allem letzteres hat sie persönlich als Kind erlebt. Ich muss sagen, dass mir dieses Buch, vor allem in seiner Länge nicht so viel gegeben hat, aber es war tatsächlich eine wunderbare Ergänzung zu &#8220;Streulicht&#8221;, weil beide Autorinnen, einmal aus mit der Fiktion und einmal mit Mitteln eines betroffenen Journalismus, etwas sehr Ähnliches erzählen. Deswegen habe ich die Bücher auch immer im Wechsel gelesen, sodass sich der Horizont wunderbar weiten konnte.</p>



<p><em>Anna Mayr: Die Elenden, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/die-elenden/978-3-446-26840-1/" target="_blank">Hanser Berlin</a>, 208 Seite</em></p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2>Perspektiven</h2>



<p>Eine Debatte, die ich rund um den Buchpreis verfolgt habe, drehte sich um Diversität. Wie gut sind die Perspektiven von nicht-heterosexuellen, nicht-trans, nicht-weißen Menschen vertreten. Schwach, sagen einige. Lara hat das mit ihrer Auswahl ausgeglichen.</p>



<p>Schon seit fast einem Jahr betreibt Lara einen viel verlässlicheren und ungewöhnlicheren Podcast als diesen hier: <a rel="noreferrer noopener" href="https://mimimikollektiv.wordpress.com/mimimi-podcast/" target="_blank">mimimi.podcast</a>. In jeder Folge wird ein Thema auseinander genommen und vor allem die Schattenseiten beleuchtet, wobei es oft um Kapitalismus und Machtverhältnisse geht. Dieser Blick auf die Welt halt Lara vermutlich auch zu diesem Buch geführt, vielleicht auch durch die Empfehlung von <a href="https://schraeglesen.de/episode-1-lieblingsbuecher">Chimamanda Ngozi Adichie</a>: &#8220;Süßwasser&#8221; von Akwaeke Emezi. Emezi identifiziert sich als transgender und non-binary. Der Debütroman erzählt geschickt von einer Person mit mehreren Persönlichkeiten, die in Nigeria und New York aufwächst und auch viele dunkle Phasen durchmacht. </p>



<p><em>Akwaeke Emezi: Süßwasser, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.luebbe.de/eichborn/buecher/sonstige-belletristik/suesswasser/id_6639262" target="_blank">Eichborn</a>, 288 Seiten</em></p>



<p>Schon als wir mit dem Podcast begonnen haben, hat uns Maggie Nelson begleitet. Denn bereits damals hat Lara vorgeschlagen &#8220;Bluets&#8221; zu lesen. Aus sprachlichen Gründen war mir das damals zu kompliziert, außerdem wollte ich das Buch für unser Farben-Special aufheben, das sicherlich irgendwann kommen wird (jetzt gibt es kein zurück mehr). Stattdessen <a href="https://schraeglesen.de/episode-4-sex-und-geschlechter">haben wir später &#8220;Argonauten&#8221; gelesen</a>, was etwas kompliziert war. Als ich &#8220;Red Parts&#8221; im Buchladen gesehen habe, musste ich sofort an Lara denken. Sie hat das Buch tatsächlich gelesen. Maggie Nelson erzählt darin von einem Prozess, bei dem nach Jahren der Mord an ihrer Tante verhandelt wird. Lara war wie immer beeindruckt und begeistert.</p>



<p><em>Maggie Nelson: The Red Parts. Autobiography of a Trial, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.penguin.co.uk/books/111/1112922/the-red-parts/9781784705794.html" target="_blank">Penguin</a>, 224 Seiten<br>auf Deutsch: Die roten Stellen. Autobiographie eines Prozesses, übersetzt von Jan Wilm, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/die-roten-stellen/978-3-446-26591-2/" target="_blank">Hanser Berlin</a>, 224 Seiten</em></p>



<p>Die letzte Publikation stellt eine Ausnahme dar, denn Lara hat sich kein Buch im engeren Sinne ausgesucht, sondern das Literaturmagazin Literarische Diverse, auf das sie via <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/literarischediverse/" target="_blank">Instagram</a> gestoßen ist (der Kanal ist sehr zu empfehlen, sagt Lara). Seit Anfang des Jahres gibt Yasemin Altınay das Magazin heraus, dessen Titel Programm ist. Es gibt einen Open Call zu einem bestimmten Thema, zu dem jede*r etwas einreichen kann, wobei Beiträge von nicht-weißen und LGBTQI+-Kunstschaffenden besonders ermutigt werden. So will das Magazin denen eine Stimme verschaffen, die zum Beispiel beim Deutschen Buchpreis kaum repräsentiert werden. Mit Erfolg, meint Lara.</p>



