Erstmal ein Aphorismus


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Es war ein Schock für viele – für Medienvertreter, Intellektuelle, Linke, Liberale, Künstler, Diplomaten: Donald Trump ist Präsident der USA und verfolgt nun seine Strategie, „to make America great again.“ Vielleicht ist es Selbstbehandlung, aktives Verstehenwollen oder der Versuch sich dem Irrwitz zu stellen, der Autor Francis Nenik begleitet die Präsidentschaft in einem literarischen Tagebuch.

Die erste Woche

Kaum im Amt und schon geht es drunter und drüber: Als ob Donald Trump sich schon Sorgen machen würde, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, hat er einen Regierungsstil aus dem modernen Vorderasien gewählt und macht einfach was er will. Aber was erwartet man auch von einem Menschen, der es mit der Wahrheit nicht ganz so genau nimmt. Dabei wäre es zumindest schön, wenn er wenigstens versuchen würde, einen entsprechenden Ton pflegen würde. Doch eines muss man ihm lassen: Er hält seine Wahlversprechen, oder wie man seine Ankündigungen sonst nennen will, ein: Er gibt eine Mauer zu Mexiko in Auftrag, er kippt Obamacare, er will Journalisten den Mund verbieten und will klar gegen Einwanderung vorgehen (selbst wenn die Einreisenden in Amerika leben). Kein Wunder, dass ich nicht als einziger das Gefühl habe, dass sich George Orwell einfach nur um ungefähr 30 Jahre verschätzt hat.

Doch für Francis Nenik ist das gut. Der Autor hat sich vorgenommen die Präsidentschaft Trumps mit seinem literarischen „Tagebuch eines Hilflosen“ zu begleiten und jeden Tag einen kurzen Text zu verfassen. Tatsächlich gab es für diese Woche viel zu schreiben, was schon Worte, wie Superpowermontag zusammenfassen, womit Nenik fast schon Trumps Regierungsstil vorwegnahm, der eben an einem Montag schnell mal das Thema Klimaschutz beerdigt. Gerade solche Worte und Bilder sind es, die Neniks Einträge auszeichnen. Wie schon in seinem überbordenden Debüt „XO“ zeichnet sich Nenik als Sprachkünstler aus, der Skandale (so würden es einige nennen) zu Vierzeilern verdichtet: Die Amtseinführung wird zum Höhenflug eines Vogels, der Krieg mit den Medien und die Einigung der Bevölkerung wird mit Haarpflege verknüpft, ebenso wie er die Außer-Kraft-Setzung von Obamacare mit den kollabierenden Lungenflügeln von Bergarbeitern parallelisier, der angeordnete Mauerbau wird bei ihm zu einem Stück konkrete Poesie.

Der Titel kann dann auch mehrdeutig gelesen werden: Natürlich steckt dabei auch Fatalismus dahinter (nicht ohne etwas Hoffnung zwischen den Zeilen). Da ist vom Ende der Welt die Rede und auch die Beschreibung von Militärgeschäften zwischen den USA und Deutschland als Wippspiel hat etwas bitteres. Nenik hadert dazwischen auch mit seiner Rolle: „Meine Worte ändern nichts.“ Er hinterfragt aber auch die Realität, wenn er über Trump sagt, „er hat die Nachrichtenkette umgekehrt.“ Im Ton ist Nenik nicht nicht ganz festgelegt. Der erste Tag las sich abgehoben von der Realität, als ob er die Ereignisse fiktionalisieren wollte, verzichtet er auf Namensnennung, um am Sonntag doch Donald zu schreiben. Seine Texte sind mal poetische Beobachtungen, mal wohnen ihnen eine kritische Stimmung inne. Obwohl es anmaßend ist, die Literatur nach ihrem Nutzen zu fragen, sollte die Frage bei so einem politischen Projekte durchaus erlaubt sein, nicht zuletzt um zu bestimmen, was hier passiert. Die Texte erzählen nichts und sie erklären sich am besten, wenn der Leser die jüngsten Nachrichten kennt. Denn Nenik verrät nichts Objektives über Trump, aber er zieht aus den Ereignissen für sich eine Erkenntnis, die er in wenige Worte gießt, die wiederum ein sich ständig erweiterndes Panoptikum dieser besonderen Präsidentschaft ergeben.

Aber die Amtszeit hat ja gerade erst angefangen. Also warten wir ab wie sich Trump und Neniks Tagebuch entwickeln. Schauen wir in drei Monaten nochmal…

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