Galaktische Reisen in die Vergangenheit

Videospiele sind zu einfach geworden. Leichte Boss-Gegner, kurze Level, massenhaft Speicherpunkte – wo ist da die Herausforderung vergangener Klassiker geblieben? Wo bleibt der Nervenkitzel, wenn mich eine Niederlage höchstens zwei Minuten im Spiel zurückwirft? Auf die Empfehlung eines Freundes hin, habe ich mich einmal wieder in vergangene Zeiten versetzen lassen und habe mit “Galagan’s Island: Reprymian Rising” einen schier unmöglichen Kampf gegen die Galaxie geführt…

 

Habt ihr schon einmal ein Arcade-Game gespielt? Und ich rede jetzt nicht von irgendwelchen billigen Nintendo-Remakes à la “Donkey Kong”, sondern von Originalfassung von etwa “Asteroids” oder “Space Invaders” (sei es nun auf einem Emulator oder einem Spielhallenautomaten). Wenn ja, dann wisst ihr vielleicht wie schwer diese Videospiele mal waren; wie unmöglich es ist, ein solches Spiel auch zu Ende zu bringen. Ich zumindest durfte das vor zwei Jahren im Berliner Computerspielemuseum an einem alten “Asteroids”-Automaten selbst herausfinden: An dem hätte ich zwar Stunden verbringen können – im Grunde bin ich im Level aber immer auf einem Stand von fünf Minuten hängen geblieben. Eine Niederlage, schon wirft einem das Spiel wieder komplett an den Anfang zurück und man versucht sein Glück von Neuem. (An sich ein clevere Verkaufsstrategie. Mit jedem neuen Versuch musste man nämlich ursprünglich eine neue Münze einwerfen. Wer weiß wieviel Geld ich in dem Automaten gelassen hätte, wenn der Münzeinwurf im Museum abgestellt worden wäre.)
 

Zurück in die Vergangenheit

Wenn ihr ein Arcade-Spiel noch nie getestet habt, dann könnt ihr entweder jetzt in den nächsten Zug nach Berlin steigen und euch dort im Computerspielmuseum selbst vom unfairen Schwierigkeitsgrad überzeugen lassen. Ihr könnt euch im Internet einen beliebigen Emulator herunterladen – oder ihr probiert euch zunächst einmal an “Galagan’s Island: Reprymian Rising”. Mit dem Indie-Game hat Entwickler Skinny Jean Death Studios nämlich einmal versucht, die alten Arcade-Shooter wiederauferstehen zu lassen.
 


schraege Info:
Hinter dem Entwicklerstudio Skinny Jean Death Studios und Publisher Forever Humble PDX stecken dieselben Personen: Nicholas Cunningham und sein Sohn Jonathan Cunningham. Gegründet wurde Skinny Jean Death Studios aber von dem 14-jährigen Jonathan.


 
Und genau das macht der Space-Shooter dann auch: Ganz im Stil klassischer Arcade-Shooter steuert der Spieler eins, zwei Raumschiffe durch eine zweidimensionale Galaxie, schießt gegnerische Flotten und Monster ab – um dann zum Ende eines Levels noch den Endboss zu besiegen. Vorausgesetzt man schafft es überhaupt so weit. Die Gegner häufen sich nämlich gerade am Anfang eines Level so extrem, dass ich nicht wusste wo ich überhaupt zuerst hinschießen sollte. Das Ganze artete dann meist in ein wahlloses Umhergeschieße aus, bei dem ich einfach nur irgendwie hoffe, so lange wie möglich zu überleben.

GalagansIsland2

Bis zum 22. Level habe ich es zwar nie geschafft. So chaotisch sah es in meinen Augen aber auch schon im 3. Level aus.

Klassisch ist übrigens auch die Steuerung, die mich in vielen Zügen an “Asteroids” erinnert hat: Anders als bei “Space Invaders” kann das Schiff nämlich nicht nur nach rechts und links bewegt werden, während sich die gegnerischen Flotten diesem Schritt für Schritt von oben nähern. In “Galagan’s Island” kann der Spieler sein Raumschiff eben auch noch oben beschleunigen, wohingegen die gegnerischen Flotten von oben und unten herbeiströmen. Beschleunigt der Spieler nicht mehr, fällt das Schiff wieder “nach unten ab” (Es sei denn, er hält die Position durch einen seperaten Tastendruck). Andere Tasten ermöglichen zum Beispiel einen Extra-Schub, Ausweichen – und noch einige andere Funktionen, die ich zumeist eh nicht genutzt habe, da ich viel zu sehr mit Ausweichen beschäftigt war.
 