<p><em>Das Magazin kann über die <a href="https://www.literarischediverse.de/shop/zwei/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Homepage</a> bestellt werden. </em></p>
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		<title>Theater lesen &#8211; wie geht das?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thilo]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Oct 2020 15:45:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Themenreihe]]></category>
		<category><![CDATA[Theater lesen]]></category>
		<category><![CDATA[Theatertexte]]></category>
		<category><![CDATA[Thema: Theater!]]></category>
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					<description><![CDATA[In meinem ersten &#8220;Theater lesen&#8221;-Beitrag hab ich euch hoffentlich alle davon überzeugt, dass es sich lohnt, Theatertexte zu lesen. Aber wie soll das eigentlich gehen? Hier habe ich ein paar Tipps für euch. Wie liest man eigentlich Theatertexte? Die Antwort ist fast schon frech einfach: Einfach ein Buch aufschlagen und…<p class="continue-reading-button"> <a class="continue-reading-link" href="https://schraeglesen.de/theater-lesen-wie-geht-das">Weiterlesen...<i class="crycon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>In meinem <a href="https://schraeglesen.de/theater-lesen-warum-sollte-man-das-tun">ersten &#8220;Theater lesen&#8221;-Beitrag</a> hab ich euch hoffentlich alle davon überzeugt, dass es sich lohnt, Theatertexte zu lesen. Aber wie soll das eigentlich gehen? Hier habe ich ein paar Tipps für euch. </strong></p>



<span id="more-3758"></span>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/10/Theaterlesen_Wie_07102020.jpg" alt="" class="wp-image-3760" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/10/Theaterlesen_Wie_07102020.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/10/Theaterlesen_Wie_07102020-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/10/Theaterlesen_Wie_07102020-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/10/Theaterlesen_Wie_07102020-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/10/Theaterlesen_Wie_07102020-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>



<p>Wie liest man eigentlich Theatertexte? Die Antwort ist fast schon frech einfach: Einfach ein Buch aufschlagen und lesen, sagt der Dramatiker Daniel Mezger. Sein Kollege Robert Wölfl meint: „Das Schwierigste ist diese Schwelle, über die man treten muss, weil man immer gehört hat, dass Theatertexte nicht dazu da sind gelesen, sondern auf einer Bühne gesprochen zu werden. Aber das stimmt überhaupt nicht!“ Autor Lukas Bärfuss ist dagegen davon überzeugt, dass seine Theatertexte sogar zum Lesen gedacht seien, denn auch Schauspieler*innen und Regisseur*innen sind erstmal Lesende. Roland Schimmelpfennig hingegen widerspricht dem und meint, dass es erst ein wenig Training bräuchte. (Das reicht jetzt aber mit dem Namedropping, dazu folgt später noch mehr.)</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2>Gespür fürs Theater</h2>



<p>Tatsächlich ist etwas Erfahrung nötig, um Theater lesen zu können. Aber ich bin mir sicher, dass jeder, der diesen Text hier liest, eine gewisse Begeisterung für das Theater mitbringen dürfte. Vielleicht ist es dann auch am einfachsten, mit einem Stück anzufangen, das man schon im Theater gesehen hat. So fällt es leichter diesen Übersetzungsprozess, der bei einem Theaterstück dazugehört, in der eigenen Vorstellung vollziehen zu können. </p>



<p>Dazu eine längere Antwort von &#8220;Theater der Zeit&#8221;-Chefredakteurin Dörte Eilers: </p>



<blockquote class="wp-block-quote"><p>„Das muss man immer mitlesen, dass diese Texte nicht als Lesetexte geschrieben worden. Das ist dann auch die Schwierigkeit, dass sie wie so eine Art musikalische Partitur funktionieren. Bestenfalls enthält ein guter Theatertext Lücken, in deren Freiraum sich ein Ensemble oder ein Regisseur oder eine Regisseurin austoben kann. Für mich ist es das größte Glück, wenn beim Lesen eines Theatertextes sofort ein Art Kopftheater anfängt zu wirken und man sich schon vorstellen könnte, wie diese Sprache, dieser Dialog oder auch diese Textfläche dann auf der Bühne aussehen könnte. Das ist ein großer Vorteil bei Theatertexten, dass diese Lücken da sind, dass sie nicht ganz fertig sind, nicht ganz so dicht sind, wie vielleicht eine Kurzgeschichte oder ein Romantext. Das ist teilweise so, als ob man einem Menschen begegnet, der einen emotional oder auch intellektuell plötzlich in Flammen setzt.“ </p></blockquote>



<p>Das ist eben genau das, was ich am Theater lesen so reizvoll finde: Es ist ein aktives Lesen, das von mir noch eigene Ideen fordert, aber eben auch anregt.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2>Auf den Text verlassen</h2>



<p>Das klingt jetzt total anstrengend, als müssten sich die Leser*innen erstmal hinsetzen und Kostüme, Bühnenbild und alles andere entwerfen. Regisseure und Ausstatter werden ja nicht <em>nur</em> aus Liebenswürdigkeit bezahlt, das ist Arbeit. Aber beim Lesen muss das nicht ausgegoren sein. Der Tipp, einfach loszulesen, bedeutet auch, sich auf den Text zu verlassen, denn da steht oft schon alles Wichtige drin.</p>



<p>Dabei hat sich das Drama in den vergangenen Jahrhunderten natürlich verändert: Bei Shakespeare stehen alle wichtigen Informationen in der Figurenrede, bei Ibsen beginnen die Stücke mit einer langen Beschreibung, wo wir uns gerade befinden. Heute sind die Dramen sehr vielfältig, erklärt auch Torsten Buß, der Chefdramaturg des Leipziger Schauspiels: </p>



<blockquote class="wp-block-quote"><p>„Wenn man an Elfriede Jelinek auch an Katja Brunner denkt: das sind Autorinnen, die sehr stark mit Flächen arbeiten, mit Texten im Blocksatz. Da muss man rauszukriegen: Was ist die grundlegende Stimmung dieses Textes? Wenn man sich aber ein Theaterstück durchliest, das auf Rollen, also Figuren, geschrieben ist, merkt man ja gleich, dass es vielmehr um eine Figur und Psychologie geht. Da ist man dann auf der Spur: Was ist diese Psychologie? Was ist das, was zwischen den Zeilen steht? Was ist die Energie, die sich zwischen diesen Figuren abspielt?“</p></blockquote>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2>Lest laut!</h2>



<p>Laut Robert Wölfl hilft es auch sehr, die Texte laut zu lesen. Ich merke sogar, dass ein guter Theatertext mich regelrecht dazu zwingt. Denn es ist keine Sprache, die etwas erklärt, sondern Sprache mit Klang und Rhythmus, der durch einen Körper gehen muss. Lukas Bärfuss hat dazu auch noch einen sehr praktischen Tipp: „Man sollte einfach die Personen nicht lesen. Wenn das Stück gut geschrieben ist, dann begreift man, wer spricht.“ Weil jede Figur ihren eigenen Sound hat und man sich nur auf den Text verlassen muss.</p>



<p>Ich hoffe, euch hat dieser zweiteilige Beitrag etwas Mut gemacht, auch mal einen Theatertext zu lesen. Ich verspreche euch, wenn ihr euch darauf einlasst, dann werdet ihr beim Lesen auch mal von der Couch aufspringen und beim Lesen wild herumlaufen. Ihr könnte euch auch mit Freund*innen treffen und zusammen einen Text lesen. Denn Theatertexte sind eine wunderbare Form, wirklich zusammen zu lesen. Und ich hoffe, dass ich bei meiner nächsten Bahnfahrt (hier lese ich am liebsten) höre, wie jemand halblaut einen Monolog deklamiert, weil er sich ganz vom Theater(text) ergreifen lässt.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2><strong>6 Tipps beim Theater lesen</strong></h2>