Zurück in die Zukunft

Anders als “Asteroids”, das mit seiner Vektor-Grafik “nur” weiße Linien über den Monitor zu ziehen vermochte (die waren aber ihre Zeit erstaunlich scharf gestochen – das aber nur am Rande), ist auch “Galagan’s Island” grafisch eindeutig ein Kind der heutigen Zeit. Die handgefertigten Raumschiffe, Monster und Flotten haben daher nichts mehr mit der simplen Pixelgrafik der vergangen Jahre gemein, sondern sind vor allem eines: farbenprächtig (da zeigt sich dann eben doch der typische Indie-Game Retro-Stil). Die fügen sich dann in bisher 25 Leveln zu den unterschiedlichsten Formationen – wie etwa zu einem Schmetterling – zusammen. Deraritige Formationen habe ich persönlich aber nie zu Gesicht bekommen, da ich es selbst nie weiter als bis Level 5 oder 6 geschafft habe (und ich dann natürlich wieder von vorne anfangen musste. Speicherpunkte sind was für Anfänger). Mir wurde aber bestätigt, dass das völlig normal sei. Gut zu wissen also, wenn man die Schuld mal beim Spiel suchen kann.

GalagansIsland1

Auch solche schönen Bilder bekam ich im Stress nie zu Gesicht.

 


Was ist “Early Access”?
Als Early Access wird in der Videospielindustrie ein Finanzierungsmodell, bei dem Entwickler ihr Videospiel der Spielergemeinde in einem unfertigen Status und für einen geringen Preis präsentieren. Da die Spieler so den jeweiligen Titel noch vor der Fertigstellung testen können, profitiert der Entwickler von den frühzeitigen Erfahrungswerten der Spieler, die er so noch in die Spielentwicklung einbringen kann.


 
Wer also gerade auf der Suche nach einer recht preisgünstigen Herausforderung ist und nebenbei noch bei der Entwicklung eines Indie-Games behilflich sein möchte – für den ist “Galagan’s Island” genau der richtige Zeitvertreib. “Galagan’s Island” bietet zwar keine großen Überraschungen, wird und will auch garantiert nicht die Videospielwelt revolutionieren, ist aber dennoch eine durchaus gelungene und liebevolle Hommage an an die alten Klassiker. Irgendwie muss man den Klassikern ja auch hin und wieder die gebührende Ehre erweisen. Und wem das nicht reicht, der hat vielleicht auch noch die Chance ein wenig in das Geschehen einzugreifen: “Galagan’s Island” befindet sich bei Steam noch – genau wie die beiden anderen Spiele des Publishers – im Early Access Status.

 



Galagan’s Island: Reprymian Rising

Space Shooter, Arcade Style
Entwickler: Skinny Jean Death Studios
Publisher: Forever Humble PDX
Steam
12. Juni 2015 (Early Access)

Caecilia

Ehemaliger(?) "Final Fantasy"-Freak. Hat durch die Liebe für das Japanische Rollenspiel zum Videospiel gefunden.

Nachdem der Traum vom Leben im Land der aufgehenden Sonne schon am Sushi-Hass zerplatzte, fand die Musik- und Theaterwissenschaftlerin mit den Game Studies einen passenden Ersatz; ging ihren Dozenten deswegen permanent mit Hausarbeiten zu Videospielmusik, Avatartheorien oder Bewegungssteuerungskonzepten auf den Leim; versuchte sich nebenher als Redakteurin beim RETRO-Magazin oder stockte ihre Spielesammlung mit Aushilfsjobs bei GameStop auf.

Ihr großer Traum: Mit einer Professur das eigene Hobby durch die Uni finanzieren zu lassen. Bis dahin tobt sich eben auf schraeglesen aus und bezahlt die Spiele vorerst aus eigener Tasche. Wegen ihrer Vorliebe für Indie Games hält sich der finanzielle Aufwand dabei zum Glück in Grenzen.
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Ehemaliger(?) "Final Fantasy"-Freak. Hat durch die Liebe für das Japanische Rollenspiel zum Videospiel gefunden. Nachdem der Traum vom Leben im Land der aufgehenden Sonne schon am Sushi-Hass zerplatzte, fand die Musik- und Theaterwissenschaftlerin mit den Game Studies einen passenden Ersatz; ging ihren Dozenten deswegen permanent mit Hausarbeiten zu Videospielmusik, Avatartheorien oder Bewegungssteuerungskonzepten auf den Leim; versuchte sich nebenher als Redakteurin beim RETRO-Magazin oder stockte ihre Spielesammlung mit Aushilfsjobs bei GameStop auf. Ihr großer Traum: Mit einer Professur das eigene Hobby durch die Uni finanzieren zu lassen. Bis dahin tobt sich eben auf schraeglesen aus und bezahlt die Spiele vorerst aus eigener Tasche. Wegen ihrer Vorliebe für Indie Games hält sich der finanzielle Aufwand dabei zum Glück in Grenzen.

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