<ul><li>Etwas Theatererfahrung ist hilfreich</li><li>Mut, um die Leerstellen mit eigenen Assoziationen auszufüllen</li><li>Sich ganz auf den Text verlassen – alles Wichtige steht drin</li><li>Schenkt dem Nebentext nicht zu viel Aufmerksamkeit</li><li>Es ist Text zum Vorlesen – Traut euch auch mal laut zu sein!</li><li>Lest gemeinsam – das kann wirklich Spaß machen und bringt zusammen</li></ul>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator is-style-default"/>



<h2>Beiträge zum Thema &#8220;Theater!&#8221;</h2>



<ul><li>Startbeitrag: <a href="https://schraeglesen.de/startbeitrag-themenreihe-theater">Vorhang auf für die Themenreihe &#8220;Theater!&#8221;</a> (Caecilia / Thilo)</li><li>Literatur: <a href="https://schraeglesen.de/theater-lesen-warum-sollte-man-das-tun">Theater lesen &#8211; warum sollte man das tun?</a> (Thilo)</li><li>Literatur: <a href="https://schraeglesen.de/theater-lesen-wie-geht-das">Theater lesen &#8211; wie geht das?</a> (Thilo)</li></ul>
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		<title>Theater lesen – warum sollte man das tun?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thilo]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Oct 2020 09:20:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchbesprechungen]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Themenreihe]]></category>
		<category><![CDATA[Drama]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Theater lesen]]></category>
		<category><![CDATA[Thema: Theater!]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich liebe es Dramen zu lesen. Denn Theatertexte folgen anderen Regeln und halten sie dann nicht immer ein. Deswegen erfordert Theater lesen Hingabe und vielleicht auch etwas Training. Warum ihr die Texte trotzdem lesen solltet, erkläre ich hier.<p class="continue-reading-button"> <a class="continue-reading-link" href="https://schraeglesen.de/theater-lesen-warum-sollte-man-das-tun">Weiterlesen...<i class="crycon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Ich liebe es Dramen zu lesen. Denn Theatertexte folgen anderen Regeln und halten sie dann nicht immer ein. Deswegen erfordert Theater lesen Hingabe und vielleicht auch etwas Training. Warum ihr die Texte trotzdem lesen solltet, erkläre ich hier.</strong></p>



<span id="more-3754"></span>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/10/titelbild.jpg" alt="" class="wp-image-3755" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/10/titelbild.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/10/titelbild-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/10/titelbild-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/10/titelbild-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/10/titelbild-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Beim Theater lesen kann man die Bühne selbst bespielen. Foto: Keo Oran on <a href="https://unsplash.com/s/photos/theater?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></figcaption></figure>



<p>Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie vor einigen Jahren mit großer Erwartung das Harry Potter-Theaterstück erschienen ist? Plötzlich haben sich alle ein Theaterstück in Textform gekauft, weil sie unbedingt wissen wollten, was nun aus ihren Lieblingsfiguren geworden ist. Ich hatte die große Hoffnung, dass auf einmal alle entdecken, wie großartig es sein kann, Theatertexte zu lesen. Leider war das eine herbe Enttäuschung – nicht zuletzt weil „Das verwunschene Kind“ keine gute Geschichte und noch weniger ein gutes Theaterstück ist. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, mehr Leute zu begeistern. Das will ich hier mal Stück für Stück versuchen: Ich will erklären, warum es sich lohnt, welche Theaterstücke veröffentlicht werden und wie man Theaterstücke am besten lesen kann. Falls euch das jetzt schon zu lang wird: Am Ende gibt es eine Zusammenfassung.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2>Theatertexte bestehen aus Leerstellen</h2>



<p>Viele Leute sind erstmal abgeschreckt von der Idee, ein Theaterstück einfach zu lesen, wo es doch dafür gemacht ist, dass ich es als einfache Rezipient*in einfach auf der Bühne sehe. Andere sehen dann vielleicht, dass es einen ganz anderen Blick auf einen Theaterbesuch ermöglicht, wenn man das Stück auch liest. Sie sind dann aber von der Form abgeschreckt, die alle Erklärungen ausspart und vieles der eigenen Interpretation überlässt. (Das begeistert mich am Theater lesen übrigens am meisten, aber ich will nicht vorgreifen.)</p>



<blockquote class="wp-block-quote"><p>„Das Lesen von Theatertexten ist gar nicht so einfach, weil das kein lustbetontes Lesen ist, wie das Lesen von Literatur. Theatertexte sind in der Anlage unvollständige Kunstwerke, weil sie viel Platz lassen müssen für Schauspieler*innen, deren Interpretation, deren Körperbewegung im Raum, die Ideen der Regie. Ein guter Theatertext ist nur ein Teil von etwas ganzem, was man sich beim Lesen dazu vorstellen muss. Das will geübt sein. Ich habe großen Respekt davor, wenn jemand sagt, er macht das sehr gerne. Denn ich finde es tatsächlich sehr anstrengend.“ </p></blockquote>



<p>Das erzählt Friederike Emmerling. Sie ist Lektorin bei S. Fischer und bei dem Verlag für die Abteilung Theater verantwortlich. Wenn das schon eine Expertin, eine professionelle Leserin sagt, kann man zu Recht fragen, wozu sich die Mühe lohnt.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2>Theatertexte sind verdichtete Sprachkunstwerke</h2>



<p>Dankenswerter beantworten der Fischerverlag und Friederike Emmerling diese Frage selbst. Im Nachwort zur ersten Ausgabe der „Dramatischen Rundschau“ (die die Reihe „Theater Theater“ ablöst) schreiben die Herausgeber*innen: </p>



<blockquote class="wp-block-quote"><p>„Leider wird zeitgenössische Dramatik kaum noch gelesen. Dabei passen Umfang und Form eigentlich perfekt in unsere Hocheffizienzgesellschaft. Theaterstücke erinnern in ihrer Geschlossenheit an Kurzgeschichten, in ihrer Komplexität an Romane, in ihrer Sprache an Lyrik und in ihrer politischen Dichte an Essays. Das Drama ist nicht weniger als ein literarisches Gesamtkunstkonzentrat.“ </p></blockquote>



<p>Das fasst es so gut zusammen, dass ich es am liebsten auf Postkarten drucken möchte und in jeder Buchhandlung verteilen will. Es beschreibt genau das, was ich an Theatertexten so sehr liebe.</p>



<p>Ich versuche es mal konkreter und beispielhaft auszuführen: Anstatt eine Begegnung seitenlang zu beschreiben, passiert sie im Theater einfach und jede Erklärung – wie ist die Stimmung, das Verhältnis usw. – erklärt sich in kurzen Stichworten und der wörtlichen Rede. Während ein Roman immer überlegen muss, welche Perspektive er benutzt, ist das Theaterstück schon in der Anlage multiperspektivisch, weil jede Figur für sich spricht. Und weil Theater immer lebendig ist, müssen sich die Autor*innen immer überlegen, wie sie die Welt darstellen und können viel mehr gleichzeitig machen, während in Lesetexten meist alles nacheinander passiert. Theater lesen ist daher auch immer schräges Lesen – und das finde ich natürlich großartig und macht mir Spaß.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2>Zeitzeugnisse des Theaters</h2>



<p>Theatertexte zu lesen hilft aber auch dabei das Theater selbst besser zu verstehen. Denn wie schon angedeutet spielen Dramatiker*innen gerne mal mit der Form: Miroslava Svolikova oder Wolfram Höll schreiben die Figur nicht einfach immer davor, sondern sortieren sie in einer Art Tabelle. Thomas Melle hat in „Ode“ Teile des Textes rechts- oder linksbündig aufgeschrieben je nachdem, wo er den Text politisch verortete. ferdinand schmalz schreibt in seine Texte gerne Pausen. Bei der Uraufführung von „der herzerlfresser“ wurden die mit Herzschlägen übersetzt. „Es ist ein musikalisches Lesen, gerade bei anspruchsvolleren Theatertexten in dem Sinne, dass die Dramen nicht unbedingt psychologisch realistisch angelegt sind, sondern dass man tatsächlich auf Rhythmus guckt“, sagt Emmerling.</p>



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<h2>Sprachkunstwerke</h2>



<p>„Da ist eine große Konzentration erstmal auf die Sprache“, sagt Dörte Eilers. Als Chefredakteurin des Fachmagazins „Theater der Zeit“ sucht sie jeden Monat einen Theatertext aus, den sie abdruckt. „Es beeinflusst unsere Suche nach Theaterstücken, dass ich immer froh bin, wenn ich Texte finde, die auch mit Sprache spielen, die auch eine poetische Sprache versuchen.“ Dafür nennt sich Thomas Köck und Thomas Freyer, deren Stücke immer etwas Lyrisches haben. Auch bei Stücken von Elfriede Jelinek kann es sehr fruchtbar sein, nochmal etwas zu lesen. Denn diese Textflächen sind so dicht, dass man beim ersten Mal kaum alles verstehen kann.</p>



<p>Gerade bei Jelinek ist auch die Regie immer gefordert, sich zu überlegen, wie der Text auf die Schauspieler*innen verteilt werden kann. Ein Blick in den Text zeigt dann, welche Entscheidungen die Regie treffen könnte. Ich lese Stücke beispielsweise gerne vor der (Ur-)Aufführung, damit ich mich mehr auf die Regie konzentrieren kann. „Ich sehe, wenn ich ein bisschen geübt bin, in dem Text die Möglichkeiten, die diese spezielle Regie nicht nicht oder ganz anders als erwartet ausgeschöpft hat. Selbst ich, die ich viel ins Theater gehe, bin manchmal völlig überrascht, was eine Regie in einem Text gesehen oder was sie daraus gemacht hat – teilweise auch davon, was sie nicht in einem Text gesehen hat. Aber das ist natürlich das Großartige am Theater“, sagt Friederike Emmerling. Die Leerstellen lassen nämlich viel mehr Raum für Interpretationen.</p>



<p>Darüber diskutiert auch Emmerling mit ihren Kolleg*innen, wenn sie überlegen, welchen Text sie ins Programm nehmen. Denn natürlich eignet sich nicht jeder Text für das Lesen. Dörte Eiler nennt als Extrembeispiel „Murmel Murmel“ von Dieter Roth, das nur aus der ständigen Wiederholung des Titels besteht. Eiler erzählt, dass es schon oft Texte gab, die sie nach wenigen Seiten weggelegt hat, „was jedoch nicht heißen muss, dass es kein guter Text für das Theater ist.“</p>



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<h2>Welche Stücke werden veröffentlicht</h2>



<p>Auf die Frage, was ein Text für einen Abdruck in ihrem Magazin mitbringen muss, kommt &#8220;Theater der Zeit&#8221;-Chefredakteurin Dörte Eiler wieder auf die Sprache zurück. Denn natürlich bleibt ohne Bühne, Licht und Kostüme fast nur noch die Sprache. Für Lektorin Friederike Emmerling ist außerdem noch die Relevanz ein Kriterium, also wie wichtig das Thema ist, dass im Stück eingeschrieben ist.</p>



<p>Da noch nicht so viele Menschen davon überzeugt sind, Theaterstücke zu lesen, ist das Veröffentlichen von Theaterstücken momentan noch eher ein Verlustgeschäft. Deswegen überlegt sich ein Theaterverlag gut, welche Stücke ihren Weg in die Läden finden. Ein wichtiger Aspekt ist der Bekanntheitsgrad der Autor*in. Stücke von J.K. Rowling oder Ferdinand von Schirach erscheinen gleich im Hardcover &#8211; obwohl es vieleicht auch nicht die besten Texte sind. Auch Roland Schimmelpfennig wird immer wieder abgedruckt, immerhin gilt als meistgespielter Dramatiker der Gegenwart. Dann ist es aber auch ein Ausdruck von Wertschätzung für die Schriftsteller*in. Zwar ist es am wichtigsten, dass das Stück gespielt wird, aber ein Buch ist auch eine Auszeichnung. Für Dörte Eilers geht es bei den Stückabdrucken daher vor allem darum, den Blick auf gute Autor*innen zu lenken. Außerdem sollen die Leser*innen auch an Entwicklungen der Dramatik teilhaben, wenn sie nicht wie die großen Kritiker*innen durch die ganze Republik fahren können.</p>



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<h2>Die Zusammenfassung:</h2>



<p><strong>Warum werden Theatertexte veröffentlicht?:</strong></p>



<ul><li>Gegenwartsdramatik sichtbar machen</li><li>Themen und Entwicklungen der jungen Dramatik aufzuzeigen</li><li>Als Wertschätzung für produktive Autor*innen</li><li>Manchmal verspricht der Ruhm der Autor*innen doch Absatz, obwohl die Form so unpopulär ist</li></ul>



<p><strong>Warum sollte ich einen Theatertext lesen?</strong></p>



<ul><li>Weil es dichte Texte sind</li><li>Weil sie Roman, Essay, Kurzgeschichte und Langgedicht gleichzeitig sein können</li><li>Weil es Sprachkunstwerke sind</li><li>Weil es Zeitzeugnisse des Theaters sind</li></ul>



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<h2>Beiträge zum Thema &#8220;Theater!&#8221;</h2>



<ul><li>Startbeitrag: <a href="https://schraeglesen.de/startbeitrag-themenreihe-theater">Vorhang auf für die Themenreihe &#8220;Theater!&#8221;</a> (Caecilia / Thilo)</li><li>Literatur: <a href="https://schraeglesen.de/theater-lesen-warum-sollte-man-das-tun">Theater lesen &#8211; warum sollte man das tun?</a> (Thilo)</li><li>Literatur: <a href="https://schraeglesen.de/theater-lesen-wie-geht-das">Theater lesen &#8211; wie geht das?</a> (Thilo)</li></ul>



<p></p>
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		<title>Vorhang auf für die Themenreihe &#8220;Theater!&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Caecilia]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Sep 2020 14:15:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Themenreihe]]></category>
		<category><![CDATA[Verspielte Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Spiel im Spiel]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
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					<description><![CDATA[Theaterbetriebe haben es in diesem Jahr nicht leicht: Erst der Lockdown, jetzt dürfen Theaterhäuser nach der Spielzeitpause nur mit zahlreichen Einschränkungen in den Spielbetrieb zurückkehren. Auch wir wollen nach längerer Ruhephase unseren Blog wieder etwas beleben und widmen unsere erste Themenreihe nach langer Zeit gleich unserem geliebten Studienfach. Vorhang auf für unsere Herbst-Themenreihe: Theater!<p class="continue-reading-button"> <a class="continue-reading-link" href="https://schraeglesen.de/startbeitrag-themenreihe-theater">Weiterlesen...<i class="crycon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
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<p><strong>Theaterbetriebe haben es in diesem Jahr nicht leicht: Erst der Lockdown, jetzt dürfen Theaterhäuser nach der Spielzeitpause nur mit zahlreichen Einschränkungen in den Spielbetrieb zurückkehren. Auch wir wollen nach längerer Ruhephase unseren Blog wieder etwas beleben und widmen unsere erste Themenreihe nach langer Zeit gleich unserem geliebten Studienfach. Vorhang auf für unsere Herbst-Themenreihe: Theater!</strong></p>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" width="1000" height="700" src="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/09/Startbeitrag_Theater_24092020.jpg" alt="" class="wp-image-3750" srcset="https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/09/Startbeitrag_Theater_24092020.jpg 1000w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/09/Startbeitrag_Theater_24092020-300x210.jpg 300w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/09/Startbeitrag_Theater_24092020-768x538.jpg 768w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/09/Startbeitrag_Theater_24092020-214x150.jpg 214w, https://schraeglesen.de/wp-content/uploads/2020/09/Startbeitrag_Theater_24092020-150x105.jpg 150w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>



<p>“Sind Theater systemrelevant?” &#8211; dieser Frage mussten sich Kulturschaffende in diesem Jahr immer wieder stellen. Die Angst um die eigene Existenz ist groß, die erhoffte Antwort bleibt aus. Und auch wir können &#8211; wollen &#8211; diese Frage nicht beantworten. Das wäre erstens viel zu ausufernd und würde zweitens niemandem behilflich sein. Als Theaterwissenschaftler steht für uns aber fest: Ein Leben ohne Theater ist möglich, aber sinnlos. Dass es allerdings durchaus viele Möglichkeiten gibt, der Theater-Leidenschaft von zuhause nachzugehen &#8211; das wollen wir euch mit unserer neuen Themenreihe “Theater!” beweisen. Holt eure Dramentexte und Videospielkonsolen raus: Die Vorstellung beginnt!</p>



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<h2>Thilo: Theater lesen</h2>



<p>Lesen oder doch lieber ins Theater gehen? Manchmal mag ich mich einfach nicht entscheiden. Stattdessen mache ich einfach beides. Das bedeutet nicht, dass ich mich mit einem Buch in die letzte Reihe setze. Ich lese Theaterstücke – und zwar schon seit Jahren mit viel Begeisterung.</p>



<p>Ich glaube, es fing während meiner Pubertät an, als ich mich wie jeder angehende Intellektuelle (ich übertreibe) entscheiden musste, ob ich eher der Schiller- oder der Goethe-Typ bin. Ich habe mich für Schiller entschieden, weil ich das Wilde in seinen Texten einfach mehr mag. Da habe ich mich auch für die Räuber begeistert, im Theater gesehen und natürlich: gelesen. Das ging einigermaßen gut, weil der Text als Lesedrama geschrieben wurde. Danach habe ich Shakespeare für mich entdeckt, dessen Stücke einen so tollen Rhythmus haben, dass man sofort losspielen will. Ich kann mich erinnern, einmal die halbe Nacht “Der Sturm” gelesen zu haben. Eigentlich wollte ich mich damit nur etwas müde machen, aber es hat mich dann doch bis zum vierten Akt gefesselt.</p>



<p>Ich bin ganz begeistert davon, Theater zu lesen. Weil es so viel Freiräume für eigene Vorstellungen lässt. Weil es gerade so viel ausspart, sich sehr schnell lesen lässt, und ich mich genau mit dem hohen Tempo in den Text werfen kann, wie ich es liebe. Doch immer wenn ich jemandem davon erzähle, ernte ich irritierte oder skeptische Blicke: “Das ist doch total umständlich das zu lesen”, heißt es. Deswegen möchte zu Beginn einige Stimmen vorstellen, die erklären, wie toll das Lesen von Theaterstücken ist und vielleicht auch einige Tipps geben. Und ansonsten gibt es viele Tipps für zeitgenössische Dramatik, die sich zu lesen lohnt.</p>



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<h2>Caecilia: Theater ist auch nur ein Spiel</h2>



<p>“Was haben Videospiele eigentlich mit Theater zu tun?” &#8211; Als ehemalige Studentin der Theaterwissenschaft hat mich diese Frage über meine gesamte Studienzeit geradezu erfolgt. Gegenüber meinen Professoren musste ich mich so oft für meinen ungewöhnlichen “Videospiel-Themen” rechtfertigen, dass ich mittlerweile sofort in eine Art Verteidigungsmodus verfalle, sobald ich nur die Worte “Theater” und “Videospiel” in einem Satz höre. Ein Großteil meiner Dozierenden hatte zuvor wahrscheinlich noch nie ein Videospiel in der Hand gehabt.&nbsp;</p>



<p>Dabei liegt die Verbindung doch auf der Hand: Theater<em>spiel</em>, Video<em>spiel</em> &#8211; das Wort “Spiel” schreit doch geradezu nach einer ähnlichen Betrachtungsweise. Beide bauen auf Regelsystem auf, das erst durch Feedback-Schleifen wirklich am Leben gehalten wird. Auch im Videospiel schlüpft der Spieler durch seinen Avatar gewissermaßen in andere Rollen. Klassiker wie “Final Fantasy VI” haben sogar kleine Theateraufführungen in ihre Handlung eingebaut und auch umgekehrt hat das Medium “Videospiel” in Theaterinszenierungen längst Einzug gefunden &#8211; um nur einige der vielen Verbindungspunkte zu nennen.&nbsp;</p>



<p>Ich bleibe dabei: Theater haben mit Videospielen mehr gemein, als viele auf den ersten Blick denken. Und ein gutes hat der antrainierte Verteidigungsmodus auch: Über die Jahre habe ich so viele Argumente sammeln können, dass es mir jetzt nicht schwer fallen dürfte, ein paar spannende Beiträge zusammen zu basteln. Wäre ja auch zu schade, wenn ich die jetzt nach meinem Studium nicht mehr verwenden könnte.</p>



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<h2>Beiträge zum Thema &#8220;Theater!&#8221;</h2>



<ul><li>Startbeitrag: <a href="https://schraeglesen.de/startbeitrag-themenreihe-theater">Vorhang auf für die Themenreihe &#8220;Theater!&#8221;</a> (Caecilia / Thilo)</li><li>Literatur: <a href="https://schraeglesen.de/theater-lesen-warum-sollte-man-das-tun">Theater lesen &#8211; warum sollte man das tun?</a> (Thilo)</li><li>Literatur: <a href="https://schraeglesen.de/theater-lesen-wie-geht-das">Theater lesen &#8211; wie geht das?</a> (Thilo)</li></ul>
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